Nothing Ear (3a) im Test: Diese 99-Euro-Kopfhörer können plötzlich sogar aufnehmen?
Die Nothing Ear (3a) überzeugen im Test mit starkem Klang, ANC und langer Akkulaufzeit. Besonders spannend ist aber ihre neuartige Aufnahmefunktion.

In-Ears sollen Musik abspielen, Außengeräusche ausblenden und bequem im Ohr sitzen. Die Nothing Ear (3a) können allerdings noch deutlich mehr: Sie haben einen eigenen Speicher und können damit sogar Telefonate und andere Audioinhalte aufnehmen. Im Test zeigt sich, ob die ungewöhnliche Funktion wirklich praktisch ist und was die rund 100 Euro teuren Kopfhörer darüber hinaus zu bieten haben.
Beim Klang überzeugen die Ear (3a). Dazu kommen ANC, LDAC, Bluetooth 6.0, Multipoint und ein umfangreicher Equalizer. Besonders spannend finde ich aber die Aufnahmefunktion. Denn so praktisch ein Rekorder direkt im Ohr sein kann, ein leicht mulmiges Gefühl hinterlässt die Idee bei mir ebenfalls.
Kleiner Spoiler schon vorab. Vom Sound her können die Nothing Kopfhörer locker mit den letzten Generationen der Airpods Pro von Apple mithalten. Für die Summe würde ich sogar eher bei den In-Ears von Nothing zuschlagen, als den In-Ears aus Cupertino.
Und das kommt von mir – einem absoluten Apple-Jünger.
Klang: Die Nothing Ear (3a) haben ordentlich Druck
Nothing setzt bei den Ear (3a) auf 12-mm-Treiber. Im Test zeigt sich schnell: Hier geht es klanglich nicht um einen möglichst zurückhaltenden Auftritt. Die Ear (3a) spielen kräftig und mit ordentlich Druck, wobei vor allem der Bass deutlich präsent ist.
Die Ear (3a) klingen für mich insgesamt sehr gut. Gerade wenn du einen etwas kräftigeren Sound magst, machen die In-Ears Spaß. Der Bass verleiht Songs ordentlich Nachdruck, gleichzeitig bleiben Stimmen und Instrumente für meinen Geschmack klar genug.
Mir gefällt der Klang bereits mit der Standardeinstellung. Trotzdem lohnt sich ein Blick in die App, denn Nothing gibt dir beim Sound deutlich mehr Möglichkeiten an die Hand, als es bei vielen In-Ears in dieser Preisklasse üblich ist.

Umfangreicher Equalizer
Nothing spendiert den Ear (3a) einen achtbandigen Equalizer. Neben verschiedenen Voreinstellungen kannst du den Klang selbst anpassen und eigene Profile erstellen. Deine Einstellungen lassen sich sogar über QR-Codes mit anderen Nutzern teilen.
Im Test zeigt sich, dass die Veränderungen nicht nur auf dem Papier existieren. Schon kleinere Anpassungen an einzelnen Frequenzbereichen können den Klang hörbar verändern. Wenn dir die Abstimmung ab Werk also nicht ganz zusagt, kannst du bei den Ear (3a) ziemlich tief in die Feinabstimmung einsteigen.
Das ungewöhnliche Highlight: Die Ear (3a) können aufnehmen
Der spannendste Teil der Ear (3a) steckt allerdings nicht bei den Lautsprechern. Nothing hat 32 MB internen Speicher in die In-Ears gepackt. Dadurch werden die Kopfhörer plötzlich zu einem kleinen Aufnahmegerät.
Du kannst damit Telefonate und andere Audioinhalte direkt über die In-Ears aufzeichnen. Bei Telefonaten kann eine Aufnahme bis zu zwei Stunden lang sein. Wichtig: Das Gegenüber wird beim Start eines Anrufmitschnitts über die Aufzeichnung informiert.
Anschließend lassen sich die Aufnahmen über die Nothing-X-App auf das Smartphone übertragen.
Bei der Aufnahmefunktion bin ich zwiegespalten. Die Möglichkeit, einen wichtigen Gedanken oder ein Gespräch direkt über die Kopfhörer festzuhalten, finde ich durchaus spannend. Gleichzeitig ist es ein ungewohntes Gefühl, dass ausgerechnet die In-Ears, die man ständig im Ohr trägt, plötzlich selbst als Rekorder dienen können. Ein bisschen gruselig finde ich das schon. Und dann wäre da ja noch die Frage mit dem Datenschutz.
