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Axel Chillberg

„Tatort“ heute: Milberg hat keinen Bock … ich auch nicht – Kritik zum Fall „Borowski und der gute Mensch“

Keine „Tatort“-Sommerpause ohne den obligatorischen Borowski-Fall. Leider ist „Borowski und der gute Mensch“ tatsächlich nur eine Obligation …

Axel Milberg und Lars Eidinger sitzen sich bei spärlichem Licht am Küchentisch gegenüber.
Freund oder Feind? Katz und Maus? Können Borowski (Axel Milberg) und Kai Korthals (Lars Eidinger) setzen ihrer Feindschaft ein Ende setzen? Foto: ORF/NDR/Thorsten Jander

Neue Woche, neue „Tatort“-Wiederholung: Diesmal wartet man mit einem Kieler Fall aus dem Jahr 2021 auf, in dem Borowski erneut dem Serienmörder Kai Korthals auf der Spur ist. Unter dem Namen „Borowski und der gute Mensch“ bekommt man erneut ein Katz-und-Maus-Spiel präsentiert, das nicht durchschnittlicher sein könnte.

„Borowski und der gute Mensch“: Handlung des Kieler „Tatort“

Es sollte eine ruhige Theaterprobe werden, doch der mittlerweile inhaftierte Kai Korthals (Lars Eidinger) wittert bei einem Gerangel die Chance, dem Hochsicherheitstrakt zu entkommen. Nun ist der Frauenmörder wieder auf freiem Fuß und verschafft sich erneut Zugang zu fremden Wohnungen.

Borowski (Axel Milberg) steht diesem Umstand erstaunlich entspannt gegenüber und macht lieber alles andere, als radikal zu ermitteln. Nach mehreren gescheiterten SEK-Einsätzen findet Borowski tatsächlich eine Spur, die darauf hindeutet, wo sich Korthals verschanzt hat. Entgegen allen Erwartungen versteckt er sich bei einer blinden Frau, die ihm aufgrund romantischer Gefühle hilft, sein Geheimnis zu verschleiern.

Borowski und der okaye Fall: Ein Versuch, die Obsession Borowski zu verstehen

Auch wenn Borowski mittlerweile nicht mehr ermittelt, erfreut er sich dennoch großer Beliebtheit und genießt unter „Tatort“-Fans einen regelrechten Kultstatus. Als jemand, der in der Hauptsaison nie mit Borowski konfrontiert wird, verstehe ich die Faszination hinter dem Ermittler nicht so ganz und frage mich, ob das mit der Auswahl der Wiederholungen zusammenhängt.

Bereits letztes Jahr wiederholte man in der Sommerpause den Fall „Borowski und der stille Gast“, der zwar ganz nett war, aber unter den Fällen, die ich über das Jahr schauen darf beziehungsweise muss, definitiv keinen Höhepunkt markierte. Dennoch ergibt es Sinn, dass ausgerechnet diese Episoden wiederholt werden, denn so kann man damit prahlen, dass man „Tatort“-Folgen mit Lars Eidinger hat, der mittlerweile ein weltbekannter Schauspieler ist.

Axel Milbergs Borowski hingegen wird allerhöchstens in Deutschland populär bleiben. Die Figur wirkt häufig so angelegt, als würde man unbedingt den Grimme-Preis gewinnen wollen. Dabei ist Borowski nur das Abziehbild eines jeden Kommissars, der „on the edge“ ist. Tiefes Trauma, über das man klassisch männlich nicht redet, und immer ein flotter Spruch auf den Lippen – das ist zwar unterhaltsam, aber auch substanzlos. Ebenso substanzlos …

Warum der gute Mensch lieber ein stiller Gast bleiben sollte

Genauso wie Axel Milberg ist Lars Eidinger wahrlich kein schlechter Schauspieler, aber selbst ein guter Darsteller kann aus Nichts nicht einfach Etwas machen. Kai Korthals kann man nicht absprechen, dass er in seinen vorherigen Auftritten immerhin narrative Tragweite besaß, aber in „Borowski und der gute Mensch“ ist diese vollends ausgeschöpft, was man spätestens in den letzten fünf Minuten bemerken dürfte.

Korthals ist eine ungewöhnliche Figur, aber nur gemessen an den Maßstäben des „Tatort“. Wie ein Medley großer Serienmörder und Psychopathen eifert dieser hagere, schräge Freak seinen filmischen Vorbildern nach, überzeugt jedoch nur selten. Denn auch eine schillernde Figur wertet die durchschnittlichste Geschichte nicht automatisch auf.

„Borowski und der gute Mensch“ ist voller Klischees, die ihren Weg auch in das Hallenser „Polizeiruf“-Finale sowie den Felix-Voss-Fall „Ich sehe dich“ gefunden haben. Bevor ich dazu komme, was ich damit meine, möchte ich nur noch einmal zementieren, dass Korthals und Borowski durch eine Geschichte plätschern, die nur existiert, um zu einem Abschluss zu kommen.

Einführung in den Abschluss: „Borowski und der gute Mensch“ wirkt kontinuierlich erzwungen

Borowski hörte zwar erst vier Jahre später auf zu ermitteln, aber seine Reihe rund um Kai Korthals kam mit diesem Fall zu einem Ende. Es wirkt jedoch eher so, als hätte man sich gedacht: „Oh, verdammt. Wir sind dem Publikum mindestens noch einen Korthals-Fall schuldig. Lass mal irgendein bestehendes Drehbuch nehmen und den da reinschreiben.“ Und dann wurde losgedreht.

Abgesehen von Genre-Klischees – das SEK stürmt die falschen Wohnungen – erzwingt der Fall andauernd Konfrontationen zwischen den beiden Widersachern und verdeutlicht damit immer wieder, dass die Episode längst vorbei sein könnte. Das Ende fühlt sich keineswegs verdient an, weil es bereits zweimal vorher hätte stattfinden können. Dazu gesellen sich weitere Plotlücken, etwa Blutspuren, die Polizisten nicht auffallen, und ein Telefonat bei der Seelsorge, das nur existiert, um es den Ermittlern leichter zu machen.

„Tatort“: Warum das Sommerloch Sommerloch heißt

„Sie machen Dienst nach Vorschrift. Warum?“, so Borowskis Kollegin Sahin im Verlauf des Falls. Und recht hat sie. Man bekommt nie das Gefühl, als hätte Axel Milberg Lust darauf gehabt, da zu sein. All das, was hier erzählt wird, ist egal. Und das ist okay, aber okay ist nicht immer sehenswert.

Sehenswert sind zwar die Action-Setpieces, die zumindest für einen „Tatort“ gelungen aussehen. Wer jedoch bereits zu Beginn des Falls das gesamte Budget verbrennt, muss sich nicht wundern, wenn das Endprodukt so belanglos wirkt. Am Ende bleibt eine Obligation – mehr aber auch nicht.

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