Kino

„Club der roten Bänder“: Tim Oliver Schultz und Jürgen Vogel über das Schicksal

Für die Verfilmung der beliebten Vox-Serie „Club der roten Bänder“ haben sich die Produzenten Jürgen Vogel ins Boot geholt. Die Chemie zwischen ihm und Schauspiel-Partner Tim Oliver Schultz stimmt auf alle Fälle, wie wir im Interview erfahren durften.

Tim Oliver Schultz Jürgen Vogel
Tim Oliver Schultz und Jürgen Vogel hatten viel Spaß am Set des „Club der roten Bänder“-Films. | Getty Images

Im Februar startete der Film zur Vox-Serie „Club der roten Bänder“ im Kinon. Neben dem Original-Cast aus der Serie spielt auch niemand geringerer als Jürgen Vogel in dem Prequel mit. Die Schauspiel-Legende verkörpert Benni, einen Krebs-Patienten, der den von Tim Oliver Schultz dargestellten Leo auf das Leben mit der schrecklichen Krankheit vorbereitet.

Für Jürgen Vogel ist besonders einer für den großen Erfolg von „Club der roten Bänder“ verantwortlich: sein Schauspiel-Kollege Tim Oliver Schultz, den er schon bei den Dreharbeiten zu „Die Welle“ 2007 kennenlernte. „Es hat auf jeden Fall ganz viel mit ihm zu tun, da bin ich mir sicher. Überhaupt die ganzen Schauspieler sind toll.“ Zudem habe das Drehbuch und die Vorlage ihn überzeugt, bei dem Projekt dabei zu sein.

 

Tim Oliver Schultz als 15-Jähriger

Der Film erzählt die Vorgeschichte zur Serie. Die Herausforderung dabei war, die Schauspieler jünger darzustellen, als sie eigentlich sind. Bei Tim Oliver Schultz sei das aber kein Problem gewesen. „Bei ihm geht das ja ganz leicht. Man rasiert ihn ein bisschen und dann passt das. Durch die kurzen Hosen hat es auch funktioniert! Ist leider viel rausgeschnitten worden, aber er hat oft in kurzen Hosen gespielt. Und in den Proben und in den Pausen hat er immer so einen kleinen Schulranzen gehabt und eine Einschulungstüte, damit er dieses Jugendliche, Kindliche bekommt“, scherzt Jürgen Vogel.

Da vergisst man schnell, dass Tim Oliver Schultz 30 Jahre alt und schon seit 18 Jahren im Film-Business tätig ist. Dass sein Kollege heute immer noch als Nachwuchsschauspieler vorgestellt wird, findet Jürgen Vogel gar nicht schlimm. Im Gegenteil: „Freu dich doch, Mann!“, ruft er. Er muss es ja wissen. Seit 1985 ist er nun schon in Filmen und Serien aller Art zu sehen. Die Entwicklung des Business' über die Jahre sieht er positiv: „Es wird immer besser. Es besteht gerade eine große Zukunft mit vielen Möglichkeiten. Da denke ich immer positiv.“

 

Jürgen Vogel: „Es macht Spaß, einen Antihelden zu spielen“

In seiner neusten Rolle spielt Jürgen Vogel einen Griesgram, der sich nach einiger Zeit doch noch öffnet und seinen Zimmernachbar Leo unter seine Fittiche nimmt. Doch was macht denn nun mehr Spaß? Die „bösen“ oder die „guten“ Rollen? „Prinzipiell schwer zu verallgemeinern, aber so generell macht das total Spaß, einen Antitypen zu spielen, jemanden, den man eigentlich erst scheiße findet. Oft sind ja Rollen, die so lieb sind, auch sehr langweilig. Aber die Figur entwickelt sich ganz toll. Benni hat verschiedene Seiten und man versteht das nachher auch ein bisschen“, erklärt Jürgen Vogel die Entwicklung seiner Rolle.

