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Joyn wird zur ZDFmediathek: Einigung nach Rechtsstreit

Nach einem handfesten Streit im Frühjahr 2025 haben sich ProSiebenSat.1 und das ZDF nun auf eine Kooperation geeinigt – mit einem entscheidenden Unterschied zum damaligen Eklat.

Die Logos von Joyn und ZDF.
Wer ZDF-Titel sehen will, muss nicht mehr die ZDFmediathek nutzen. Foto: Joyn/ZDF

Es war einer der lautstärksten Medienskandale des vergangenen Jahres: Im Frühjahr 2025 übernahm ProSiebenSat.1 ungefragt Inhalte von ARD und ZDF auf seiner Streamingplattform Joyn und wollte den Dienst nach österreichischem Vorbild zu einem „Superstreamer“ ausbauen.

ARD und ZDF wehrten sich – juristisch und verbal. ARD-Vorsitzender Florian Hager sprach von „Raubrittertum“ und einem „Anschlag auf das komplette System“. Keine vier Wochen nach dem Start war der sogenannte „Beta-Test“ wieder vorbei. Nun, mehr als ein Jahr später, gibt es eine überraschende Wende.

Einigung auf „Augenhöhe“

Nach Informationen des Medienmagazins DWDL.de haben sich ProSiebenSat.1 und das ZDF auf ein Embedding der ZDF-Inhalte bei Joyn geeinigt. On-Demand-Inhalte des Mainzer Senders sollen künftig direkt über Joyn abrufbar sein – und zwar nicht nur als externe Verlinkung, die das ZDF bereits vor über einem Jahr angeboten hatte, sondern als vollständige Integration in die Joyn-Umgebung. Nutzerinnen und Nutzer verlassen die Plattform beim Schauen von ZDF-Inhalten also nicht mehr.

Der generierte Traffic fließt dabei dank einer entsprechenden AGF-Messung dem ZDF zu. Entscheidend ist außerdem: Das ZDF bleibt vollständiger Rechteinhaber aller Produktionen und gibt keine Rechte an einen Konkurrenten ab. Joyn fungiert in diesem Modell lediglich als Aggregator und profitiert davon, dass ZDF-Zuschauer möglicherweise auch andere ProSiebenSat.1-Angebote nutzen – die wiederum vermarktbar sind. ZDF-Inhalte bleiben dabei auch auf Joyn werbefrei. Aus dem Umfeld beider Unternehmen heißt es, man habe sich auf eine „Kooperation auf Augenhöhe“ verständigt.

Weder das ZDF noch ProSiebenSat.1 wollten sich auf Anfrage von DWDL.de öffentlich zur Einigung äußern. Die konkrete Umsetzung ist laut DWDL.de für Herbst geplant. Ein genaues Startdatum, ab wann ZDF-Inhalte tatsächlich auf Joyn zu sehen sein werden, steht noch nicht fest.

Neue gesetzliche Rahmenbedingungen

Die Einigung kommt nicht aus dem Nichts. Im Dezember 2025 trat der Reformstaatsvertrag in Kraft, der explizit eine Kooperation zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern vorschreibt – inklusive konkreter Erwähnung des Embeddings. Diese gesetzliche Grundlage geht nicht zuletzt auf die frühere Lobbyarbeit von ProSiebenSat.1 zurück. Besonders der damalige Vorstand Markus Breitenecker hatte lange in der Politik für einen entsprechenden Passus geworben.

Die Ironie der Geschichte: Als Breitenecker im Frühjahr 2025 die Integration der ARD- und ZDF-Inhalte forcierte, war der Reformstaatsvertrag zwar bereits beschlossen, aber noch nicht in Kraft – und das unabgestimmte Vorgehen sorgte für breite Kritik, auch aus der Politik. Kurz darauf verließ Breitenecker ProSiebenSat.1 nach der Übernahme durch Media for Europe (MFE). Dass das Embedding-Projekt mit dem ZDF nun nachträglich doch realisiert wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie – diesmal jedoch mit gegenseitigem Einverständnis und ohne Nebengeräusche.

Mit der ARD ist ProSiebenSat.1 noch nicht einig. Hier war im Frühjahr 2025 auch deutlich mehr Porzellan zerschlagen worden – die öffentliche Auseinandersetzung zwischen den Beteiligten war sprachlich weitaus schärfer als jene zwischen Unterföhring und Mainz. Im Februar hieß es von der ARD gegenüber DWDL.de lediglich, man sei „nach der etwas kontroversen Episode rund um die Einbindung der Mediatheksinhalte im letzten Jahr wieder zu einem guten partnerschaftlichen Umgang zurückgekehrt.“

Nach der Logik von ProSiebenSat.1 dürfte eine Einigung mit der ARD langfristig ebenfalls angestrebt werden. Denn wenn das ZDF künftig auf Joyn vertreten ist, stellt sich zwangsläufig die Frage, warum die Mainzer von diesem Deal profitieren sollten – und die ARD nicht. Zunächst dürfte es in Unterföhring jedoch darum gehen, die ZDF-Inhalte reibungslos in Joyn zu integrieren.

Quellen
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