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„Tatort“ heute: Es langweilet sehr – Kritik zum Fall „Der Elektriker“ aus Wien

Ein toter Mann im Altersheim, eine Sexarbeiterin und allerlei Intrigen. Im neuesten „Tatort“ aus Wien ist wieder einiges los – und wir verraten dir, ob man für den Fall „Der Elektriker“ aus Wien einschalten sollte.

Adele Neuhauser stößt eine vorhangähnliche Abdeckungsplane zur Seite.
Vorhang auf, Bühne frei: Adele Neuhauser (Foto) ist die einzige, die im neuesten Fall aus Wien Spaß hat. Foto: ORF/Petro Domenigg

Eisner und Fellner ermitteln in einem ihrer letzten Fälle – umso passender, dass der neueste Kriminalstreifen aus Wien in einem Altersheim spielt. Aber augenscheinlich ist dieser Zufall das Einzige, was in diesem „Tatort“ zusammenpasst, denn wie eh und je zeigen sich die Ermittler aus Wien wieder von ihrer langweiligsten Seite.

Handlung: Darum geht es in „Der Elektriker“ aus Wien

Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) trauen dem Braten nicht: Im Altersheim wurde der mürrische Danijel Filipovic (Roman Frankl) tot aufgefunden, und während alle von einem Unfall ausgehen, sehen Fellner und Eisner das anders, denn Motive und mögliche Verdächtige gibt es ohne Ende. Eine Reise durchs österreichische Pflegesystem beginnt …

Vorhersehbar von Anfang bis zum Ende: Wo „Der Elektriker“ aus Wien scheitert

Wer auch nur einen einzigen „Tatort“ gesehen hat, hat auch „Der Elektriker“ gesehen. Das ist klassische Kriminalarbeit seitens Fellner und Eisner, wie man sie schon unzählige Male erleben durfte – glücklicherweise nicht so moralisch fehlgeleitet wie der letzte Fall des Wiener Duos „Wir sind nicht zu fassen!“.

Aber alle Vermutungen bezüglich des Täters, des Tathergangs und aller weiteren Charakterentwicklungen der möglichen Täter und Täterinnen kann man vorhersehen, sobald besagte Charaktere das erste Mal den Bildschirm betreten. Daraus ergibt sich aber in etwa auch eine Art Gemütlichkeit, weil man keine einzige Sekunde herausgefordert oder zum Nachdenken angeregt wird. Ergo: die schlimmstmögliche Kombination – mutlos und langweilig.

Nobel, aber voller Hobel: Funktioniert die „Sozialkritik“ in „Der Elektriker“?

Diese Woche hat sich jemand auf die Fahne geschrieben, einmal richtig mit dem Pflegesystem in Österreich aufzuräumen. Da das hier aber immer noch ein „Tatort“ ist, bedeutet „richtig aufräumen“ eher, kurz ein paar Stichworte in den Raum zu werfen, um all jenen, die ohnehin schon im Halbschlaf sind, vorzugaukeln, dass man sich mit diesen Themen auseinandergesetzt hätte.

Dabei ist die Realität viel schlimmer, denn über ein simples „Alters- sowie Pflegeheime sind überlastet und unterbesetzt“ geht das nicht hinaus. Diese Thematik anzusprechen ist zwar nobel, aber wenn man schon 90 Minuten im Ersten Deutschen Fernsehen zur besten Sendezeit hat, dann könnte man das Thema auch etwas breiter anschneiden, als das zu bemängeln, was ohnehin schon alle sagen oder wissen … aber das ist halt das Problem, wenn alle Folgen zum Ausstrahlungszeitpunkt bereits über ein Jahr alt sind.

Wiedergutmachungspotenzial, wenn auch nicht viel davon: Wovon „Der Elektriker“ mehr gebrauchen könnte

Eisner (links) und Fellner (rechts) stehen in einer Bordell. Neben ihnen sind zwei Prostituierte, sowie eine vegane Bäckerin.
Zwei Nasen sehen Rotlicht: Im neuesten Fall aus Wien müssen Eisner (zweiter von links) und Fellner (neben Eisner) ein Bordell aufsuchen. Foto: ORF/Petro Domenigg

Trotz aller Kritikpunkte muss man dem Krimi trotzdem ein paar nette Ideen anrechnen: So wird es diesmal beispielsweise sehr spielerisch. Hier werden große Modelle auf die Tische gestellt, um den Tathergang und all seine wirren Eigenschaften besser darstellen zu können. Für eine Partie Karten sind sich Fellner und Eisner auch nicht zu schade. Und während die Zusehenden darüber schmunzeln dürfen, dass das Ermittler-Duo mit spielerischer Freude an ihren Fall herangeht, fällt ihnen gar nicht auf, dass ihnen nebenbei notwendige Exposition untergejubelt wird.

Und wo wir gerade bei spielerischer Freude sind: Es gibt eine Dame, die schauspielerische Freude mitbringt. Selbstverständlich ist Adele Neuhauser im „Tatort“ alt eingesessen, aber auch in „Der Elektriker“ darf die 66-Jährige wieder herrlich kess, schadenfroh und verspielt sein. Davon profitieren auch alle anderen – insbesondere Krassnitzer.

Am Ende steht das Wort – und der „Tatort“: Sollte man diesen Sonntag für „Der Elektriker“ einschalten?

Um einen alten Witz wieder auszugraben: Wer diesen Sonntag keine Schlaftabletten mehr im Haus haben sollte, kann es definitiv mit diesem „Tatort“ versuchen. So uninspiriert war es in dieser Saison selten – lediglich die Kollegen aus Münster brachten ähnlich wenig Esprit mit. Die Frage sollte aber viel eher lauten, ob jemand an diesem Sonntag für den „Tatort“ einschalten wird, denn während die Öffentlich-Rechtlichen eine mehr als vorhersehbare Kriminal-Kamelle ausstrahlen, kann man auf Netflix mit „Wake Up Dead Man“ den neuesten Fall der „Knives Out“-Reihe finden. Wer also diesen Sonntagabend wirklich rätseln, raten und mitfühlen möchte, sollte eher Benoit Blanc statt Eisner und Fellner eine Chance geben.