Nokia 300 Charge: Warum das Retro-Handy in Deutschland wohl nie erhältlich sein wird

Ein Tastenhandy mit 3.700-mAh-Akku, Powerbank-Funktion und einer besonders hellen Taschenlampe: Das neue Nokia 300 Charge setzt nicht auf Smartphone-Komfort, sondern auf Ausdauer und praktische Extras. In Deutschland dürfte das Gerät allerdings keine große Zukunft haben.

Nokia 300 Charge Handy
Klassisch, basic, fast schon nostalgisch: das Nokia 300 Charge Foto: HMD/Nokia

Das auffälligste Merkmal des Nokia 300 Charge ist sein Akku. HMD verbaut eine herausnehmbare Batterie mit 3.700 mAh – laut Hersteller die bislang größte Batterie in einem Nokia-Feature-Phone. HMD gibt eine Standby-Zeit von mehr als 40 Tagen und bis zu 37,9 Stunden Gesprächszeit an. Die tatsächliche Laufzeit kann allerdings je nach Netz, Einstellungen und Nutzung abweichen.

Handy, das als Powerbank dient

Der große Akku ist nicht nur für das Nokia selbst gedacht. Über den USB-C-Anschluss kann das Gerät andere kompatible Geräte mit bis zu 10 Watt laden. Dafür gibt es einen eigenen Powerbank-Modus sowie ein mitgeliefertes 4-in-1-Kabel mit Adaptern für USB-C, Micro-USB und USB-A. HMD weist darauf hin, dass Ladegeschwindigkeit und Funktion je nach angeschlossenem Gerät variieren können.

Damit hat das Nokia 300 Charge eine ungewöhnliche Doppelfunktion: Es ist gleichzeitig Telefon und kleiner Notfall-Akku. Wer beispielsweise unterwegs einen fast leeren Smartphone-Akku hat, könnte das Feature-Phone zumindest als Stromquelle einsetzen.

Helle Taschenlampe und robustes Gehäuse

Auch bei der Ausstattung setzt HMD auf praktische Funktionen. An der Oberseite sitzt eine leistungsstarke LED-Taschenlampe. Nach Angaben des Herstellers ist sie bis zu viermal heller als die Taschenlampe des Nokia 105 (2023). Diese Angabe beruht allerdings auf einem internen Vergleichstest von HMD.

Das Gehäuse besitzt eine strukturierte Oberfläche an Rückseite und Seiten, die für zusätzlichen Halt sorgen soll. Trotz des robusten Designs bleibt das Telefon mit 138 Gramm vergleichsweise leicht. Es misst 136,55 × 55 × 14,94 Millimeter.

Nokia 300 Charge
Das Nokia 300 Charge Foto: HMD/Nokia

Die Ausstattung bleibt ausgesprochen einfach

Beim Nokia 300 Charge darf man allerdings nicht die Ausstattung eines modernen Smartphones erwarten. Das Gerät besitzt ein 2,4 Zoll großes QVGA-Display mit 320 × 240 Pixeln und eine rückseitige QVGA-Kamera. Als Prozessor kommt ein Unisoc SC6531E zum Einsatz. Dazu gibt es lediglich 4 MB RAM und 4 MB internen Speicher. Über eine microSD-Karte lässt sich der Speicher um bis zu 32 GB erweitern.

Als Betriebssystem dient S30+. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu einem Smartphone: Das Nokia 300 Charge ist für grundlegende Aufgaben wie Telefonieren und SMS ausgelegt und nicht als Plattform für moderne Smartphone-Apps konzipiert.

Positiv für Freunde klassischer Handys sind dagegen der 3,5-mm-Kopfhöreranschluss, zwei Mini-SIM-Steckplätze und der USB-C-Anschluss. Der Akku lässt sich zudem herausnehmen.

Der größte Nachteil: nur 2G

So ungewöhnlich die Kombination aus großem Akku und Powerbank-Funktion ist, so problematisch ist die Netztechnik. Das Nokia 300 Charge unterstützt laut HMD ausschließlich GSM auf 900 und 1.800 MHz. LTE oder 5G gibt es nicht.

