Neues Fairphone 6+ — Vorgänger kostet 130 Euro weniger
Mehr Arbeitsspeicher, neuer Prozessor, neue Farbe — das ist alles. Sonst ist das Fairphone 6+ Bauteil für Bauteil dasselbe Telefon wie der Vorgänger.

Du willst ein Fairphone? Im Onlineshop stehen zwei direkt nebeneinander — Fairphone 6+ für 649 Euro und Fairphone 6 für 519 Euro. Dabei war doch von einem Aufpreis von nur 50 Euro die Rede.
Diese Zahl stimmt, wenn du die UVP vergleichst. Doch den zahlt seit letztem Herbst niemand mehr für das ältere Modell. Beim Marktstart des neuen Fairphones liegen 130 Euro zwischen beiden Geräten.
Dafür bekommst du mehr Arbeitsspeicher, einen neueren Chip und ein Support-Ende, das sich keinen Tag verschiebt. Ob sich das lohnt?
Was Fairphone geändert hat
Zwei Dinge. Der Arbeitsspeicher wächst von 8 auf 12 GB, und statt des Snapdragon 7s Gen 3 arbeitet jetzt ein Snapdragon 7s Gen 4 im Gerät. Dazu kommt Cobalt Blue als dritte Farbe neben Forest Green und Horizon Black. Der Hersteller selbst nennt das Smartphone übrigens „Das Fairphone (Gen. 6+)" — die Zahl im Namen soll künftig verschwinden.

Beim Chipwechsel solltest du keine Wunder erwarten. Den Unterschied in der Performance wirst du im Alltag kaum merken. Der Zugewinn steckt im Arbeitsspeicher: Fairphone nennt bis zu 24 Prozent schnelleres Laden und Wechseln von Apps und bis zu 20 Prozent mehr Tempo beim Multitasking. Unklar ist, unter welchen Bedingungen.
Wie überschaubar die Neuerungen ausfallen, zeigt Fairphone selbst. In der herstellereigenen Vergleichstabelle stehen unter der Frage, was die beiden Modelle unterscheidet, exakt vier Punkte: Prozessor, Arbeitsspeicher, Farbe und Preis.
Was gleich bleibt
Alles andere. Das Display misst weiterhin 6,31 Zoll, ein LTPO-AMOLED mit 120 Hz, 1.400 Nits und 2.484 × 1.116 Pixeln. Der Akku fasst 4.415 mAh, lädt über USB-C mit bis zu 30 Watt und lässt sich weiterhin selbst tauschen.

Auch die Kameras sind dieselben: 50 Megapixel mit f/1.88 und einem 1/1,56-Zoll-Sensor als Hauptkamera, dazu ein 13-Megapixel-Ultraweitwinkel mit f/2.2 und vorne 32 Megapixel. Der interne Speicher liegt bei 256 GB und lässt sich per Micro-SD-Karte erweitern.
Und dann ist da der Punkt, der die meisten überhaupt erst zu Fairphone bringt: fünf Jahre Garantie, mindestens sechs große Android-Updates, Sicherheits-Patches bis einschließlich 2033. Diese Zusage gilt für das 6+ — und sie galt schon für den Vorgänger. Du kaufst dir mit dem neuen Modell also keinen einzigen Tag zusätzliche Software-Updates.
Zwölf Bauteile, ein Schraubendreher
Das Argument für ein Fairphone liegt ohnehin woanders. Zwölf Bauteile lassen sich selbst austauschen, dafür brauchst du einen T5-Torx-Schraubendreher und sonst nichts. USB-C-Anschluss, Akku, Display und Rückseite sollen in unter fünf Minuten gewechselt sein, die Ersatzteile bestellst du direkt bei Fairphone.

Der Vorgänger hat dafür von iFixit die Bestnote bekommen: 10 von 10 Punkten bei der Reparierbarkeit. Am Aufbau hat sich nichts geändert, das 6+ dürfte daher genauso gut abschneiden. Ein gesprungenes Display bedeutet hier keinen Neukauf und keine Servicewerkstatt, sondern eine Bestellung und eine Viertelstunde am Küchentisch.
Wo das Fairphone Kompromisse macht
Das Gehäuse ist 9,6 Millimeter dick und nur nach IP55 zertifiziert — geschützt gegen Strahlwasser, nicht gegen einen längeren Aufenthalt in der Badewanne. Dort würde das Wasser dauerhaft gegen die Dichtungen drücken. Beides ist der Preis für die Modulbauweise. Einen Klinkenanschluss gibt es nicht, kabellos funkt das Gerät per Bluetooth 5.4 mit aptX Lossless.
Die 6,31 Zoll Bildschirmdiagonale sind in einem Markt, in dem 6,7 Zoll als normal gelten, kein Mangel, sondern ein Argument: Das Fairphone 6+ passt noch in die Hosentasche und lässt sich mit einer Hand bedienen.
649 Euro sind ein Startpreis, kein Angebot
Die 649 Euro sind die UVP zum Marktstart, und aktuell bekommst du das Gerät ausschließlich im Onlineshop von Fairphone. Und UVPs bei Fairphone haben eine Halbwertszeit.
Der Vorgänger startete im Juni 2025 bei 599 Euro. Im August 2025 lag der Straßenpreis bei rund 572 Euro, ab November unter 550 Euro, ab Dezember unter 530 Euro. Sechs Monate nach Markteinführung waren es rund 13 Prozent unter UVP.
Überträgst du diese Kurve auf das 6+, sind gegen Jahresende rund 600 Euro plausibel. In der aktuellen Speicherkrise haben jedoch auch andere Hersteller im Einstiegs- und Mittelklassesegment die Preise angezogen. Bleibt Arbeitsspeicher teuer, fällt die Kurve flacher aus als beim Vorgänger.
Wer nicht sofort ein neues Smartphone braucht, wartet also. Und wer jetzt kauft, greift zum Fairphone 6 (Testbericht). Das Gerät steht bei 519 Euro, bietet dieselbe Kamera, dasselbe Display, denselben Akku, dieselbe Reparierbarkeit und dieselbe Update-Zusage bis 2033.
Die 12 GB Arbeitsspeicher des neuen Modells sind angenehm, aber 130 Euro sind sie nur wert, wenn dir die 8 GB im Alltag spürbar zu knapp werden.
Wer vom Gen. 6 auf das Gen. 6+ wechselt, kauft schnelleres Wechseln zwischen den Apps und eine neue Farbe, sonst nichts. Alles andere ist Bauteil für Bauteil dasselbe Telefon, bis hin zum Support-Ende 2033 — nur zahlst du dafür jetzt 130 Euro mehr als für das Modell, das seit einem Jahr im Regal steht.
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