Kritik

Tod den Kapitalisten – Kritik zu „How to Make a Killing“ mit Glen Powell

A24 kann auch unterhaltsam – das beweist das Produktionsstudio mit „How to Make a Killing“, der eine der schönsten Überraschungen des Jahres ist.

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Video: TVMovie / Studiocanal

„F**k das Kapital.“ Was schon in „Stromberg – Der Film“ missverstanden wurde, nimmt sich auch Glen Powell in „How to Make a Killing“ zu Herzen und fängt heiter an, seine Familie umzubringen. Doch hinter dem Mordsspaß versteckt sich nicht nur ein wahnsinnig unterhaltsamer Film, sondern auch ein Abrechnen mit den Reichsten der Reichen.

„How to Make a Killing“: Wovon handelt der Film?

Glen Powell spannt einen Bogen und guckt dabei sehr konzentriert.
Wie Robin Hood – nur in selbstsüchtig: Glen Powell begeistert als Becket in „How to Make a Killing“. Foto: Zoey Kang (A24)

Becket (Glen Powell) hat ausgesorgt – zumindest in der Theorie, denn er ist der Letzte in der Erbfolge der milliardenschweren Redfellow-Familie. Faktisch gesehen steht ihm zwar das Geld zu, aber erst, wenn seine anderen Verwandten sterben. Da Becket aber ohnehin ein Verstoßener ist, weil sich seine Mutter lieber dafür entschied, ihn auf die Welt zu bringen, statt ihn abzutreiben, kommt er auf eine waghalsige Idee: Was, wenn er dem Ableben seiner Verwandtschaft, die ihn ohnehin nicht kennt, nachhilft?

Gesagt, getan, denn es dauert nicht lange, bis die ersten Redfellows auf „mysteriöse Weise“ verschwinden. Und während Becket seinem Glück gar nicht trauen kann, gibt es dennoch ein Problem, das am Horizont lauert: Beckets alte Kindheitsfreundin Julia (Margaret Qualley), die noch mehr Interesse an den Milliarden hat.

Schwermut? Wohl kaum! A24 macht endlich mal wieder einen kurzweiligen Film

Das Produktionsstudio A24, das sich auch für „How to Make a Killing“ verantwortlich zeigt, ist immer ein sehr gemischter Haufen. Viele ihrer Filme können unterhaltsam sein, aber wie im Falle von „Pillion“ fällt zum Beispiel auf, dass die Prämisse für den Trailer ausreicht, aber der gesamten Laufzeit nicht standhält. Das ist kein neues Phänomen bei A24, sondern vielmehr ein roter Faden, der sich durch das Studio zieht: kreative Ideen mit zu viel kreativer Freiheit.

„How to Make a Killing“ ist dagegen die absolute Antithese. Der Film ist mit seiner Lauflänge von 105 Minuten wunderschön kurzweilig und dauert nie länger als notwendig. Selbstverständlich gibt es auch längere A24-Filme wie „Marty Supreme“, die überzeugen können, aber selbst die größten Fans müssen dem Film wahrscheinlich einräumen, dass er mindestens zehn Minuten zu lang ist. Diesen Gedanken kann das Gehirn bei „How to Make a Killing“ gar nicht erst formen, denn ehe man es sich versieht, zieht Becket schon wieder den nächsten spaßigen Kill durch.

Mehr Hitman als „Hitman“: Glen Powell ist ein Hit, man!

2023 erschien mit Richard Linklaters Film „Hitman“ ein Film, der Glen Powell in die Rolle eines augenscheinlichen Auftragsmörders drängte – und dabei selten unterhaltsam war. „How to Make a Killing“ entschuldigt sich dafür und lässt Powell so viel Freiraum und Coolness beim Ermorden seiner Verwandtschaft, dass man sich nahezu eine Adaption der Hitman-Videospiele mit ihm wünscht.

Apropos Coolness: Powell, mit dem ich bisher noch nie wirklich warm geworden bin, beweist zum ersten Mal, dass er Filme aufwerten kann. Abgesehen von seiner Synchronrolle als Star Fox im „Super Mario Galaxy Film“, die den ganzen Film noch gerade so über die Ziellinie trägt, ist es vor allem sein Charisma, aber noch mehr sein Aussehen, das „How to Make a Killing“ zu einem besseren Film macht. So leid es mir tut, das sagen zu müssen, aber Glen Powell ist optisch leider prädestiniert, reiche sowie schöne Personen zu spielen, denn alles andere kann man ihm schwer abkaufen – man denke nur an „The Running Man“. Aber wenn das bedeutet, dass man noch mehr Filme wie „How to Make a Killing“ bekommt, dann ist das für mich kein Problem.

Kleine Schwächen – aber die hat ja jeder

Meist sind A24-Filme auch in einer anderen Hinsicht eine Mogelpackung, denn sie casten große Schauspieler und Schauspielerinnen in Nebenrollen, können sich aber nicht mehr als drei Drehtage für ebenjene Koryphäen leisten. Und auch wenn „How to Make a Killing“ nicht unbedingt exemplarisch dafür ist, fällt es trotzdem auf.

Glen Powell ist auf jeden Fall sehr präsent und Margaret Qualley ist zwar anwesend, aber auch hier findet man Tricks, um die Rolle einzudämmen. Mit wem aber vor allem geworben wird, sind Schauspiel-Urgestein Ed Harris („The Truman Show“, 1998) sowie Topher Grace („Interstellar“, 2014). Letzteren sieht man gerade mal in zwei bis drei Szenen und auch Ed Harris bringt es nicht auf viel mehr Bildschirmzeit. Das ist zuweilen schade – insbesondere, weil beide sichtlich Spaß an ihren Rollen haben.

Ein weiteres Problem ist, dass die Geschichte nicht wirklich eine Moral mitbringt. Das muss bei Weitem auch nicht jeder Film tun, aber „How to Make a Killing“, der eigentlich überwiegend antikapitalistisch ist, kommt zu einem Schluss, der prinzipiell alles, was vorher passiert ist, ad absurdum führt. Becket ist eben nicht der Robin Hood der Arbeiterklasse, sondern der Robin Hood für all jene, die sich 17-Dollar-Liefersushi leisten können.

„How to Make a Killing“: Bitte mehr davon – und weniger Schwermut

Selbstverständlich liebt es A24 zu experimentieren – und soll es bitte auch weiterhin tun. Filme wie „The Death of a Unicorn“ sind prinzipiell auch ganz nett, rechtfertigen aber selten ihre Lauflänge. Das Problem hat „How to Make a Killing“ nicht, denn der Film ist klar strukturiert und hat erkannt, wie man das Publikum begeistert – indem man einfach Thriller-Komödien dreht, die es Mitte der 2000er gegeben hätte. Das einzige Problem des Films ist aber, dass er wahrscheinlich kein „Killing“ am Box Office machen wird … aber welcher A24-Film tut das schon?

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