Ärger um „Polizeiruf“-Absetzung: Peter Kurth und Peter Schneider haben Verdacht zu Gründen
Erfolgreich, preisgekrönt – und trotzdem beendet: Nach nur drei Filmen ist Schluss für das Hallenser „Polizeiruf“-Duo. Die Hauptdarsteller zeigen sich irritiert.

Als der „Polizeiruf 110“ 2021 sein 50-jähriges Jubiläum feierte, setzte der Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) auf einen Neustart in Halle: Peter Kurth und Peter Schneider ermittelten fortan als Henry Koitzsch und Michael Lehmann.
Die Resonanz war stark: 7,8 Millionen Zuschauer sahen den Auftakt „An der Saale hellem Strande“ (25,9 Prozent Marktanteil), der zweite Fall „Der Dicke liebt“ erreichte 26,6 Prozent Marktanteil.
Am 15. Februar lief mit „Der Wanderer zieht von dannen“ dennoch der letzte gemeinsame Einsatz im Ersten.
Überraschung über das Aus
Warum nach drei Filmen Schluss ist, erschließt sich den Darstellern bis heute nicht. Schneider sagt: „Ich weiß es ehrlich gesagt nicht so richtig. Ich habe selbst im Januar 2025 aus der Presse erfahren, dass das wohl so geplant war – nur drei Filme. Ich war überrascht, weil ich ursprünglich für eine Reihe angefragt worden war.“
Kurth ergänzt: „Von der Kommunikation her lag da einiges im Argen. Ich hatte noch in Erinnerung, dass es hieß: Nach drei oder vier Fällen reden wir noch mal darüber. Aber dieses Gespräch fand einfach gar nicht statt.“
Die offizielle Begründung des MDR lautet, das Alleinstellungsmerkmal der Reihe entstehe dadurch, dass sie sich als „Trilogie von längeren Reihen“ positiv abhebe. Für Schneider ist das nicht schlüssig: „Nein, es ist vor allem nicht logisch, weil wir es nie als Trilogie empfunden haben.“
Spielten Kosten eine Rolle?
Öffentlich bestätigt ist kein konkreter Grund. Schneider verweist auf Produktionsbedingungen: „Es gibt viele Locations, viele Leute. Wenn du im Studio 45 Minuten Verhör drehst, ist das billiger. Ein normaler ‚Polizeiruf‘ liegt bei 1,2 bis 1,7 Millionen, unser Budget war bestimmt nur etwas höher.“
An den Gagen habe es nicht gelegen. „Für den ,Polizeiruf‘ arbeiten wir zu üblichen ARD-Tagessätzen. Um den dritten Fall überhaupt drehen zu können, waren alle im Team sehr kompromissbereit. Auch Peter und ich.“
Nach Informationen aus dem Umfeld des Senders spielen Sparmaßnahmen durchaus eine Rolle. Der MDR steht vor erheblichen wirtschaftlichen Einsparungen, die alle Bereiche betreffen. Ein Sendersprecher erklärte, man sei „aktuell und für die nächsten Jahre mit sehr relevanten wirtschaftlichen Einsparnotwendigkeiten konfrontiert“. Diese hätten „entsprechende Auswirkungen auf publizistische Entscheidungen“.
Zugleich räumte der MDR ein: „Hier gab es offenbar unterschiedliche Wahrnehmungen in der Kommunikation und verschiedene Erwartungshaltungen, die man jetzt im Nachgang nicht mehr aufdröseln kann.“
Politische Dimension?
Für Schneider ist die Einstellung auch aus gesellschaftlicher Perspektive schwer nachvollziehbar: „Es ist total wichtig, in Halle vor Ort zu bleiben, die Stimmung dort einzufangen. Auch aus politischen Gründen. Manchmal denke ich, es geht nicht um Inhalte, es geht nur um Quoten.“
Gerade mit Blick auf ostdeutsche Lebensrealitäten sei das Team ein starkes Beispiel gewesen, so Schneider. Das gesamte Kernteam stamme aus der Region, habe einen eigenen Blick auf Stadt und Menschen. „Eigentlich könnte der MDR stolz darauf sein.“
Erfolgsgeheimnis und offenes Ende
Beide Schauspieler führen den Erfolg auf die besondere Konstellation zurück – regionale Verwurzelung, literarische Vorlagen, eine eigene Handschrift in der Regie. Kurth beschreibt es so: „Eine Kraft entsteht ja, wenn die richtigen Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.“
Dass seine Figur im letzten Fall in tödliche Gefahr gerät, wertet er nicht als bewusst gesetztes Abschiedssignal. „Bei der Arbeit hat das überhaupt keine Rolle gespielt und hat es auch nicht zu spielen.“
Hoffnung auf ein Comeback?
Ganz abgeschlossen scheint das Kapitel für die beiden dennoch nicht. Auf die Frage, ob sie bei einer Fortsetzung zurückkehren würden, antwortet Schneider: „Auf jeden Fall! Ich würde alles tun, damit wir weitermachen können. Ich weiß nur nicht mehr, was …“
Kurth ergänzt mit einem Schmunzeln: „Bei ,alles‘ würde ich ein bisschen zucken – aber ja! Fast alles!“









