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Gaming

Das beste „Animal Crossing“ seit „New Horizons“: „Pokémon Pokopia“ im Test

Ditto bringt die Augen aller Cozy-Gamer mit „Pokémon Pokopia“ zum Leuchten.

Diverse Pokémon feiern glücklich.
Wunschlos glücklich sind die Pokémon in Welkwüstia eigentlich nie. Foto: Nintendo (Screenshot: TV Movie)

Als „Pokémon Pokopia“ erstmals von Nintendo vorgestellt wurde, ließ sich das Gebotene scheinbar kurz und knapp zusammenfassen: „Animal Crossing“ trifft „Minecraft“ mit Pokémon. Nun, nachdem wir die Vollversion des Spiels für die Nintendo Switch 2 ausführlich testen konnten, stellt sich heraus: Mit dieser frühen Vermutung lag man absolut richtig!

Genauer gesagt: Fast genau sechs Jahre, nachdem „Animal Crossing: New Horizons“ die Welt während der Corona-Pandemie für mehrere Monate in Cozy-Gamer verwandelt hat, kommt mit „Pokémon Pokopia“ ein inoffizieller Nachfolger daher, der weit mehr ist als eine simple Kopie und trotz kleinerer Schwächen zu den größten Highlights auf der Nintendo Switch 2 gehört.

Am Anfang war das Ditto

Ditto in menschlicher Form mit Karpador.
Wer hätte schon erwartet, dass Karpador Wörter wie „megacoolio“ verwendet? Foto: Nintendo (Screenshot: TV Movie)

Die Geschichte von „Pokémon Pokopia“ beginnt in Welkwüstia, einem ausgedörrten Areal, in dem man nicht nur Regen, sondern auch Menschen und weitere Pokémon zunächst vergeblich sucht. Allein Professor Tangoloss hält hier die Stellung, bis plötzlich ein Ditto in Menschengestalt in Welkwüstia landet – also du! Die Umstände deines Erscheinens sind ein Mysterium, doch mit seiner Form imitiert das Ditto das Aussehen seiner ehemaligen Trainerin oder seines ehemaligen Trainers.

Natürlich freut sich Professor Tangoloss sehr über die unerwartete Gesellschaft, und schnell wird man mit Aufgaben überhäuft, mit denen Welkwüstia ein deutlich lebenswerterer Ort werden soll.

Dabei wird zumindest die erste Stunde von „Pokémon Pokopia“ zur echten Geduldsprobe, denn durch unzählige Dialoge und Texttafeln kommt der Spielfluss kaum in Gang. Dieses Tutorial ist grundsätzlich nachvollziehbar, doch es vergeht etwas Zeit, bis man auf eigene Faust loslegen kann. Womit genau? Das ist dir selbst überlassen, wie Professor Tangoloss betont. Du kannst dafür sorgen, dass neue Pokémon nach Welkwüstia kommen, ihnen Wünsche erfüllen, an denen es ihnen nie zu mangeln scheint, die Gegend erkunden und verschönern oder einfach die zahlreichen Missionen abarbeiten, durch die man natürlich ebenfalls häufig in Kontakt mit den neuen, niedlichen Nachbarn in Welkwüstia kommt.

Es dauert übrigens nicht lange, bis sich eine Handvoll Pokémon in Welkwüstia versammelt hat – im Tutorial wird dafür die Ausgangslage geschaffen. Indem man möglichst viele Pokémon glücklich und zufrieden macht, steigt das Umgebungslevel, und mit ihm die Anzahl der Aufgaben und die Auswahl im Shop. Den größten Mehrwert bieten die Pokémon allerdings dadurch, dass sie einem neue Fähigkeiten beibringen können. Ditto ist schließlich von Natur aus ein Tausendsassa und kann, nachdem er es einmal gezeigt bekommt, Wasser schießen wie Schiggy, Ranken sprießen lassen wie Bisasam oder Steine zerkloppen wie Nockchan.

So sind letztendlich alle Bereiche von „Pokémon Pokopia“ voneinander abhängig. Die Pokémon brauchen deine Hilfe und verlangen Unterhaltung, Möbelstücke oder neue Behausungen; dafür helfen sie dir beim Bau ebendieser, können bestimmte Ereignisse beschleunigen und treiben den Fortschritt durch neue Fähigkeiten voran. Langweilig wird es in Welkwüstia daher kaum – wohl aber ein wenig überfordernd.

Alles geht, nicht alles muss

Ditto in menschlicher Form stemmt stolz die Fäuste in die Hüften.
„Pokémon Pokopia“ will, dass du dich wohlfühlst. Selbst eine absolut miserable Leistung beim Seilspringen wird deshalb gewürdigt. Foto: Nintendo (Screenshot: TV Movie)

Die von Professor Tangoloss versprochene Entscheidungsfreiheit ist zumindest in den frühen Phasen des Spiels Segen und Fluch zugleich. Es ist verlockend, die erlernte Zertrümmerer-Attacke schon für eine großflächige Erkundung zu nutzen. Dabei fällt schnell auf, wie groß Welkwüstia tatsächlich ist und wie viele Bereiche teilweise hinter Bergen und Wänden versteckt liegen. Das ist zunächst faszinierend, allerdings stellt es einen auch vor eine große Herausforderung, wenn man Welkwüstia im „Animal Crossing“-Stil von vorne bis hinten aufhübschen will.

