Was wäre, wenn Frankenstein ein Incel wäre? Kritik zu „The Bride!“ mit Christian Bale
„The Bride!“ ist ein ambivalenter Film, der kontinuierlich Fragen aufwirft. Insbesondere eine: Was habe ich da eigentlich gerade gesehen?

Sie lebt! Nur wenige Monate, nachdem sich Guillermo del Toro dem Frankenstein-Mythos angenommen hat, nimmt sich Maggie Gyllenhaal desselben Themas an. Doch anstelle einer dramatischen Geschichte, die von Vater-Sohn-Beziehungen erzählt, geht die Regisseurin einen anderen Weg – und erzählt etwas zwischen allem und nichts.
„The Bride!“: Wovon handelt der Film?

Im Chicago der 1930er-Jahre wird die junge Ida (Jessie Buckley) von Mafiosi umgebracht, da sie sich negativ über den hiesigen Mafiaboss geäußert hat. Das ist mehr als unvorteilhaft, denn kurz zuvor ist der Geist von Mary Shelley (Autorin von „Frankenstein“) in sie gefahren.
Doch dieser unvorteilhafte Umstand ist eine Bereicherung für Frank bzw. Frankenstein (Christian Bale), der die zwielichtige Ärztin Dr. Euphronius (Annette Bening) darum bittet, ihm eine Partnerin für alle Vorzüge des Lebens zu schaffen – insbesondere die sexuellen. Prompt findet sich Idas Leiche auf dem Operationstisch von Dr. Euphronius wieder, und nach ihrer Wiederbelebung wird versucht, ihr einzureden, dass sie Frank als Braut versprochen sei. Aber das junge Glück wird kurze Zeit später gestört, als Frank zwei sexuell übergriffige Männer umbringt und sich das zukünftige Brautpaar auf die Flucht begeben muss …
Eine gotische Romanze? Was ist „The Bride!“ überhaupt?
Bereits seit der Ankündigung von „The Bride!“ fragen sich viele, was es mit dem Film auf sich hat. Während aufgrund des Trailers viele ein Horrormusical erwarteten und manch andere sich einfach nur einen Horrorfilm erhofften, ist das Endresultat ein ganz anderes:
„The Bride!“ ist in etwa selbst ein frankensteinsches Monster. Der Film wird zwar explizit, aber nie gruselig, musikalisch, aber niemals pompös wie ein Musical, und romantisch verortet, aber nie wirklich romantisch. In der Öffentlichkeit wird der Film als „Gothic Romance“ verklärt, aber auch dieser Bezeichnung wird er nie gerecht, da die Kulissen nie „goth“ anmuten und sich die Romanze nie wirklich entfaltet. Viel eher merkt man, dass „The Bride!“ aus ganz anderen Einflüssen zusammengeschnürt wurde …
„Bride and Prejudice“? Verzweifelte Suche nach Identität
Maggie Gyllenhaals Film ist die perfekte Fläche für ein Ratespiel nach dem Motto: „Welches filmische Vorbild wird hier gerade abgekupfert?“ Einerseits erkennt man „Bonnie und Clyde“ (1967) wieder, sobald sich der Film auf die Flucht begibt. Andererseits passt man eine Sekunde nicht auf und hat es schlagartig mit „Joker: Folie à Deux“ (2024) zu tun, der damals auch als Musical verklärt wurde, aber nie wirklich eins war. Parallel drehen die Kulissen vollends frei und versuchen, den verruchten Charme des tatsächlichen Musicals „Chicago“ (2004) einzufangen. Die (viel zu kurze) Sequenz, in der Ida wiederbelebt wird, lässt einen kurz daran denken, wie viel besser das in Guillermo del Toros „Frankenstein“ (2025) eingefangen wurde. Und dann gibt es da noch einen ganz bestimmten Incel, der schmerzhafte Erinnerungen an „Joker“ (2019) zurückbringt.
Ein Versager vorm Herrn: Die Erbärmlichkeit von Frankensteins Monster
Bevor mich irgendjemand korrigieren möchte, muss ich klarstellen, dass Frankenstein in „The Bride!“ einerseits Frankensteins Monster ist und andererseits kontinuierlich Frankenstein genannt wird. Prinzipiell ist das aber auch total egal, denn tendenziell erinnert das Monster an zwei der größten Versager der Filmgeschichte: Humbert Humbert aus „Lolita“ (1962) und Arthur Fleck aus „Joker“. Zwei Männer, die auch gerne als Incels, also unfreiwillig sexuell enthaltsame Individuen, bezeichnet werden.
Dieser Riege schließt sich Christian Bales Frankenstein an, denn der Nährboden für die gesamte Geschichte von „The Bride!“ ist männliche Übergriffigkeit. Aus dem Wunsch heraus, auch mal in den Genuss sexueller Vorteile zu kommen, stört Frank die Grabruhe einer toten Frau – nur um sich dann zu beschweren, dass diese Frau zu schön für ihn sei. Nicht nur ein Incel, sondern auch Frankensteins „Pick-me-Boy“.
Aus diesem Szenario soll eine Geschichte werden, in der Frank einerseits seinen Gelüsten freien Lauf lassen kann, man aber andererseits auch der Tatsache gerecht werden muss, dass Ida eine selbstbestimmte Frau sein will. Das bekommt der Film nur nie unter einen Hut und zaubert am Ende eine Geschichte hervor, in der die zentrale Romanze einfach nur übergriffig und toxisch ist.
„Die Braut, die sich traut“: Jessie Buckley ist toll, aber …

Die Braut selbst wird grandios von Jessie Buckley verkörpert. Mit voller Lust, Hingabe und Enthusiasmus führt sie durch diesen Film und bedient dabei stets die gesamte Klaviatur der Emotionen.
Leider bedient sie sich auch jeder Seite des Wörterbuches. Man ist immer gebannt, wenn Jessie Buckley den Mund öffnet, bekommt aber Dinge zu hören, die prätentiöser als ein Opernglas wirken. Voller Hingabe reiht die Braut Wörter über Wörter über Wörter aneinander, die den Charakter jedoch nur unnatürlich und nervtötend wirken lassen. Darüber hinaus ist das intellektuelle Kauderwelsch, das sie von sich gibt, derartig belanglos, dass die anderen Charaktere selten bis nie darauf reagieren.
„The Bride!“: Eine feministische Kampfansage, die niemand schauen wird
Ich glaube, dass ich mich nicht zu sehr aus dem Fenster lehne, wenn ich sage, dass „The Bride!“ kein großer Hit an den Kinokassen sein wird. Einerseits ist die sich anbahnende Konkurrenz („Der Astronaut“ und „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“) zu stark, und andererseits mangelt es leider auch an der Qualität.
Während der Film technisch und optisch vollends begeistern kann, ist er inhaltlich derartig verwirrt darüber, was er sein will, dass sich vermutlich niemand wirklich abgeholt fühlen dürfte. Es ist zwar schön, dass der Film zum feministischen Kampf aufruft, aber die Art und Weise, wie er es tut, ist, simpel gesagt, plump. Und wer ins Kino gehen will, um sich ein schönes Bilderbuch ohne jeglichen Gehalt anzusehen, kann auch genauso gut „Father Mother Sister Brother“ über sich ergehen lassen …