Audio Snapshot speichert 30 Sekunden
Auch interessant ist die Sache mit Audio Snapshot. Die Funktion kann entweder die nächsten 30 Sekunden oder die vergangenen 30 Sekunden eines Audioinhalts speichern.
Das kann beispielsweise bei Podcasts, YouTube-Videos, Songs oder Sprachnachrichten praktisch sein. Hörst du in einem Podcast gerade einen Satz, den du behalten möchtest, kannst du die vergangenen 30 Sekunden sichern, ohne erst auf dem Smartphone zurückspulen zu müssen.
Bei anderen Inhalten ist die Aufnahmedauer aus urheberrechtlichen Gründen auf 60 Sekunden pro Clip begrenzt.
Ein kleiner Haken: Wenn die vergangenen 30 Sekunden dauerhaft zwischengespeichert werden sollen, geht das zulasten der Akkulaufzeit.
Aufnahmen lassen sich transkribieren
Die Aufnahmen kannst du anschließend nicht nur anhören, sondern auch in Text umwandeln. Dafür stehen verschiedene Transkriptionsmöglichkeiten zur Verfügung.
Eine schnelle und eine präzise Variante funktionieren auch offline. Zusätzlich gibt es eine KI-gestützte Pro-Transkription mit Sprechererkennung.
Im Test zeigt sich, dass die grundlegende Transkription bei mehreren Sprachen solide funktioniert. Sobald mehrere Personen gleichzeitig sprechen, kommt die Erkennung allerdings eher an ihre Grenzen.
Für die Aufnahme- und Transkriptionsfunktionen brauchst du ein Nothing-Konto. Die Pro-Variante ist zunächst drei Monate kostenlos. Danach kann ein Abo erforderlich sein.
Ein geplantes Update soll die Aufnahmefunktionen außerdem um Zusammenfassungen, Sprechererkennung und Erinnerungen an einen Kalender erweitern.
ANC ist gut, aber nicht überall stark
Auch bei der Geräuschunterdrückung liefern die Ear (3a) ordentlich ab. Im Test zeigt sich vor allem bei tiefen Geräuschen eine gute Wirkung. Das Rollen von Bahn oder Zug wird spürbar reduziert.
Bei höheren Frequenzen stößt das ANC dagegen schneller an seine Grenzen. Stimmen oder Geräusche wie Geklapper können weiterhin deutlich durchkommen.
Der Transparenzmodus gefällt mir grundsätzlich gut. Er wirkt angenehm natürlich, wobei ein leichtes Grundrauschen auftreten kann. Windgeräusche werden dagegen effektiv reduziert.
Unterm Strich ist die Geräuschunterdrückung für die Preisklasse ordentlich. Wer hauptsächlich tiefe Umgebungsgeräusche ausblenden möchte, dürfte mit den Ear (3a) zufrieden sein. Bei höheren Frequenzen darfst du dagegen keine Wunder erwarten.
Komfort: Leicht und angenehm im Ohr
Mit 4,5 Gramm pro Ohrhörer gehören die Nothing Ear (3a) zu den angenehm leichten In-Ears. Im Lieferumfang liegen vier verschiedene Größen von Silikonaufsätzen, darunter erstmals auch eine XS-Variante.
Im Test sitzen die Ear (3a) angenehm im Ohr und können auch über mehrere Stunden getragen werden. Bei stärkeren, ruckartigen Bewegungen können sie sich allerdings etwas lockern.
Gerade beim Sport kommt es deshalb darauf an, welcher Aufsatz bei dir am besten sitzt. Die Trageerkennung in der Nothing-X-App kann dabei helfen, die passende Größe zu finden.
Steuerung funktioniert zuverlässig
Die Steuerung erfolgt über Druck auf den Stiel der Ohrhörer. Das gefällt mir grundsätzlich gut, weil du dadurch beim Einsetzen oder Nachjustieren nicht versehentlich Befehle auslösen solltest.
Welche Gesten welche Funktion übernehmen, kannst du über die App anpassen. Auch die Lautstärkeregelung und die Mikrofonstummschaltung lassen sich darüber steuern.
