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Von hier an blind

„Tatort“ heute: Langweiliger wird es nicht mehr – Kritik zum Fall „Blinder Fleck“ aus Zürich

Er setzte für eine Woche vollends aus, doch nun ist der „Tatort“ zurück. Diese Woche zeigt man mit „Blinder Fleck“ aus Zürich einen der langweiligsten Fälle, die ich jemals gesehen habe.

Grandjean und Ott schauen schockiert auf die Rückbank eines Autos.
Was entdecken Grandjean (Anna Pieri Zuercher) und Ott (Carol Schuler, l.) auf der Rückbank des Autos? Foto: ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek

Nach einer fußballbedingten Pause in der Sommerpause meldet sich der „Tatort“ mit einer Wiederholung aus Zürich zurück. In „Blinder Fleck“ ermittelt das Duo Grandjean und Ott in einem Fall, den man ehrlich gesagt nicht auf ein Wort herunterbrechen kann – und das nicht unbedingt, weil der Fall so gut wäre, dass ich nun sprachlos bin …

„Tatort“: Wovon handelt „Blinder Fleck“?

Ein Auto steht am Wegesrand bei einem Wald. In diesem warten ein Vater, eine Mutter und ihre Tochter Ella (Maura Landert) samt ihrem Kanarienvogel auf einen Radfahrer – obwohl sie den domestizierten Piepmatz eigentlich zum Tierarzt bringen sollen.

Einige Zeit später tauchen Grandjean (Anna Pieri Zuercher) und Ott (Carol Schuler) am selben Ort auf und finden drei der vier Personen tot vor. Lediglich Tochter Ella kauert noch im Fußraum der Rückbank und spricht kein einziges Wort mehr. Die Ermittlerinnen stehen vor einem großen Rätsel und ermitteln in allerlei Richtungen – in der Hoffnung, die Person zu finden, die für den Mord verantwortlich ist.

Ich weiß es doch auch nicht: Wovon will „Blinder Fleck“ erzählen?

Die größte Stärke und manchmal auch die größte Schwäche des „Tatort“ ist, dass man häufig leicht kondensieren kann, was ein Fall erzählen möchte. Nimmt man beispielsweise „Borowski und der gute Mensch“ als Vorbild, kann man die Episode mit „Borowski sucht nach dem ausgebrochenen Kai Korthals“ beschreiben.

Ganz so einfach ist das bei „Blinder Fleck“ nicht, denn nach den 90 Minuten Laufzeit bin ich mir nicht ganz sicher, was man eigentlich erzählen wollte. Ähnlich wie in den furchtbaren Faber-Fällen aus Dortmund möchte das sonst so starke Team aus Zürich auf allen Partys gleichzeitig tanzen und erzählt von einem Mord … und vom Jugoslawienkrieg … und von den Ermittlerinnen … und von so vielen weiteren Dingen.

Und auch wenn diese Wiederholung vor den Fällen „Das jüngste Geißlein“ sowie „Schmerz“ aus Dortmund lief, sind viele Versatzstücke dieselben. Ersterer Fall griff den Umstand des selektiven Mutismus auf, während Letzterer ebenfalls den Krieg in Jugoslawien in den Mittelpunkt stellt und sich darüber hinaus gleichzeitig an Figurenzeichnung versucht.

Geoblocking lässt grüßen: Die Verfügbarkeit mancher „Tatort“-Episoden

Noch viel schlimmer als die Tatsache, dass „Blinder Fleck“ eine zusammengezimmerte Ode an die Langeweile ist, ist, dass ich in der Sommerpause selbst ermitteln muss, um die Episoden vor der Fernsehausstrahlung schauen zu können.

Denn wie manchen „Tatort“-Fans bereits aufgefallen sein dürfte, kann man in der Mediathek nur eine limitierte Auswahl an Episoden sehen und selbst wenn man Geld für ARD Plus in die Hand nimmt, gibt es dort bei Weitem nicht alle Folgen der Reihe. Dass man allgemein nicht Zugriff auf alles hat, wofür man Rundfunkgebühren zahlt, ist generell frustrierend. Dass die ARD viele ihrer Episoden im Archiv verstauben lässt, ist zuweilen sogar noch ärgerlicher.

Im Falle von „Blinder Fleck“ war ich froh, dass ich die Episode ohne Nachfrage bei Pressestellen finden konnte, da die Koproduktionen meist in der SRF-Mediathek verfügbar sind. Das Problem hierbei ist aber viel eher, dass sie dort nur in ihrer Originalsprache, sprich Schweizerdeutsch, verfügbar sind.

Derartige Zuschauerhürden gehören wirklich ausgebremst. Der Kosmos der GEZ ist sicherlich weitaus komplizierter, als ich ihn gerade darstelle, aber warum muss man derartige Längen gehen, um eine Sendung zu schauen, die man gewissermaßen mitfinanziert hat? Die Tatsache, dass manche Inhalte sogar auf hauseigene oder externe Streamingservices ausgelagert werden, mal ganz abgesehen.

Schön anzusehen, aber trotzdem nicht sehenswert: „Blinder Fleck“ ist so spannend wie Farbe beim Trocknen zuzusehen

Technisch macht das Team aus Zürich zumindest wieder vor niemandem Halt. Der eröffnende Abspann passt zum Titel des Falls und man kaschiert zu Beginn clever, ob wirklich ein Kind erschossen wurde oder nicht. Auch die Drohnen, die im Fall sehr präsent sind, werden genutzt, um die sonst eher statischen Kamerafahrten der Reihe aufzuwerten. Fans schöner Landschaften sollten auf ihre Kosten kommen.

Aber wer schöne Landschaften sehen will, kann sich auch „Der Bergdoktor“ anschauen. In meiner nicht allzu beneidenswerten Karriere als „Tatort“-Kritiker musste ich mich wirklich schon durch einige Fälle quälen, aber so langweilig und inhaltsleer wie „Blinder Fleck“ war kaum einer. Zum Glück dürften die meisten gar nicht mitbekommen, was für ein Tiefpunkt heute Abend aufgewartet wird, da viele wahrscheinlich ohnehin mit der Fußball-WM beschäftigt sind.

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