Hinzu kommt der Minecraft-Aspekt des Spiels, durch den sich die meisten Berge und Bögen abtragen, einsammeln und neu aufbauen lassen. Grundsätzlich eine löbliche offene Welt, doch durch eine kleinere Welt gelang es „Animal Crossing: New Horizons“ beispielsweise leichter, dass man sich in dieser neuen Umgebung schnell wie zu Hause fühlt.

Zudem ist fraglich, inwiefern man Welkwüstia wirklich in ein kleines Paradies verwandeln sollte. Verhältnismäßig früh im Spiel gelangt man nämlich schon in den nächsten Ort, der neue Pokémon, Missionen und Schwierigkeiten mit sich bringt. Je nachdem, ob man den Fokus beim Spielen auf die Missionen oder die Belebung von Welkwüstia legt, hat man es weiterhin mit einer sehr welken Wüste zu tun, wenn der Spielbereich plötzlich schon verdoppelt wird. Hinzu kommt noch ein weiteres Areal, das als reine Sandbox und Onlinespiel-Tummelplatz gedacht ist und ebenfalls direkt gefunden werden kann, wenn der eigene Entdeckergeist einen dorthin führt.

Selbst wenn man diese große Offenheit zu Beginn des Spiels grundsätzlich schätzt, hat man doch wenig davon, denn in Welkwüstia warten zu diesem Zeitpunkt noch viele Aufgaben und Attacken darauf, erledigt und erlernt zu werden – ohne sie wäre man im weiteren Verlauf aufgeschmissen. Ein Tipp an dieser Stelle also: Ein früher Rundblick in Welkwüstia ist natürlich verlockend, aber legt den Fokus zumindest in den ersten Stunden lieber auf die Missionen, die einen nach und nach eh an neue, interessante Orte führen.

Taubsi ist mein Mitbewohner

Ditto in menschlicher Form in einer kleinen Hütte aus Blättern.
Nicht gerade die perfekte Einrichtung für eine Wohngemeinschaft, aber Taubsi kann ja auf dem Bäumchen schlafen. Foto: Nintendo (Screenshot: TV Movie)

Die Interaktionen in „Pokémon Pokopia“ erinnern stark an die aus „Animal Crossing: New Horizons“, doch selbstverständlich werden sie durch den Umstand, dass man sich hier mit Pokémon unterhält, auf ein ganz neues Level gehoben. Auch wenn Pokémon bisher nicht gerade die redseligsten Kreaturen waren, schafft es das Spiel, ihren Ton in den Dialogen gut zu treffen.

Bestimmte charakterliche Eigenheiten passen wunderbar zu den kleinen Monstern, die allesamt sehr an einer Freundschaft mit einem interessiert sind. Angenehm ist auch, dass die Pokémon gut ohne einen klarkommen, selbst wenn man ihre Wünsche mal zum Wohle einer anderen Aufgabe für längere Zeit aufschiebt. Passiv-aggressive Dialoge, wie man sie von „Animal Crossing“-Nachbarn kennt, sucht man hier vergeblich.

Apropos Nachbarn: Es ist auch möglich, eine Pokémon-WG zu gründen. In unserem Test haben wir einmal nicht richtig gelesen, und schon machte es sich Taubsi als Mitbewohner in unserer ersten, bescheidenen Grashütte bequem. Großmütig haben wir Taubsi die Unterkunft daraufhin überlassen – einfach kurz die Ditto-Flagge auf dem Dach entfernt, schon ist man selbst wieder heimatlos und kann sich eine neue Behausung zulegen.

Die Wohnsituation ist in „Pokémon Pokopia“ allgemein ein großes Thema. Pokémon erscheinen, nachdem man zunächst ein passendes Habitat für sie erstellt hat. Dieses kann aus Grasbüscheln, Blumen, Lagerfeuern oder anderen Gegenständen bestehen und soll dafür sorgen, dass sich das Pokémon besonders wohlfühlt. Teilweise ist hier aber auch ein Upgrade fällig oder Umzüge stehen an, wenn man sich bei der Verteilung der Schlafplätze ein wenig verkalkuliert hat.

Mit den überall zu findenden Rohstoffen und einer Werkbank lassen sich die meisten Poké-Wohnträume schnell erfüllen, sobald die benötigte Anleitung vorliegt. Auch hier werden wieder starke „Animal Crossing“-Erinnerungen wach. Allein den süßen Nervenkitzel des Rübenhandels sucht man in „Pokémon Pokopia“ vergeblich.

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