Bei der Ohrerkennung gibt es dagegen einen kleinen Schwachpunkt: Wird einer der Ohrhörer länger als drei Minuten aus dem Ohr genommen, setzt die Wiedergabe beim erneuten Einsetzen nicht automatisch wieder ein.

Bluetooth 6.0, LDAC und Multipoint
Bei der Verbindung sind die Ear (3a) auf der Höhe der Zeit. Nothing unterstützt Bluetooth 6.0 sowie die Codecs SBC, AAC und LDAC.
LDAC ermöglicht eine höhere Audioqualität und lässt sich gleichzeitig mit Bluetooth-Multipoint nutzen. Du kannst die Ear (3a) also mit zwei Geräten parallel verbinden und beispielsweise zwischen Smartphone und Laptop wechseln.
Auracast wird dagegen nicht unterstützt.
Akku hält lange durch
Auch bei der Akkulaufzeit gibt es wenig Anlass zur Kritik. Mit AAC sind bis zu 10 Stunden ohne ANC und 6 Stunden mit ANC möglich. Zusammen mit dem Ladecase steigt die Laufzeit auf bis zu 42 beziehungsweise 25 Stunden.
Bei aktiviertem LDAC sinken die Werte. Hier sind bis zu sechs Stunden ohne ANC und 4,5 Stunden mit ANC möglich.
Praktisch ist die Schnellladefunktion: Fünf Minuten im Case reichen für etwa eine Stunde Wiedergabe.
Kabelloses Laden gibt es dagegen nicht.
IP54 für Ohrhörer und Case
Die Nothing Ear (3a) sind nach IP54 zertifiziert. Der Schutz gilt sowohl für die Ohrhörer als auch für das Ladecase.
Damit sind die Ear (3a) auch beim Schutz vor Staub und Spritzwasser ordentlich aufgestellt. Beim Vorgänger war das Case mit IPX2 noch weniger umfangreich geschützt.
Nothing bleibt seinem transparenten Design treu
Optisch macht Nothing keine Kehrtwende. Die Ear (3a) bleiben der transparenten Designsprache der Marke treu. Durch das transparente Element am Stiel kannst du einen Teil der Technik sehen. Auch das Ladecase setzt auf den bekannten futuristischen Look.
Die Ear (3a) gibt es in Schwarz, Weiß, Gelb und Pink. Neu sind drei LED-Balken am Case, die über den Ladestand informieren.
Das Ladecase wiegt 40,9 Gramm. Jeder einzelne Ohrhörer bringt 4,5 Gramm auf die Waage.
Nothing Ear (3a): Mein Fazit
Die Nothing Ear (3a) sind für mich vor allem deshalb interessant, weil Nothing hier deutlich mehr ausprobiert als bei klassischen In-Ears. Mir gefällt der Klang sehr gut, und wer einen kräftigen Sound mag, dürfte mit den Ear (3a) viel Freude haben. Dazu kommt ein Equalizer, mit dem sich die Abstimmung ziemlich genau an den eigenen Geschmack anpassen lässt.
Auch abseits des Klangs stimmt das Paket: Die Ear (3a) sitzen angenehm im Ohr, halten lange durch und bringen mit Bluetooth 6.0, LDAC und Multipoint einige moderne Funktionen mit. Das ANC ist für die Preisklasse ordentlich, zeigt bei höheren Frequenzen aber seine Grenzen.
Am meisten bleibt bei mir trotzdem die Aufnahmefunktion hängen. 32 MB Speicher direkt in den In-Ears, Telefonaufnahmen und Audio Snapshot sind definitiv ungewöhnlich. Im Alltag kann das praktisch sein, etwa wenn du schnell einen Gedanken oder eine interessante Passage aus einem Podcast festhalten möchtest.
Gleichzeitig bin ich bei dieser Funktion nicht ganz frei von einem mulmigen Gefühl. Kopfhörer, die plötzlich selbst zum Aufnahmegerät werden, sind eben etwas anderes als ein klassischer Diktier-Recorder.
Für 99 Euro bekommst du mit den Nothing Ear (3a) deshalb ein ungewöhnlich ausgestattetes In-Ear-Paket. Klang, Akkulaufzeit, Komfort und die vielen Funktionen stimmen für mich. Wer vor allem die Aufnahmefunktionen nutzen möchte, sollte allerdings wissen, dass dafür ein Nothing-Konto und bei der Pro-Transkription gegebenenfalls ein Abo nötig sind.
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