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Filmkritik

„Marty Supreme“: Timothée Chalamets spektakuläre One-Man-Show

Ein Film über einen größenwahnsinnigen, aber mittellosen Tischtennisspieler? Klingt erst einmal nicht nach Hollywood-Stoff. Doch „Marty Supreme“ ist zweieinhalb Stunden pure Unterhaltung – und ein Timothée Chalamet in Höchstform.

Timothée Chalamet als Marty Mauser bei einem Tischtennisspiel.
Timothée Chalamet überzeugt als größenwahnsinniger Tischtennisprofi. Foto: IMAGO / Landmark Media

Dass die Mischung aus fiktiver Story und Sport gut funktionieren kann, haben zuletzt diverse Filme gezeigt. In „Challengers“ war es Tennis, in „F1“ der Motorsport – und in „Marty Supreme“ ist es jetzt eben Tischtennis, das in den Mittelpunkt gerückt wird. Man könnte meinen, dass letztere Sportart deutlich weniger Anziehungskraft und Sexiness besitzt, und ein bisschen stimmt das auch, unterhaltsam ist der Schlagabtausch aber allemal.

„Marty Supreme“: Der größenwahnsinnige Marty Mauser

Das liegt zum einen natürlich daran, dass Regisseur und Drehbuchautor Josh Safdie die Partien unterhaltsam und mit dem nötigen Drive inszeniert. Zum anderen sind es aber auch die Darsteller selbst, allen voran Timothée Chalamet, dem man die Leidenschaft am Pingpong durchaus abkauft. Kein Wunder, der Amerikaner begann bereits 2018 mit dem Training, nachdem er zum ersten Mal von der Idee von „Marty Supreme“ gehört hatte. Allerdings sollten noch sechs Jahre vergehen, bis der Streifen es endlich auf die Leinwand schafft. Das ist mal Einsatz!

In dem Sportdrama verkörpert Timothée Chalamet den größenwahnsinnigen Tischtennisspieler Marty Mauser, der Anfang der 50er-Jahre seinen Sport in Amerika publik machen will. Blöd nur, dass er chronisch pleite ist und im Schuhgeschäft seines Onkels aushelfen muss. Doch Martys Ziel ist klar: Er will der Größte seiner Sportart werden und ist sich sicher, schon bald diverse Werbedeals abzustauben und irgendwann auf dem Cover der großen Sportmagazine zu landen. Dafür muss er es nur um die halbe Welt zur Weltmeisterschaft nach Japan schaffen. Leichter gesagt als getan …

Timothée Chalamet als Marty Mauser stehend auf einem Bett.
Marty Mauser in seinem Element! Foto: IMAGO / Landmark Media

Timothée Chalamet in seiner besten Rolle

Timothée Chalamet ist in nahezu jeder Szene des zweieinhalbstündigen Films zu sehen, es lässt sich also getrost von einer One-Man-Show sprechen. Doch gerade im ersten und letzten Teil des Streifens sprüht der Hollywood-Star geradezu vor Spielfreude. Man könnte fast meinen, dass Chalamet einiges von Marty Mauser in sich selbst wiederfindet. Weit hergeholt ist das angesichts der letzten Äußerungen des Mimen nicht. So bezeichnete er seine eigene Leistung in einem Interview kürzlich als „top level sh*t“. Ähnliches würde wohl auch Marty von sich behaupten. Der Performance des Fanlieblings tut das keinen Abbruch, der Oscar scheint nach dem Gewinn des „Golden Globes“ in greifbarer Nähe. Zu Recht, spielt er doch diesen windigen, in weiten Teilen ziemlich unsympathischen Charakter so unterhaltsam, dass man auch nach zwei Stunden im Kinosessel nicht genug bekommen kann.

Doch ein Schauspieler ist oft nur so gut wie seine Co-Stars und auch hier hat sich Josh Safdie eine wilde Figur nach der anderen ausgedacht. Bei dem verzweifelten Versuch, Geld für seinen Trip nach Japan aufzubringen, sieht sich Marty mit seiner Geliebten Rachel (Odessa A'zion), der Schauspiel-Legende Kay Stone (Gwyneth Paltrow) und ihrem Mann, dem schwerreichen Stift-Unternehmer Milton Rockwell (Kevin O'Leary) sowie Ezra (Abel Ferrara) und seinem geliebten Hund konfrontiert.

Immer wieder muss Marty bei seinen Plänen Rückschläge hinnehmen, ist so dicht dran am Ziel, nur um dann doch zu scheitern. Der Film reizt diese Ups und Downs bis zum äußersten Aus, nur um kurz bevor der Zuschauende das Interesse zu verlieren droht, doch noch Erbarmen mit dem (Anti-) Helden zu zeigen.

„Marty Supreme“ ist ein Fiebertraum

Während des Films und vor allem im großen Finale zeigt sich, wie ernst die Macher das Tischtennis trotz aller komischen Momente nehmen: Der Ball fliegt hin und her, die Athleten strecken sich für noch so unerreichbare Konter, und gelegentlich gibt es auch noch den ein oder anderen Trick zu sehen. Den beeindruckendsten Schlagabtausch liefert aber der Film selbst. Mit einer unwiderstehlichen Mischung aus Nervenkitzel und Jokes wirkt „Marty Supreme“ wie ein Fiebertraum – und man selbst wie der Pingpong, der von einer chaotischen Szene in die andere geworfen wird.

Zum Ende hin droht sich die Komödie allerdings in Kitsch zu verlieren und der Protagonist vollzieht eine Wendung, die angesichts der vorherigen Ereignisse nur bedingt authentisch wirkt. Dass das Finale dennoch so funktioniert und ins Herz trifft, ist der rührenden Darstellung von Timothée Chalamet, der schon in „Call Me By Your Name“ gezeigt hat, welche Kraft eine finale Szene entfalten kann, zu verdanken. „Marty Supreme“ ist wild, chaotisch, laut und vollkommen unvorhersehbar. 149 Minuten Unterhaltung, die Kino zu einem Erlebnis machen.

Während der Film in den USA bereits angelaufen ist, startet „Marty Surpreme“ hierzulande erst am 26. Februar 2026.

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