Kritik

„Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery“ – lohnt sich der Krimifilm?

„Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery“ läuft endlich bei Netflix. Doch wie gut ist der dritte „Knives Out“-Film wirklich?

Benoit, Jud und eine Polizistin schauen auf ein Blatt Papie
„Wake Up Dead Man“ ist der dritte „Knives Out“-Film. Foto: Courtesy of Netflix

Nach Mord ist Familiensache und Glass Onion verschlägt die „Knives Out“-Reihe Benoit Blanc (Daniel Craig) in „Wake Up Dead Man“ diesmal in eine abgelegene amerikanische Kleinstadt, in der ein Teil der Bewohner:innen einer sektenartigen Gruppierung angehört. An ihrer Spitze steht der radikale und unheilvoll charismatische Monsignore Jefferson Wicks (Josh Brolin). Als ausgerechnet er unter mysteriösen Umständen stirbt, beginnt die sorgsam gepflegte Fassade der Gemeinde zu bröckeln – und Blanc stolpert unweigerlich in ein Geflecht aus Loyalitäten, Lügen und religiösem Machtgehabe, das tiefer reicht, als es zunächst scheint...

Eine Gesellschaftskritik mit einer ordentlichen Prise Humor

Rian Johnson erzählt den Fall – ganz in Tradition der Reihe – verschachtelt, unzuverlässig und voller Perspektivwechsel. Immer wieder werden Ereignisse neu aufgerollt, ergänzt oder korrigiert, sodass frühere Szenen plötzlich eine völlig neue Bedeutung erhalten. Das Publikum wird dadurch konstant herausgefordert: Jede neue Information kippt Verdächtigungen, eröffnet neue Motive oder entlarvt vermeintliche Wahrheiten als geschickt inszenierte Fassaden.

Thematisch schließt der Streifen an die satirische Bissigkeit von „Glass Onion“ an, richtet seinen Fokus diesmal jedoch auf konservative Machtstrukturen, religiösen Eifer und wie schnell wir uns von einer starken Führungsperson aufhetzen lassen. Die Kritik sitzt, ist aber nie aufdringlich – sie bildet vielmehr das Fundament für einen Kriminalfall, der so vertrackt, verspielt und clever konstruiert ist wie eh und je.

Video Platzhalter
Video: Netlix

Mit zunehmender Laufzeit entfaltet der Film einen immer stärkeren Sog. Die dramaturgischen Haken sind präzise gesetzt und oft auf herrlich überraschende Weise komisch. Auch visuell beeindruckt „Wake Up Dead Man“: Die düsteren Kirchen- und Gemeinderäume, durchzogen vom farbigen Licht der Buntglasfenster, erzeugen eine Atmosphäre, die zugleich feierlich, bedrückend und unheimlich wirkt.

Der Soundtrack verstärkt diese Wirkung noch weiter: In zentralen Szenen verschmelzen Bild und Musik zu einem Sog, der das Publikum nahezu körperlich in die Welt der Kleinstadtsek­te zieht. Sakrale Chorfragmente treffen auf spannungsvoll gezogene Streicher, wodurch ein Klangteppich entsteht, der gleichermaßen Erhabenheit, Unbehagen und unterschwellige Bedrohung transportiert.

Natürlich trägt auch der Cast maßgeblich zum Gelingen des Films bei. Daniel Craig und Cailee O’Connor bilden ein herrlich ungleiches Duo, das mit Humor, präzisem Timing und feinen emotionalen Zwischentönen überzeugt. Der Rest des Ensembles – von fanatisch Gläubigen über verzweifelte Polizist:innen – spielt mit spürbarem Elan und gibt der vertrackten Geschichte zusätzliche Tiefe.

Fazit: Lohnt sich der Streifen?

Kurz gesagt: Ja, absolut. Nach einer etwas ausführlicheren Einleitung findet der Film schnell sein Tempo – und von da an fliegen die über zwei Stunden regelrecht dahin. Mit jeder Wendung wird deutlicher, wie souverän Johnson seine Motive verzahnt und wie viel Spaß er an diesem erneuten Abstieg in die Abgründe der Menschheit hat.

„Wake Up Dead Man“ liefert intelligent verschachtelte Spannung, messerscharfe Satire, großartige Performances und eine audiovisuelle Umsetzung, die Zuschauer:innen beinah mit in den Film zieht. Die Reihe bleibt damit nicht nur stark – sie wird sogar noch besser.