„Sinn und Sinnlichkeit“ Kritik: Vergesst Willoughby – Marianne ist der wahre Catch!
Daisy Edgar-Jones und Esmé Creed-Miles glänzen in Georgia Oakleys moderner, atmosphärischer „Sinn und Sinnlichkeit“-Adaption über starke Frauen, Sisterhood und echte Gefühle.

Sehnt ihr euch auch nach nichts mehr, als eine idyllische englische Landschaft im 19. Jahrhundert zu erkunden? Dann macht euch bereit, zusammen mit Daisy Edgar-Jones und Esmé Creed-Miles für zwei Stunden in Jane Austens Klassiker „Sinn und Sinnlichkeit“ abzutauchen.
Ein gefühlvolles, visuell elegantes Historiendrama über Schwesternliebe und weibliche Selbstbestimmung – inklusive ultimativer Herbst-Vibes, zeitloser Red Flags und großer Gefühle. Erfahre hier, warum vor allem „Stolz und Vorurteil“-Fans den Film ab dem 15. Oktober nicht im Kino verpassen dürfen.
Elinor und Marianne – the introvert to your extrovert
Mit „Sinn und Sinnlichkeit“ haucht Regisseurin Georgia Oakley Jane Austens Klassiker neues Leben ein und macht den Roman für eine neue Generation spürbar, intensiv und überraschend nahbar. Aber wie viel Vernunft braucht die Liebe eigentlich – und wann darf das Herz übernehmen?

Nach dem Tod ihres Vaters stehen die Dashwoods plötzlich vor dem Nichts: Das vertraute Zuhause geht verloren, die Zukunft ist ungewiss – und der Heiratsmarkt wartet schon. Während die besonnene Elinor (Daisy Edgar-Jones) ihre Liebe zu Edward Ferrars still in sich trägt (unausgesprochene Gefühle? Yearning at its best), stürzt sich Marianne (Esmé Creed-Miles) kompromisslos ins Gefühl und verfällt dem charmanten – aber vielleicht nicht ganz so verlässlichen – John Willoughby. Und ja, auch hier gilt: Manche Red Flags sind zeitlos. Auch wenn über 200 Jahre dazwischen liegen, werden sich viele (junge) Frauen in den Dashwoods und ihren Datingerfahrungen wiederfinden können …
Zwischen Hoffnung, Herzklopfen und bitteren Enttäuschungen müssen die beiden Schwestern ihren eigenen Weg finden.

Herbst-Ästhetik pur – wenn selbst das Moor Gefühle weckt
England ist hier keine bloße Kulisse, sondern eine komplette Mood. Gedreht wurde größtenteils in Devon, einer der schönsten (und fotogensten) Regionen Südwestenglands. Zwischen rauer Küste, sanften Hügeln und den weiten, fast schon magischen Landschaften des Dartmoor-Nationalparks entstand ein Set, das Mariannes Innenleben widerspiegelt: wild, intensiv, ein bisschen dramatisch. Historische Herrenhäuser, verträumte Dörfer und elegante Anwesen sorgen dafür, dass man völlig ins 19. Jahrhundert eintaucht – nur eben in Cinemascope. Man hört förmlich den Wind übers Moor ziehen und spürt die kühle Luft auf der Haut.
Dazu kommt der Soundtrack von Roger Goula: zart und leicht melancholisch – als würde die Musik selbst durch Nebelschwaden waten. Jede Totale bekommt dadurch noch mehr Gefühl, jedes Innehalten noch mehr Gewicht. England ist hier nicht nur Drehort – es hat ganz klar Main-Character-Energy.
Vergesst Edward und Willoughby – Elinor und Marianne sind der wahre Catch!
Wer nach dem Anschauen der Darbietung von Daisy Edgar-Jones und Esmé Creed-Miles noch Interesse an den Männern des Films hat, sollte sich den Film gleich noch einmal anschauen. Edgar-Jones’ Elinor und Creed-Miles’ Marianne laufen ihnen definitiv den Rang der Film-Crushes ab. Die beiden Schauspielerinnen bringen die Charaktere glaubhaft, authentisch und natürlich rüber. Ich sag nur: Keira-Knightley-Déjà-vu.
Mit dabei sind außerdem Caitríona Balfe, Fiona Shaw, Stacy Martin und Tom Brooke – ein Ensemble, das diese zeitlose Geschichte mit Wärme und Intensität zum Leben erweckt.

„Fügsamkeit hat noch keiner Frau gedient“
Georgia Oakley inszeniert ein atmosphärisches Historiendrama voller Sehnsucht, gesellschaftlicher Zwänge und großer Emotionen. Dass der Film genauso ein Gefühl wie „Stolz und Vorurteil“ (2005) in den Zuschauer:innen auslöst, kommt nicht von ungefähr: Schließlich wurde der neue Kinofilm „Sinn und Sinnlichkeit“ unter anderem von den Produzent:innen von „Stolz und Vorurteil“ adaptiert.
Der familiäre, schwesterliche Zusammenhalt zwischen Elinor und Marianne sowie Margaret und Mrs Dashwood wird wunderbar herzerwärmend nähergebracht. In Jane Austens Geschichte geht es um vieles (Navigieren auf dem Heiratsmarkt, finanzielle Unsicherheiten, Verlust und Verrat), doch über allem steht die Schwesternliebe zwischen zwei Frauen, die ganz genau wissen, was sie wollen. Denn: „Fügsamkeit hat noch keiner Frau gedient.“








