Von Raab bis Rundfunkbeitrag: Goldener Günter 2025 für Medien-Pannen und Peinlichkeiten
Das Medienmagazin DWDL.de vergibt zum 18. Mal den „Goldenen Günter“. Von ARD-Kommunikationschaos über Raabs Comeback bis zum ZDF-Streamingportal: Das sind die größten Peinlichkeiten des Medienjahres 2025.

DWDL.de hat zum 18. Mal den „Goldenen Günter“ vergeben – jenen satirischen Negativpreis, mit dem das Medienmagazin seit 2008 besonders misslungene Auftritte, Entscheidungen und Entwicklungen des zurückliegenden Medienjahres kommentiert. Auch 2025 nimmt die Redaktion wieder jene Fälle ins Visier, die aus Sicht von DWDL.de für Pannen, kommunikatives Versagen oder massive Fehlentscheidungen stehen. Die Auszeichnungen selbst vergibt die Redaktion, die finale „Krönung“ liegt nun jedoch in der Hand des Publikums.
Was ist der „Goldenen Günter“?
Der Ursprung des Preises reicht zurück zu einer legendären Formulierung des früheren ARD-Programmdirektors Günter Struve, der eine „Schmidt & Pocher“-Ausgabe einst als „ziemlich ui-jui-jui“ bezeichnete. In diesem Geist versammelt der „Goldene Günter“ Jahr für Jahr die auffälligsten medialen Tiefpunkte – ausgewählt aus Leserhinweisen und redaktioneller Bewertung.
Peinlichkeiten des Jahres: Das sind die Kategorien und ihre „Gewinner“
Entehrung des Jahres: In dieser Kategorie trifft es die Freunde des Adolf-Grimme-Preises. Nachdem Aktivistin Judith Scheytt zunächst mit einer besonderen Ehrung des Donnepp Media Awards ausgezeichnet worden war, entzog ihr der Vereinsvorstand diese Auszeichnung später wieder. Die Entscheidung fiel gegen den erklärten Willen eines Teils der Jury und wurde erst öffentlich, als Scheytt selbst darüber sprach. Besonders kritisch bewertet DWDL.de dabei das Vorgehen des Vereins sowie den entstandenen Imageschaden für Preis, Institut und Umfeld.
Kommunikationsdesaster des Jahres: Der Preis geht an das ARD-Management rund um die geplante „ttt“-Moderation von Thilo Mischke. Nach der Ankündigung kurz vor Weihnachten entfachte sich eine massive Debatte über frühere Aussagen und Veröffentlichungen Mischkes. Während die Kritik wuchs, blieb die ARD tagelang ohne klare öffentliche Reaktion. Das Ergebnis: Eskalation in den sozialen Medien, Rückzug der Personalie und ein Imageschaden, den selbst ARD-interne Stimmen später offen einräumten.
Synchro-Fail des Jahres: Ausgezeichnet wird Viaplay für die KI-Synchronisation der Serie „Murderesses“ auf MagentaTV. Die deutsche Fassung fiel durch monotone Stimmen und fehlende Betonung auf. Schnell stellte sich heraus, dass eine KI-basierte Lösung eingesetzt worden war. Die Serie verschwand kurz darauf von der Plattform und kehrte später nur noch im Originalton mit Untertiteln zurück.
Show-Unfall des Jahres: Das „Heidifest“ auf ProSieben, das quotentechnisch übel floppte, sorgte im September für Ratlosigkeit beim Publikum. Die groß angekündigte Oktoberfest-Show mit Heidi Klum und prominenten Gästen wirkte in der Umsetzung fahrig, musikalisch unausgereift und inhaltlich dünn. Besonders die kurzen, teilweise skurrilen Moderationen und schwankenden Gesangsauftritte blieben als Negativbeispiel haften.
Einseitigste Kooperation des Jahres: DWDL.de kürt das ARD/ZDF-Embedding bei Joyn. Ohne vorherige Abstimmung stellte Joyn Mediatheken-Inhalte der Öffentlich-Rechtlichen bereit. Der Widerstand folgte prompt: ARD, ZDF und Politik reagierten scharf, das Projekt wurde rasch gestoppt. Der damalige ProSiebenSat.1-Manager Markus Breitenecker ist inzwischen nicht mehr im Amt.
Frauenverachtung des Jahres: Der österreichische Sender ATV erhält den Goldenen Günter für „Das Geschäft mit der Liebe“. Das Reality-Format löste massive Kritik aus, weil Frauen darin beleidigt und objektifiziert wurden. Nach öffentlichem Druck wurde die Ausstrahlung zunächst abgebrochen, später neu geschnitten fortgesetzt – letztlich jedoch eingestellt. Inzwischen steht fest: Der Sender verstieß mit dem Format gegen geltendes Recht.
Kategorie, deren Name nicht genannt werden darf: Gemeint ist der Relaunch der ZDF-Mediathek, die offiziell nicht mehr so heißen soll. Begriffe wie „ZDF-Streamingportal“ sorgten für Verwirrung, ebenso der zeitweise massive Abbau redaktioneller Begleittexte. Nutzer mussten teilweise auf externe Angebote ausweichen, um Programminformationen zu erhalten – ein Schritt, der vielfach Unverständnis auslöste.
„Du gewinnst hier nicht die Million Zuschauer“: Diese Auszeichnung geht an das gefloppte Comeback von Stefan Raab bei RTL. Trotz großer Aufmerksamkeit, hoher Erwartungen und mehrerer Formate blieb der nachhaltige Publikumserfolg aus. Weder „Du gewinnst hier nicht die Million“ noch spätere Projekte konnten langfristig überzeugen. Die Kritik: zu viele Chancen, zu wenig Ergebnis.

Wie schaden wir dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk am besten?: Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt werden für ihre Blockade beim Rundfunkbeitrag ausgezeichnet. Die Länder verhinderten eine Reform des Beitragsverfahrens, indem sie diese an fachfremde Bedingungen knüpften. Aus Sicht von DWDL.de wurde damit nicht nur politisches Kalkül bedient, sondern auch die Stabilität des Systems geschwächt.
Heuchelei des Jahres: Der Goldene Günter geht an „Bild“-Unterhaltungschefin Tanja May. Anlass ist ein Video-Kommentar zu Thomas Gottschalk, in dem sie Kritik an früheren öffentlichen Debatten übte, gleichzeitig jedoch Hans Sigl eine Szene unterstellte, die so nachweislich nicht stattgefunden hat. Für DWDL.de ein klassischer Fall von Doppelmoral – nicht zuletzt, da May selbst gerne bloßstelle, ohne die Hintergründe zu kennen.
Plem-Plem des Jahres: Diese Kategorie gewinnt Dieter Hallervorden für die umstrittene Neuauflage seines „Palim-Palim“-Sketches in der ARD-Jubiläumsshow. Der Versuch, den Klassiker politisch zuzuspitzen, stieß auf breite Kritik – insbesondere wegen der Verwendung diskriminierender Begriffe und der anschließenden Rechtfertigungen.
Leser:innen entscheiden über größten Fail überhaupt
Nun entscheidet das Publikum: Bis zum 28. Dezember um 23:59 Uhr können die Leserinnen und Leser von DWDL.de aus allen elf Preisträgern den „Super-Günter“, die ultimative Peinlichkeit des Medienjahres, wählen. Das Ergebnis wird am 29. Dezember bekanntgegeben.






