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„Father Mother Sister – oh, bother“

Jim Jarmusch hat einen neuen Tiefpunkt erreicht: Kritik zu „Father Mother Sister Brother“

Langatmige Familiendramen in wunderschönen Bildern – das ist Jim Jarmuschs „Father Mother Sister Brother“. Warum der Film furchtbar öde ist …

Cate Blanchett trinkt Tee.
Hoffentlich ist der Tee vergiftet – dann muss man nämlich nicht „Father Mother Sister Brother“ ertragen. Foto: IMAGO / Landmark Media

Jim Jarmusch ist zurück – und man wünscht sich, er wäre niemals zurückgekommen. Der Mann, der einst Klassiker wie „Mystery Train“ (1989) oder „Ghost Dog – Der Weg des Samurai“ (1999) schuf, kehrt nach sieben Jahren Pause mit einem absolut katastrophalen Film zurück. Woran scheitert Jarmuschs neuester Film „Father Mother Sister Brother“?

„Father Mother Sister Brother“: Das ist die Handlung des Films

Der neueste Film von Jim Jarmusch ist wie viele andere Jim-Jarmusch-Filme (zum Beispiel „Coffee and Cigarettes“ (2003)) ein Episodenfilm. So unterteilt sich „Father Mother Sister Brother“ in drei Segmente, die sich nach den im Titel erwähnten familiären Instanzen richten („Vater“, „Mutter“, „Schwester und Bruder“).

Im ersten Segment geht es um Jeff (Adam Driver) und Emily (Mayim Bialik), die ihren Vater (Tom Waits) besuchen. Dieser befindet sich in einer finanziellen Schieflage und hat generell eine sehr schwierige Beziehung zu seinen Kindern. Doch je mehr Zeit Jeff und Emily in seiner Wohnung verbringen, desto mehr stellt sich die Frage, ob ihr Vater nicht doch mehr Geld besitzt, als er erahnen lässt.

Im Segment „Mother“ folgt man zwei Töchtern (Cate Blanchett und Vicky Krieps), die ihre Mutter (Charlotte Rampling) zum Teetrinken besuchen. Was anfänglich wie ein familiäres Idyll wirkt, entpuppt sich schnell als Muster der Dysfunktionalität.

Im letzten Segment folgt man den Geschwistern Skye (Indya Moore) und Billy (Luka Sabbat), die ihre Eltern verloren haben und nun deren Wohnung ausräumen müssen. Auf dieser Mission lamentieren sie über ihre Vergangenheit und ihre Zukunft.

Gähnende Langeweile: „Father Mother Sister Brother“ ist eine einzige Geduldsprobe

Jim Jarmusch war schon immer ein sehr schwermütiger Geselle. Seine Filme sind häufig sehr melancholisch und ruhiger Natur. Und das trifft auch auf „Father Mother Sister Brother“ zu. Aber während Jarmuschs ältere Beiträge wie „Coffee and Cigarettes“ gekonnt die langweilige Grundnatur von Vignetten, in denen Leute Kaffee trinken und Zigaretten rauchen, in ein berauschendes Seherlebnis umzuwandeln wussten, ist sein neuester Film allerhöchstens nur berauschend, weil man vor Langeweile fast einschläft.

Statt in kurzen Segmenten kleine Probleme oder absurde Situationen abzuhandeln, ist „Father Mother Sister Brother“ vorhersehbar und gewöhnlich. All das, was man erwartet, wird passieren – was sehr unvorteilhaft ist, denn es passiert wahrlich nicht viel. Was ich damit meine …

Wie eine Familienfeier – nur schlimmer: „Father Mother Sister Brother“ suhlt sich in Langeweile

In „Father Mother Sister Brother“ findet man alles, was man auf einer herkömmlichen Familienfeier findet. Papa (Tom Waits) nuschelt sich einen Wolf, Mama (Charlotte Rampling) hat keine Ahnung mehr, was sie sagen soll, und die Geschwister (Indya Moore plus Luka Sabbat) sind zu sehr mit Selbstinszenierung beschäftigt.

Minutenlang schaut man im Segment „Mother“ den drei Schauspielerinnen dabei zu, wie sie nur Tee trinken. Manch einer mag vielleicht darin eine Kritik sehen, wie wir nur zusammenkommen, weil wir Familie sind, obwohl uns nichts verbindet, aber selbst wenn – das ändert nichts an der Tatsache, dass nichts passiert.

Manch einer mag das aber schon gar nicht mehr mitbekommen, weil man zuvor bereits dieselbe Kritik erdulden muss, in der Tom Waits unverständliches Zeug brabbelt und man seinen „Kindern“ dabei zusehen darf, wie sie ihn selbst (akustisch) nicht verstehen können. Dazwischen darf jeder und jede mal auf einem Schaukelstuhl wackeln, und schon ist das Arthouse-Kunstpaket vollends verpackt … und künstlerisch wertvoll, denn wie man weiß, ist alles, was Fragen aufwirft, Kunst.

„Father Mother Sister Brother“: Wo eine Geschichte liegen könnte

Indya Moore schaut aus einem Autofenster.
Schnell weg hier. „Father Mother Sister Brother“ lädt dazu ein, den Kinosessel schnellstmöglich zu verlassen. Foto: IMAGO / Landmark Media

Das ist zuweilen frustrierend, denn eigentlich schlummert im letzten Drittel des Films mit der Geschichte zweier Geschwister, die als junge Erwachsene ihre Eltern verlieren, ein guter Film – oder zumindest eine Vignette, die auch in „Coffee and Cigarettes“ gepasst hätte.

Doch Jarmusch gibt dieser Geschichte noch am wenigsten Raum zum Atmen und hofft, dass die große Subversion des „Father“-Segments für viel mehr Freude sorgt – was sie nicht tut, da sie vorhersehbar ist. Statt solch billiger Tricks hätte man viel eher der Geschichte der beiden Geschwister etwas mehr Fleisch geben sollen, und prompt hätte man einen Film haben können, der tatsächlich Award-Appeal gehabt hätte. Aber clever, wie Jim Jarmusch ist, entschied er sich lieber, einen Film zu drehen, der noch langweiliger als „The Dead Don’t Die“ (2019) ist. Eine wahrlich meisterhafte Leistung.

„Father Mother Sister Brother“: Der Tee ist kalt und der Kuchen alt

Jim Jarmuschs neuester Beitrag ist ein optisch gelungener Film, der an jeder anderen Stelle vollends versagt. Man weiß am Ende nicht genau, was „Father Mother Sister Brother“ sein möchte. Vielleicht ist es ein Marktforschungsprojekt, um herauszufinden, wie Narkolepsie entstehen kann. Vielleicht hat Jim Jarmusch aber auch einfach verlernt, spannende Drehbücher zu schreiben. Und ganz vielleicht ist Jim Jarmusch mittlerweile so alt, dass er seine eigenen Kaffeekränzchen und Altherren-Manierismen als spannende Stoffe für die große Leinwand empfindet. Wer schon immer eine schlechte Zeit haben wollte, sollte definitiv „Father Mother Sister Brother“ schauen – und wer noch bei Sinnen ist, löst am besten keine Kinokarte, damit Jim Jarmusch seine Lektion lernt …

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