„Tatort“ heute – Kritik zu „Der Reini“: Einschalt-Pflicht für den neuen Fall von Berg und Tobler!
Chaos in Freiburg: Die Psychiatrie ist etwas leerer – Kommissar Bergs Bude dafür etwas voller. Und das alles dank Reini … doch wer ist diese mysteriöse Figur überhaupt?

Im „Tatort“ hat man in Freiburg heute viel zu tun, denn für Kommissar Berg vermischen sich berufliche und private Probleme. Funktioniert diese Kombination oder ist „Der Reini“ nur ein weiteres Paradebeispiel dafür, dass Charakterzeichnung im „Tatort“ egal ist?
- Wovon handelt der neue Freiburger-Fall und wer ist eigentlich „Der Reini“?
- „Der Reini“: Der Berg ruft – und alle kommen
- Stets stabil dank Kammerspiel: „Der Reini“ weiß, wo der Hammer hängt
- Kein Zwerg neben dem Berg: Karsten Antonio Mielke gibt in „Der Reini“ alles
- Schuld und Schuldigkeit: Wovon „Der Reini“ noch erzählt
- Unser Fazit: „Der Reini“ – rein(i) damit!
Wovon handelt der neue Freiburger-Fall und wer ist eigentlich „Der Reini“?

Kommissar Berg (Hans-Jochen Wagner) läuft viel zu spät bei Ermittlungen in einer Apotheke auf. Seine Kollegin Ella (Luise Aschenbrenner) hat bereits festgestellt, dass der Apotheker erschossen wurde und seine Frau verschwunden ist. Als Berg dann erfährt, dass sein Bruder Reinhard (Felician Hohnloser), liebevoll „Reini“ genannt, aus der Psychiatrie abgehauen ist, fährt er mit einem schlechten Gefühl zurück nach Hause – nur um festzustellen, dass sein Bruder dort bereits aufgeschlagen ist. Und als wäre das nicht genug, hat Reini zwei weitere Personen im Schlepptau: seine Freundin Mika (Mareike Baykirch) und den mehr als aggressiven Luke (Karsten Antonio Mielke), der Berg prompt mit Waffengewalt als Geisel hält …
„Der Reini“: Der Berg ruft – und alle kommen
„Wenn du Menschen hasst und deine Hütte ist voll, was machst du dann?“ Diese Frage, die sich 2013 Die Höchste Eisenbahn in ihrem Song „Was machst du dann“ stellte, begegnet nun auch Kommissar Berg, der in „Der Reini“ im Fokus der Handlung steht … und das ist gut so. Häufig tut sich der „Tatort“ unfassbar schwer damit, den modernen Ermittlerfiguren narratives Fleisch auf die Rippen zu schreiben, doch es gibt diese Fälle, wo diese Gradwanderung gelingt. So auch in „Der Reini“. Ähnlich wie im Dresdner Fall „Katz und Maus“ (2022) ist dieser Fall für die Hauptfiguren Berg und Tobler sehr persönlich – und ebenso gefährlich. Dadurch entsteht ausnahmsweise mal Spannung, nach der man im „Tatort“ sonst eher länger suchen kann. Doch zieht sich diese Spannung nur aus dem persönlichen Drama oder schlummert da mehr unter der Oberfläche?
Stets stabil dank Kammerspiel: „Der Reini“ weiß, wo der Hammer hängt
Es hätte so generisch sein können: Der Apotheker ist tot. Warum? Wahrscheinlich, um ein Täterbild zu kreieren, das am Ende ein paar leere Phrasen gegen die Pharmaindustrie dreschen darf – aber auch nicht zu hart, denn sonst schaltet „Die Apotheken Umschau“ keine Werbung mehr. Doch dieser mehr als erwartbare Plot spielt sich in „Der Reini“ nie ab. Wer an dem gesamten Unterfangen schuld ist, verrät in etwa der Titel des Falls … und der Fall selbst nach 15 Minuten.
Danach ergibt sich aus der Handlung ein stets aufregendes Kammerspiel, das die Zusehenden dazu animiert, Kommissar Berg mit neuen Augen zu sehen. Der neue Blick auf Berg liegt aber vor allem daran, dass alle in diesem Kammerspiel gezwungen sind, ihre schauspielerischen Zähne zu fletschen – und das gelingt (nahezu) allen. Doch wem am besten?
Kein Zwerg neben dem Berg: Karsten Antonio Mielke gibt in „Der Reini“ alles
Waren Täter und Täterin im letzten „Tatort“ „Mike und Nisha“ eher liebenswürdig und sympathisch, ist Luke der komplette Gegenentwurf. Karsten Antonio Mielke spielt hier einen Bösewicht, an dem sich Berg im wahrsten Sinne des Wortes die Finger verbrennt. Ein mehr als aggressiver Mann, der über Leichen geht, um sein Ziel zu erreichen. Und wo Leichen sind, sind auch Konsequenzen – etwas, woran es in vielen anderen Fällen mangelt.
Doch bevor man zu ebenjenen Konsequenzen kommt, muss man einmal hervorheben, dass Mielke einen Täter mimt, der auch ganz schnell albern hätte sein können. Einen Psychopathen zu spielen, kann sehr schnell ins Overacting, also überzogenes Spiel, ausarten, aber Mielke gelingt es, den schmalen Pfad gekonnt zu wandern, ohne dabei in unermessliche schauspielerische Abgründe zu stolpern. Und wo wir gerade bei Abgründen sind …
Schuld und Schuldigkeit: Wovon „Der Reini“ noch erzählt
Wie bereits erwähnt, ist „Der Reini“ nicht ganz frei von Konsequenzen. So werden sowohl Ermittlerin Tobler als auch Ermittler Berg vor schwer verdaubare Wahrheiten gestellt. Eine dieser Wahrheiten wird Berg schon in „Der Reini“ um die Ohren fliegen, aber die andere wird sich erst in einem der kommenden Fälle offenbaren, denn man bekommt tatsächlich ein offenes Ende vorgesetzt, – das Lust auf mehr macht. Wer also sehen will, welchen Dämonen sich Berg in „Der Reini“, aber auch augenscheinlich in der Zukunft stellen muss, sollte definitiv einschalten.
Unser Fazit: „Der Reini“ – rein(i) damit!
Generell gilt dieses Mal die Pflicht, einzuschalten. „Tatort“-Fans sollten auf ihre Kosten kommen, während alle anderen, die dem „Tatort“ eher mit schwereren Gefühlen gegenüberstehen, etwas geboten bekommen, das sie ernst nimmt – ein Umstand, den man bei der ARD-Krimireihe nicht alle Tage geboten bekommt. Außerdem ist das Wetter ohnehin sehr trübe und die Weihnachtsmärkte machen erst spärlich sowie langsam auf … gibt es demnach überhaupt etwas Besseres, was man diesen Sonntagabend tun könnte?









