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Auge um Auge, Zahn um Zahnarzt

Der beste Film der Reihe – Kritik zu „Insidious: Out of the Further“

„Insidious: Out of the Further“ reiht sich in die großen Horrorüberraschungen ein – wenn auch in einem etwas schmaleren Rahmen …

Gemma kriecht durch eine recht enge Kissenburg.
Zum ersten Mal beweist die „Insidious“-Reihe, dass sie regelrecht beklemmend sein kann. Foto: © 2026 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Seit „Insidious“ aus dem Jahr 2010 sind knapp 16 Jahre vergangen und der kleine unscheinbare Film hat nicht nur die Zukunft der Horrorschmiede Blumhouse gesichert, sondern auch ein eigenes kleines Franchise begründet. Nun wird die rote Tür erneut aufgestoßen, denn mit „Insidious: Out of the Further“ kommt mittlerweile der sechste Teil der Reihe in die Kinos. Und obwohl der Film zwar vieles anders, aber wenig neu macht, kann man trotzdem behaupten, dass es sich hierbei um den besten Vertreter der Reihe handelt.

Worum geht es in „Insidious: Out of the Further“?

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Video: © 2026 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Gemma (Amelia Eve) wohnt mit ihrer Tochter Maya (Island Austin) in ihrem Kindheitshaus – und das, obwohl sich ihre Mutter dort vor vielen Jahren auf mysteriöse Art und Weise das Leben genommen hat. Doch diese furchtbaren Umstände sind für Gemma verjährt, denn sie lebt ein mehr als idyllisches Leben. Zumindest scheint es so, denn als die Mutter von furchtbaren Träumen aus dem Jenseits geplagt wird, merkt sie, dass etwas faul ist.

Einige Nachforschungen ergeben, dass es ein durchtriebener Dämon auf sie abgesehen hat, der einen besonders perfiden Plan verfolgt: Da Gemma die Gabe besitzt, Tote wieder in die Welt der Lebenden zu bringen, will er diesen Umstand ausnutzen, um seine Gefolgschaft und sich zu rehabilitieren und die Herrschaft über die Welt an sich zu reißen.

Unschöne Überraschungen im besten Sinne

Wer hat jemals die Zahl 6 hinter einem Film gesehen und sich dann gedacht: „Was sie wohl dieses Mal zu erzählen haben?“ – „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ zählt nicht! „Insidious“ ist in einer Hinsicht etwas ganz Besonderes: Viele Horrorreihen brachten es im letzten Jahrtausend auf manchmal bis zu zehn Ableger … ein Umstand, der vielen Reihen heutzutage nicht mehr vergönnt ist. Prinzipiell ist „Insidious“ vielleicht nicht genretechnisch, aber zumindest in der Bedeutung wie „Freitag der 13.“ oder „A Nightmare on Elm Street“ einzuordnen – wenn auch weniger popkulturell relevant.

Nun hat sich bei „Freddy’s Finale – Nightmare on Elm Street 6“ niemand gefragt, was es jetzt noch zu erzählen gibt, denn prinzipiell galt nur, dass man die Kuh so lange melken sollte, bis sie kein Geld mehr macht. Ähnliches dürfte auf „Insidious 6“ zutreffen – mit dem Unterschied, dass der Film tatsächlich die Ambitionen mitbringt, ein neues Erlebnis zu bieten.

Auf die Gefahr hin, dass man das falsch versteht: „Insidious: Out of the Further“ revolutioniert das Horrorkino nicht, wie es andere dieses Jahr getan haben, aber wenigstens versucht man, in einer sonst sehr formelhaften Reihe neue Wege zu gehen. Wer wissen will, was das bedeutet, sollte einen Schritt durch die rote Tür wagen …

Auge um Auge, Zahn um Zahnarzt: Wie gruselig ist „Insidious: Out of the Further“?

Zu Beginn setzt „Insidious 6“ auf die altbewährten und ausgelutschten Kamellen des modernen Horrors. Spannung wird aufgebaut, die Musik verstummt und – zack! – taucht ein lautes Geräusch auf, das hoffentlich gruselt, wenn die Bilder es nicht tun sollten. Doch nach zwanzig Minuten bricht der Film für lange Zeit mit dieser Unart und versucht andere (erneut: nicht neue) Wege zu gehen.

Es ist ein wenig so, als würde man Geisterbahn fahren: Die Fahrt geht behäbig und langsam los, denn die Bahn ist definitiv in die Jahre gekommen, dann kommt man bei den ein bis zwei teureren Schauwerten an, bis schlussendlich im Finale alles verschossen wird. Und normalerweise waren die Schauwerte in den „Insidious“-Filmen nie weltbewegend, aber im sechsten Teil sollten vor allem eine Kissenburg sowie ein Zahnarztbesuch einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Irgendwann überschreitet man sogar Genre-Grenzen und fängt an, mit tätowierten Grapefruits einen Heist-Movie zu inszenieren. Und während in jedem anderen Film Bemühungen voraussichtlich vorausgesetzt werden, muss man „Insidious 6“ immerhin anrechnen, dass man zum ersten Mal in der Reihe Spaß am Ausprobieren hat – und sich nicht scheut, auch etwas campy und/oder whacky zu werden.

Wenig organisch, viel konstruiert: Wo „Insidious: Out of the Further“ etwas kränkelt

Dennoch muss man eingestehen, dass man „Insidious 6“ den konstruierten Geisterbahn-Gedanken nicht vollends absprechen kann. Vieles bleibt vorhersehbar: Genre-Kenner, aber auch Novizen und vielleicht sogar Neulinge dürften wissen, wie alles am Ende des Tages ausgehen wird.

Und auch das Brechen mit Konventionen hilft nicht gegen den Einsatz von Klischees, die man per se gar nicht benötigen würde, würde man die Geschichte nur etwas kürzen. Darüber hinaus ist vieles einfach zu handzahm und sollte wirklich nur diejenigen gruseln, die nie, selten oder kaum einen Fuß in den großartigen Kosmos des Horrorfilms setzen.

Bait and Switch: „Insidious: Out of the Further“ ist grundsolide und irgendwie charmant

Falls mich jemand fragen würde, ob es „Insidious: Out of the Further“ wirklich braucht, hätte ich folgende Antwort parat: „Ja, Gegenfrage: Braucht es wirklich ‚Insidious‘ 1 bis 5?“ Teil 1 war sicherlich nach damaligen Maßstäben revolutionärer Natur, wirkt durch die heutige Brille aber eher wie kalter Kaffee.

„Insidious: Out of the Further“ hingegen erscheint schon fast wie ein Soft-Reboot der Reihe. Ganz nach dem Motto: Okay, jetzt, wo wir alle von unserer Strahlkraft überzeugt haben, können wir ja wirklich mal versuchen zu strahlen. Und strahlen tut „Insidious 6“ wirklich – oder zumindest ich, der beim Film immer wieder mal lächeln musste, weil man sich konsequent traut, auch mal albern oder spaßig zu sein.

In den besten Momenten erinnert der Film stellenweise an „Weapons“, „Smile 2“ oder „Backrooms“ … und in seinen albernsten Momenten an „Poltergeist“ oder John Carpenter. Zum ersten Mal überhaupt frage ich mich, was „Insidious 7“ zu erzählen hat, denn wenn man so vorlegt, dann hat man sich ausnahmsweise mal die Vorschusslorbeeren verdient.

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