Fernsehen

Entlassungen und Streichungen: Sparkurs bei ARD und ZDF sorgt für Fan-Wut

Überall muss gespart werden – nur in der Chefetage der öffentlich-rechtlichen Sender kommen die Einsparungen scheinbar nicht an.

Peter Schnabel (Martin Brambach) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) sitzen im Auto.
Die Zwangspause für den Dresden-„Tatort“ ist nur eine von vielen Sparmaßnahmen. Foto: © MDR/MadeFor Film/Steffen Junghans

Bei ARD und ZDF ist der Rotstift dicker denn je: Produktionen werden eingestellt, Formate verschoben – und nun fliegen auch Promis vom Bildschirm. Die Sparmaßnahmen treffen nicht nur Produktionsmitarbeiter, sondern erreichen mittlerweile auch bekannte Gesichter wie Manuela Wisbeck und ganze Erfolgsreihen wie Tatort, Polizeiruf 110 und „Immer wieder sonntags“. Die Fans reagieren mit Wut – und mit der Frage: Warum trifft es vor allem die Kleinen und nicht die Top‑Verdiener?

Manuela Wisbeck: „Stich ins Herz“

Besonder hart traf es jetzt Notruf Hafenkante. Die Fans hätten Frauke Prinz sicher nicht als „Randfigur“ wahrgenommen – doch genau so bezeichnet die Produktion laut Manuela Wisbeck (42) ihre Rolle. Die Schauspielerin gehört seit 16 Jahren fest zum Ensemble des Elbkrankenhauses, bis ein Anruf aus der Produktion alles verändert: „Die Produktion meinte aus ökonomischen Gründen, dass die Rolle der Frauke Prinz auserzählt ist. Da sie nur eine Randfigur ist, wurde ich sozusagen entlassen.“

In ihrem Instagram‑Video schildert Wisbeck den Schock: „16 Jahre sind eine wahnsinnig lange Zeit. Ich wusste auch gar nicht, dass ich eine Randfigur bin.“ Die letzte Szene der Krankenschwester soll bereits im Juli gefallen sein – danach soll Frauke Prinz aus dem Klinik‑Alltag verschwinden. Für Wisbeck persönlich ist das weniger ein Karriere‑Knick, sondern mehr eine emotionale Wunde – ein exemplarischer Fall dafür, wie Sparmaßnahmen selbst langjährige Loyalität überrollen.

Zwangspause für „Tatort“ und „Polizeiruf 110“

Der Sparkurs betrifft jedoch nicht nur einzelne Akteure, sondern ganze Erfolgsreihen. Der MDR hat vor wenigen Wochen verkündet, dass die „Tatort“‑ und „Polizeiruf 110“‑Ermittlerteams aus Dresden und Magdeburg bis 2028 in die Zwangspause geschickt werden. Betroffen sind etablierte Stars wie Martin Brambach (58), Cornelia Gröschel (38) und Claudia Michelsen (57).

Auf Facebook spricht Brambach offen von der Zerstörung lang aufgebauter Strukturen und warnt, dass das Team sich um andere Jobs bemühen müsse, „um wie alle Menschen unsere Miete zu zahlen“. Die Pause, so deutet er an, könnte sich letztlich in ein Aus verwandeln – ein Signal, dass selbst Klassiker nicht mehr als „heilig“ gelten.

ARD‑Mittagsmagazin geht – und mit ihm Arbeitsplätze

Der MDR baut nicht nur Krimiserien ab, sondern auch eigene Magazine. Neben dem regionalen „MDR um Zwei“ wird das ARD‑Mittagsmagazin aus Leipzig zum Ende des Jahres eingestellt. Die Begründung ist klar: Der versprochene Beitragsanhebung von 18,36 auf 18,94 Euro wurde 2025 von den Bundesländern nicht umgesetzt – stattdessen laufen ARD und ZDF vor dem Bundesverfassungsgericht. Die Entscheidung steht noch aus.

Die Folgen sind jedoch sofort spürbar: Die Einstellung des Magazins bedeutet nicht nur den Verlust eines Formats, sondern auch den Abbau von Redakteuren und Bildschirm‑Teams. Die Produktionsallianz, ein Interessenverband von TV‑Produzenten, warnt: Die Sparmaßnahmen beim MDR bedeuten „den Abbau von Produktionsstrukturen und den dauerhaften Verlust tausender Arbeitsplätze“ – ein Schlag für die gesamte Branche.

Stefan Mross und der „kalte“ Rauswurf

Im Südwestrundfunk (SWR) klafft eine jährliche Finanzierungslücke von 70 Millionen Euro. Der Ausgleich erfolgt nun auch durch den Abbau von Formaten: „Immer wieder sonntags“, die SV‑Samstags‑Live‑Show nach über 30 Jahren, wird ab Sommer eingestellt. Programmdirektor Clemens Bratzler (54) erklärt: „Die wirtschaftliche Situation des SWR lässt uns keine andere Wahl.“

Für Entertainer Stefan Mross (50) ist das mehr als ein beruflicher Schritt zurück. In einem Interview berichtet Mross, der Sender habe bereits einen Text vorbereitet, den er „nur noch unterschreiben“ musste – ein Schreiben, das suggerieren sollte, das Ende der Show sei „in beiderseitigem Einvernehmen“ erfolgt. „Das war eiskalt. Natürlich sind an diesem Tag Tränen geflossen“, sagt er. Die emotionale Verletzung trifft ihn hart – und die Symbolik, dass ein erfolgreiches Format einfach „weitergedacht“ wird, hat Fans verunsichert.

Beatrice Egli wechselt – und der Sender schließt ab

Der SWR streicht auch andere Produktionen. Die „Beatrice‑Egli‑Show“ läuft nach acht Ausgaben aus – offiziell beendet die Sängerin die Sendung, um auf Tour zu gehen. Doch ein Nachfolgeformat ist nicht in Sicht. Die Schließung reiht sich ein in den harten Sparkurs: Formate, die sich seit Jahren bewährt haben, werden ohne geeignete Ersetzung eingestampft. Die Produktionsallianz bewertet dies als „ökonomische Selbsthemmung“, die die Zukunft der deutschen TV‑Industrie langfristig schwächen könnte.

Doch die eigentliche Ironie des Sparkschusses liegt auf der obersten Ebene: Während Redakteure, Produzenten und Schauspieler gehen, bleiben die Gehälter der Intendanten stabil. Die Vergütungen bei ZDF und ARD liegen zwischen 220.000 und 430.000 Euro pro Jahr – ein Niveau, das sich nicht an die Sparmaßnahmen af Lakissierung anpasst. Politiker wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (59, CSU) haben zudem wiederholt auf Budget‑Kürzungen gedrängt.

Die Folge: Die Einschnitte treffen fast ausschließlich jene, die am wenigsten Einfluss haben – und diejenigen, die sich keiner privaten Extrascadeität erfreuen. Die Fans fragen sich: Wenn die Beitragserhöhung schon streng verhandelt wird, warum fallen die Kosten nicht bei den Top‑Verdienern, sondern bei den Engagierten im Team – die ohnehin für das Image von ARD und ZDF arbeiten?

Quellen

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