Tarantino statt Bibel: US-Verteidigungsminister Pete Hegseth wird zum Gespött
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sorgt mit einem Pentagon-Gebet für Spott, auch unter politischen Gegnern.

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat mit einem Gebet im Pentagon für Spott gesorgt. Bei einem Gottesdienst am Mittwoch verwendete er eine Passage, die zwar an die Bibel erinnert, in weiten Teilen aber deutlich an den berühmten Monolog aus „Pulp Fiction“ angelehnt ist.
Was Hegseth gesagt hat
Hegseth sprach bei einem Gottesdienst im Pentagon über ein Gebet, das ihm nach eigenen Angaben von einem Einsatzleiter der CSAR-Operation weitergegeben worden sei. CSAR steht für Combat Search and Rescue, also Kampfbergung und Rettung. Der Minister sagte dabei: „They call it CSAR 25:17, which I think is meant to reflect Ezekiel 25:17.“
Anschließend betete Hegseth: „The path of the downed aviator is beset on all sides by the iniquities of the selfish and the tyranny of evil men. Blessed is he who, in the name of camaraderie and duty, shepherd the lost through the valley of darkness, for he is truly his brother’s keeper and the finder of lost children. And I will strike down upon thee with great vengeance and furious anger those who attempt to capture and destroy my brother. And you will know my call sign is Sandy One when I lay my vengeance upon thee, and amen.“
Genau dieser letzte Teil machte viele stutzig. Die Formulierung klingt nicht wie ein klassisches Bibelzitat, sondern wie eine deutlich umgeschriebene Version eines Filmsatzes.
Das biblische Original
Der von Hegseth beschworene Bezug verweist auf Ezechiel 25,17. In der englischen King-James-Übersetzung lautet der Vers: „And I will execute great vengeance upon them with furious rebukes; and they shall know that I am the Lord, when I shall lay my vengeance upon them.“
Im Deutschen heißt der Vers sinngemäß in der gängigen Luther-Übertragung: „... und will bittere Rache an ihnen üben und sie mit Grimm strafen, dass sie erfahren sollen, dass ich der HERR bin, wenn ich Vergeltung an ihnen übe.“
Das Zitat aus Pulp Fiction
Tatsächlich erinnert Hegseths Text sehr stark an die berüchtigte Passage, die Samuel L. Jackson als Jules Winnfield in „Pulp Fiction“ spricht. Dort heißt es: „The path of the righteous man is beset on all sides by the inequities of the selfish and the tyranny of evil men.Blessed is he who, in the name of charity and good will, shepherds the weak through the valley of darkness, for he is truly his brother's keeper and the finder of lost children.And I will strike down upon thee with great vengeance and furious anger those who attempt to poison and destroy my brothers.And you will know my name is the Lord, when I lay my vengeance upon thee.“
Auf Deutsch wurde der Monolog folgendermaßen übersetzt: „Der Pfad der Gerechten ist zu beiden Seiten gesäumt mit Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer. Gesegnet sei der, der im Namen der Barmherzigkeit und des guten Willens die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit geleitet. Denn er ist der wahre Hüter seines Bruders und der Retter der verlorenen Kinder. Ich will große Rachetaten an denen vollführen, die da versuchen meine Brüder zu vergiften und zu vernichten, und mit Grimm werde ich sie strafen, dass sie erfahren sollen: Ich sei der Herr, wenn ich meine Rache an ihnen vollstreckt habe.“
Hegseths Version mischt diese Filmfassung mit einem militärischen Eigenzusatz. Genau dadurch entstand der Eindruck, im Pentagon werde eher Quentin Tarantino als die Bibel zitiert.
Die Reaktionen
Im Netz löste das Gebet sofort Spott aus. Auf X und Reddit fragten Nutzerinnen und Nutzer, ob das Ganze Satire sei, und beschrieben den Auftritt als peinlich oder als bizarre Mischung aus Pathos und Popkultur.
Besonders hämisch fiel die Reaktion von Gavin Newsom aus. Der kalifornische Gouverneur teilte einen spöttischen Beitrag, der Hegseth in eine Szene aus „Pulp Fiction“ hineinmontierte.
Auch andere prominente Stimmen griffen ihn an, darunter Senator Raphael Warnock, Autor Don Winslow, Tennislegende Martina Navratilova und Chuck Todd, der Hegseth einen ausgeprägten „poser complex“ attestierte.
Die Verteidigung des Pentagons
Das Pentagon versuchte, den Vorfall zu erklären. Sprecher Sean Parnell schrieb, Hegseth habe ein eigenes Gebet geteilt, das unter den Einsatzkräften von Sandy-1 verwendet worden sei. Dieses sei zwar von „Pulp Fiction“ inspiriert, gehe aber letztlich auf Ezechiel 25,17 zurück. Kritiker, die von einer falschen Wiedergabe der Bibel sprächen, verbreiteten laut Parnell „fake news“.
Ob diese Erklärung den Schaden begrenzt, ist fraglich. Hegseths Auftritt wirkte auf viele eher wie ein Hollywood-Zitat mit Militärkulisse als wie ein ernst gemeinter religiöser Moment.
Viel Spott für Hegsetz
Der Kern des Problems ist nicht nur die Nähe zu „Pulp Fiction“, sondern auch der Tonfall. Hegseths Gebet verbindet religiöse Sprache, Kriegsrhetorik und Filmzitat auf eine Weise, die unfreiwillig komisch wirkt.
Dadurch wurde aus einem öffentlichen Gottesdienst ein politischer und popkultureller Aufreger. Für Hegseth dürfte das besonders ärgerlich sein, weil der Vorwurf nicht bloß ein Versehen betrifft, sondern sein Bild als seriöser Verteidigungsminister beschädigt.