Genau das macht das Modell für viele Märkte unattraktiv. Dort, wo 2G bereits abgeschaltet wurde, kann das Nokia 300 Charge nicht als normales Mobiltelefon genutzt werden.

Deutschland hat die 2G-Netze zwar im August 2026 noch nicht abgeschaltet. Die Bundesnetzagentur nennt aber bereits konkrete Termine: Die Deutsche Telekom will ihr 2G-Netz bis Ende Juni 2028 abschalten, Vodafone bis Ende September 2028 und Telefónica bis Ende 2028.

Das erklärt, warum ein ausschließlich für 2G ausgelegtes Handy hierzulande ein schwieriges Produkt wäre. Das Nokia 300 Charge könnte technisch zwar noch eine gewisse Zeit in deutschen Netzen funktionieren, seine Nutzbarkeit wäre aber zeitlich begrenzt. Für ein neues Gerät, das als langlebiges Backup-Handy konzipiert ist, wäre das ein entscheidender Nachteil.

Das ist auch der zentrale Punkt hinter der eingeschränkten internationalen Verfügbarkeit: Das Nokia 300 Charge ist auf Märkte zugeschnitten, in denen 2G noch eine Rolle spielt. HMD führt das Modell inzwischen zwar auf seiner globalen Website und hat sogar eine deutsche Konformitätserklärung für die Modellnummer TA-1773 veröffentlicht, einen deutschen Verkaufsstart nennt das Unternehmen bislang jedoch nicht.

Wo das Nokia 300 Charge erhältlich ist

Zum Marktstart ist das Handy nur in ausgewählten Regionen erhältlich. Auf den Philippinen wurde es für 2.190 philippinische Pesos angeboten. Ein umfassender internationaler Marktstart war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht bestätigt.

Andere Berichte nennen für den philippinischen Markt einen Preis von 1.990 Pesos – das wären rund 27 Euro. Die Angaben zum Preis sind damit je nach Quelle beziehungsweise Verkaufszeitpunkt nicht einheitlich. Ein offizieller deutscher Preis existiert derzeit nicht.

Fazit: Eine clevere Idee mit einem entscheidenden Haken

Das Nokia 300 Charge ist kein Smartphone-Ersatz – und will es auch nicht sein. Seine Stärke liegt vielmehr in einer ungewöhnlichen Kombination: ein sehr großer, wechselbarer Akku, eine Powerbank-Funktion mit bis zu 10 Watt, eine helle Taschenlampe und ein vergleichsweise robustes Gehäuse. Für ein einfaches Zweit- oder Notfalltelefon ist das Konzept durchaus interessant.

Dem stehen allerdings deutliche Einschränkungen gegenüber. Die Hardware ist extrem knapp bemessen, das Display und die Kamera sind schlicht, moderne Smartphone-Apps gehören nicht zum Konzept – und vor allem fehlt LTE vollständig. Das größte Problem ist deshalb nicht einmal die geringe Ausstattung, sondern die ausschließliche 2G-Unterstützung.

Gerade in Deutschland ist das relevant: Die drei großen Netzbetreiber haben die Abschaltung ihrer 2G-Netze bereits für 2028 angekündigt. Ein neues Handy, das ausschließlich auf diese Technik setzt, wäre damit schon bei seiner Markteinführung kein zukunftssicheres Mobiltelefon.

Das Nokia 300 Charge ist deshalb ein interessantes Beispiel dafür, wie unterschiedlich die Anforderungen an ein einfaches Mobiltelefon weltweit noch sind: Dort, wo 2G weiterhin verfügbar ist, kann die ungewöhnliche Powerbank-Idee einen echten praktischen Nutzen haben. In Deutschland würde dagegen ausgerechnet die Technik, die das Handy so einfach und ausdauernd macht, zu seinem größten Nachteil werden.

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