„In die Enge getrieben“

Esther Schweins packt in Doku über Thomas Gottschalk aus – Szene sorgt für Entsetzen

Ein Archivausschnitt aus „Wetten, dass..?“ von 1996 entfacht eine neue Debatte über den Umgang mit Frauen im deutschen Unterhaltungsfernsehen.

Thomas Gottschalk bei Wetten, dass..? im Jahr 1998, er zeigt auf den Kleidausschnitt von Iris Berben.
Frauen, die es wagten, mit Beinen ins „Wetten, dass..?“-Studio zu gehen, waren ein gefundenes Fressen für Thomas Gottschalk. Foto: © Archiv: ZDF

Die Dokumentation „Was haben wir gelacht“ beleuchtet das deutsche Showgeschäft der Neunziger- und 2000er-Jahre – „eine Zeit, in der Frauen im Fernsehen vor allem Beiwerk waren, als Pointen dienten und weiblicher Humor als Quotenkiller galt“, wie es in der Beschreibung des Films heißt.

Neben Maren Kroymann, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Hella von Sinnen kommt darin auch Esther Schweins zu Wort – und schildert einen Auftritt bei „Wetten, dass..?“ im Jahr 1996, der ihr bis heute nachgeht.

„In die Enge getrieben“

Der gezeigte Archivausschnitt zeigt Thomas Gottschalk, wie er Schweins an der Hand zu seiner Couch führt, ihr wiederholt körperlich nahe rückt und ihr sexualisierende Kommentare vorliest. Als der Clip der heute 56-Jährigen in der Dokumentation vorgespielt wird, ist ihre Reaktion eindeutig: „Ich habe heute das Herzklopfen, das ich damals in dieser Situation hatte.“ Sie habe sich damals „in die Enge getrieben“ gefühlt und keine Worte dafür gehabt, „dass es mir nicht gut ging auf dem Sofa“.

Die Szene ist kein Einzelfall im Rückblick auf Gottschalks Karriere. Der langjährige „Wetten, dass..?“-Gastgeber tätschelte Schauspielerin Iris Berben das Knie, fummelte am Kleid von Beyoncé herum, als ihr Mikrofon verrutschte. Sein Umgang mit Frauen vor der Kamera beschäftigt die Öffentlichkeit schon länger – und auch in der neuen Dokumentation stehen neben Gottschalk weitere Kollegen wie Harald Schmidt und Stefan Raab im Fokus.

Der Entertainer selbst hat sein Auftreten stets verteidigt. „Ich habe Frauen im TV rein dienstlich angefasst. Wie ein Schauspieler, der im Film küsst, weil es im Drehbuch steht“, sagte er dem „Spiegel“ 2024.

Der Clip aus der Dokumentation löst im Netz heftige Reaktionen aus. Viele Zuschauer zeigen sich entsetzt: „Das ist maximal unangenehm“, „Mir ist gerade so schlecht, mir fehlen die Worte“, „Immer wieder eklig, das zu sehen“, „Einfach nur abstoßend“, „Übergriffig“ und „Unfassbar! Ich schäme mich“ sind nur einige der zahlreichen ähnlich lautenden Kommentare. Gleichzeitig findet sich viel Lob dafür, dass dieses Verhalten nun sichtbar gemacht und diskutiert werde.

Auf der anderen Seite gibt es auch Stimmen, die Gottschalk verteidigen und die Dokumentation kritisieren. „Damals hat es keinen gestört. Jedes Wort, Satz, gar körperliche Berührung von ihm heute neu zu bewerten ist völlig absurd“, schreibt ein Nutzer. „Keine der Damen hat sich beschwert. Warum tun sie es jetzt?“, fragt ein anderer. Auch Kommentare wie „Also ich habe nur Komplimente gehört“ und „Waren halt andere Zeiten. Meine Güte“ finden sich in der Diskussion.

Genau aus diesem Grund ist es gut und wichtig, dass es Dokumentationen wie „Was haben wir gelacht“ gibt – auch wenn sie von denen, denen es an Verständnis und Mitgefühl mangelt, wohl eh nie gesehen wird.

Quellen

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