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Kritik

„Tatort“ heute: „Siebenschläfer“ aus Dresden macht alles ganz anders!

Letzte Woche noch in Frankfurt, diese Woche schon wieder in Dresden. „Siebenschläfer“ ist ein durchschnittlicher „Tatort“, der krampfhaft versucht, am Zahn der Zeit zu sein.

Martin Brambach und Cornelia Gröschel stehen bei einem Tor. Hinter ihnen ist ein Rettungssanitäter.
Langweilig genug zum Einschlafen oder extrem spannend? „Siebenschläfer“ aus Dresden ist klassisch – im besten und schlechtesten Sinne. Foto: MDR/MadeFor Film/Steffen Junghans

Nachdem letzte Woche ein neues Ermittler-Duo in Frankfurt erste Schritte gewagt hat, setzt man diese Woche auf Altbewährtes. „Siebenschläfer“ ist ein Fall aus Dresden, der in vielerlei Hinsicht klassischer nicht sein könnte … aber dennoch versucht, vieles neu zu denken.

„Siebenschläfer“: Davon handelt der „Tatort“ aus Dresden

Lilly (Dilara Aylin Ziem) und Pascal (Florian Geißelmann) haben einen großen Plan: Sie wollen aus dem namensgebenden Jugendheim „Siebenschläfer“ abhauen. Ihre Motive? Unbekannt. Doch die Frage nach den Motiven wird nebensächlich, denn am nächsten Morgen wird Lilly tot in der Nähe eines Steinbruchs aufgefunden.

Den Ermittlern Winkler (Cornelia Gröschel) und Schnabel (Martin Brambach) begegnet nur ein durchgehendes Muster: Lillys flüchtiger Freund Pascal scheint große Aggressionsprobleme haben … doch sind diese so stark, dass er Lilly tatsächlich umbringen würde?

„Siebenschläfer“: Zäh wie Leder

Wenn ich sage, dass „Siebenschläfer“ ein recht klassischer „Tatort“ ist, meine ich damit, dass der Fall primär zäh, vielleicht sogar eher stark einschläfernd ist. Totes Mädchen im Wald, „Kritik“ an Institutionen wie dem Jugendamt, und schlecht ausgearbeitetes Drama bei den Ermittelnden sind alles übliche „Tatort“-Symptome, die man leider auch hier findet.

Denn nach Spannung muss man hier bedauerlicherweise lange suchen. Es gibt vermehrt Wutausbrüche verschiedenster Charaktere, aber diese sind definitiv nicht genügend Füllmaterial, um durch die doch eher langweilige Geschichte zu führen.

Kein einziger Charakter ist spannend genug, um auch nur eine einzige Szene zu tragen. Dabei hätte alles so viel interessanter sein können …

„Siebenschläfer“: Träume von einem besseren „Tatort“

Der neueste Fall aus Dresden hätte Potenzial gehabt, eine weitaus bessere Geschichte zu erzählen. Statt eine klassische Kriminal-Kamelle durchzukauen, wäre ein anderer Ansatz viel sinnvoller gewesen: Anstelle von Gorniak, Winkler und Schnabel heißt es diesmal nur noch Winkler und Schnabel, denn Gorniak ist in einer dienstlichen Auszeit, da die dahinterstehende Schauspielerin Karin Hanczewski aus dem „Dresdner“-Tatort ausgestiegen ist.

Der vorherige Fall „Herz der Dunkelheit“ war demnach Gorniaks vorerst letzter Fall – und genau das wäre ein fantastischer Keimpunkt gewesen, um einen privateren Fall rund um Schnabel und Winkler zu erzählen. Immerhin konnte man das im 2022er-Fall „Katz und Maus“ auch.

Statt mit Intrigen, „Kritik“ und einer Geschichte wie jeder anderen aufzuwarten, hätte man die optimale Chance gehabt, um dem sonst so nervendem Charakterdrama eine Daseinsberechtigung zu geben. Immerhin gibt es im Rahmen Charakterdrama einen Lichtblick …

„Siebenschläfer“: Ach, der Brambach

Peter Schnabel und somit auch sein Darsteller Martin Brambach bleiben das Herz des Dresdner „Tatort“. Dieser in der Zeit hängengebliebene Brummbär ist zwar ein „Boomer“ durch und durch, aber dabei stets weltoffen und voller Akzeptanz – prinzipiell das perfekte Vorbild für alle angehenden Rentner und Rentnerinnen, die sich nicht so verhalten sollten.

Inmitten dieser langweiligen Suppe gibt es eine wirklich schöne Szene, die insbesondere aufgrund Brambachs funktioniert. Dort verhört er den Verdächtigen Pascal und erzählt von seiner Vergangenheit im Heim.

Das ist zwar Exposition und eine Charakterentwicklung, die nur aufgrund der Oberthemen Jugendamt und Kinderheim existiert, aber es ist doch etwas emotional rührend, wenn er von goldenen Taschenuhren und den amoralischen Erziehungsmethoden der 60er erzählt.

Brambach gelingt es sogar, aus Florian Geißelmann, dem Darsteller von Pascal, eine brauchbarere und geerdete Leistung zu entlocken.

„Siebenschläfer“: Viel Quatsch, aber nicht von der lustigen Sorte

Ohne zu viel vorwegzunehmen, aber in der letzten halben Stunde nimmt „Siebenschläfer“ eine absurde Wendung.

„Wir stehen hier jeden Tag an der Front und kümmern uns um das, was die Welt nicht sehen will“, so die Heimleitung der „Siebenschläfer“. Das ist absurd viel Pathos und eine noch viel schlimmere Aufarbeitung von Kinderheimen in Deutschland. Ich verstehe, wenn man Lobbyisten, moralisch ambivalente Trickbetrüger oder die Oberschicht kritisieren will, denn das sind durchaus sinnvolle „Feindbilder“ für das Publikum, aber warum kritisiert man soziale Institutionen, die, wie dieser „Tatort“ ohnehin anmerkt, einen schlechten Ruf genießen.

Wie sich diese Kritik äußert, muss jeder und jede für sich selbst sehen, aber dieser wilde Medikamentencocktail, der einem hier serviert wird, ist mehr als absurd – selbst für „Tatort“-Maßstäbe.

„Siebenschläfer“: Lohnt sich der neueste Fall aus Dresden?

Wer schon immer mal in knapp 90 Minuten schlechte Darstellerleistungen, eine absurde sowie langweilige Geschichte und sehr seltsame „Kritik“ sehen wollte, wird bei diesem „Tatort“ auf seine oder ihre Kosten kommen.

Wer aber tatsächlich gut unterhalten werden will, täte besser daran, für 90 Minuten auf den ausgeschalteten Fernsehbildschirm zu starren – das, was man in der Spiegelung sehen kann, wird auf jeden Fall qualitativ hochwertiger als dieser „Tatort“ sein.

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