Die Dynamik zwischen Leo und Benni funktioniert auch deswegen so gut, weil die Chemie zwischen den Darstellern stimmt. „Es war knüppelharte Arbeit mit ihm, sowas zu erarbeiten, dass man so tut, als würde man sich mögen. Aber mein Gott, wir sind halt Schauspieler“, so Jürgen Vogel. Alles nur Spaß natürlich. „Es war genau anders herum. Es war so, dass wir extrem ernste Szenen spielen mussten und kurz vorher rumgealbert haben und irgendwelche Witze gemacht haben“, stellt Tim Oliver Schultz richtig.

Humor brachte dann auch ihre Figuren in „Club der roten Bänder“ letztendlich zusammen, wie Tim Oliver Schultz feststellt: „Bei der ersten Begegnung der beiden gibt es für Leo erstmal einen verbalen Schlag in die Fresse und bei der zweiten und dritten eben auch. Irgendwann erwischt er ihn in diesem Moment der Schwäche und konfrontiert ihn, er bringt den ersten Witz und dann sind sie Freunde.“

Club der roten Bänder
„Club der roten Bänder“ ist jetzt auch im Kino zu sehen! | VOX / Martin Rottenkolber

Neben einigen dieser lustigen Momente ist der Film gespickt mit traurigen Szenen, die sich bei der Thematik nicht vermeiden lassen. Um die Rolle eines Krebspatienten mit all ihren Facetten spielen zu können, greift Jürgen Vogel auf persönliche Erfahrungen mit der Krankheit zurück: „Ich habe privat Erfahrung mit Krebs in meinem näheren Umfeld familiär bedingt und insofern kenne ich natürlich diese ganzen Torturen und das alles, aber eben nicht von mir, sondern von Menschen, die mir ganz nahe stehen. Deswegen ist mir dieses Thema grundsätzlich wichtig gewesen. Ich finde es gut, dass die Serie das aus dieser Tabuzone rausholt, die Figuren leben lässt und zeigt, dass das Leben auch stattfindet. So, wie es eben wirklich ist, wenn du Krebs hast. Dann ist ja nicht dein Leben vorbei. Du hörst nicht auf, zu lachen, sondern versuchst, auch weiterhin zu lieben, zu überleben und irgendwie damit klarzukommen.“

 

„Club der roten Bänder“: Was ist Schicksal?

Ebenso tiefgründig wird es dann auch in der Diskussion um die Frage, was Schicksal denn nun genau bedeutet. „Ich glaube, mit der Frage nach dem Schicksal sucht man eine Antwort auf was ähnliches wie, was Gott sein kann. Es ist nur, um irgendetwas die Schuld geben zu können, um zu sagen, wie konnte Gott mir das antun? Und ich suche keine richtige Antwort, ehrlich gesagt. Das ist einfach das Leben“, erklärt Tim Oliver Schultz.

Jürgen Vogel nimmt eine Metapher zur Hilfe, um seine Gedanken auszudrücken: „Weißt du, was ich finde? Wir gehen ja so durch den Wald und da sind ganz viele Lebewesen, Ameisen zum Beispiel. Ich finde, wir Menschen sind denen sehr ähnlich. Wenn man ganz weit weg fliegt nach oben und die Menschen beobachtet, dann haben die sowas ameisenmäßiges. Man erhebt sich und das wird alles ganz klein und es werden ganz viele. Wir laufen jeden Tag durch den Wald und trampeln ich weiß nicht, wie viele Tiere tot. Einfach so. Und dass wir das tun, ist nicht Schicksal der Ameisen. Die Ameisen müssten ja dann auch denken, achso, das ist ja Schicksal, dass der auf mich drauftritt. Ich glaube, das ist einfach das Leben. Manche sterben, manche werden überfahren, andere haben Krebs, andere werden erschossen, andere leben in einem bescheuerten scheiß Kriegsgebiet und es ist nicht deren Schuld und auch nicht deren Schicksal, es ist einfach das Leben. Das Leben an sich auf diesem Planeten bedeutet nicht gerecht. Vielleicht ist Schicksal auch ein anderes Wort für das normale Leben und es gibt eigentlich nur eine Regel: Dass du versuchst, das Beste daraus zu machen.“ Wir hätten es nicht besser sagen können.

Selina Jüngling

 
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