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„Peinliche Summe“ für „Skyscraper Live“: Alex Honnold packt über Gage aus

„Skyscraper Live“ ist geschafft – jetzt spricht Alex Honnold über Risiko, Familie und eine „peinlich kleine“ Gage für seinen waghalsigen Auftritt am Taipei 101.

Alex Honnold klettert den Tapei 101 hoch.
Angst ist für Alex Honnold kein Thema. Foto: © 2026 Netflix, Inc.

Alex Honnold, der mit seinem Free-Solo-Aufstieg am El Capitan im Oscar-Dokumentarfilm „Free Solo“ weltberühmt wurde, hat für „Skyscraper Live“ die Felswand gegen Stahl und Glas getauscht. In Taiwan kletterte der 40-Jährige den 508 Meter hohen Taipei 101 ohne Sicherung an der Außenfassade empor – mit maßgeschneiderten Kletterschuhen für mehr Grip auf dem Glas, Chalkbag gegen schwitzige Hände und seinem ikonischen roten T-Shirt.

Für Honnold ist das Konzept nicht völlig neu: „Als Kind bin ich ziemlich oft auf Gebäude geklettert“, erzählt er und betont, dass ihn bisher vor allem die Illegalität solcher Aktionen gebremst habe.

Den Taipei 101 bezeichnet er als perfektes Kletterziel: Der leichteste Weg nach oben sei zugleich der spektakulärste. „Du kneifst die äußerste Kante, kletterst über diese ornamentalen Drachenköpfe. Es gibt eine Menge Strukturen, die es wahnsinnig spaßig machen, wie ein Klettergerüst“, sagt Honnold.

Zwar sei die Mischung aus Stahl und Glas „rutschig“, aber anders als an winzigen Felsleisten könne er hier an größeren, komfortablen Griffen ziehen – wenn er nur fest genug zupackt.

Akribische Vorbereitung – trotz Show-Charakter

Auch wenn manche in der Kletterszene die Aktion zunächst als „Stunt“ abtaten, hat Honnold den Aufstieg so penibel vorbereitet, wie man es aus „Free Solo“ kennt.

Da er nicht wie in Yosemite wochenlang nach Belieben anrücken konnte, musste er mit deutlich weniger Trainingszeit auskommen und nutzte jeden erlaubten Zugang intensiv. „Ich bin denselben Prozess durchgegangen wie am Fels. Ich habe geübt, mir Notizen gemacht. Diesmal habe ich die Produktionsfirma gebeten, mir das ganze Filmmaterial zu schicken. Ich habe also jede Menge Fotos und Videos von verschiedenen Sequenzen – das ist sogar einfacher als Notizen“, sagt er.

Insgesamt ist Honnold nach eigenen Angaben zwei- bis dreimal mit Seil an der Fassade unterwegs gewesen, bevor er sie solo in einem Durchgang kletterte. Parallel dazu trainierte er zu Hause an extrem überhängenden Routen, etwa in der Clear Light Cave bei Las Vegas, um die nötige Oberkörperkraft aufzubauen. Für ihn bleibt der Kern der Sache gleich: minutiöse Vorbereitung, bis jeder Griff sitzt – egal, ob es um Granit in Yosemite oder Glas und Stahl in Taiwan geht.

Familie, Risiko und „peinlich kleine“ Gage

Besonders spannend ist Honnolds Blick auf Risiko und Familie. Er lebt inzwischen mit seiner Frau Sanni McCandless Honnold und zwei Töchtern, die beide unter vier Jahre alt sind. Auf die Frage, ob sich dadurch seine innere Rechnung verändert habe, antwortet er: „Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass sich die Rechnung groß verändert hat. Denn ich wollte nie sterben. Deshalb stecke ich so viel Aufwand in die Vorbereitung und das Training.“

Er erkenne zwar an, „dass ich mehr habe, wofür es sich zu leben lohnt“, betont aber, dass er weiterhin alles dafür tue, nicht zu verunglücken.​

Seine Frau sieht den Auftritt vor allem wegen des öffentlichen Spektakels kritisch. „Sie ist wegen der Event-Seite gestresst, wegen des Spektakels. Sie macht sich Sorgen über all die öffentlichen Kommentare. Ich glaube nicht, dass sie sich wegen des eigentlichen Kletterns sorgt“, sagt Honnold.

Über mögliche Folgen sprechen sie kaum konkret, zu sehr belaste das Thema – stattdessen herrscht manchmal schwarzer Humor, etwa darüber, wie lange Sanni im Ernstfall mit einem neuen Partner warten würde.​

Trotz des gewaltigen Risikos hält sich der finanzielle Lohn in Grenzen. Auf die Frage, ob dies sein größter Zahltag sei, sagt Honnold zwar „vielleicht“, nennt den Betrag aber bewusst nicht. Stattdessen spricht er von „einer peinlichen Summe“ und ergänzt: „Wenn man es im Kontext des Mainstream-Sports sieht, ist es eine peinlich kleine Summe. Major-League-Baseballspieler bekommen Verträge über 170 Millionen Dollar – jemand, von dem du noch nie gehört hast und dem niemand Aufmerksamkeit schenkt.“

Branchenberichte beziffern seine Gage für „Skyscraper Live“ auf einen mittleren sechsstelligen Betrag, also deutlich unter der Millionengrenze. Für ihn selbst sei klar: „Ich klettere das Gebäude im Grunde umsonst – bezahlt werde ich für das Spektakel.“

„Die kindliche Freude bewahren“

Trotz Kritik aus Teilen der Szene hofft Honnold, dass Zuschauer:innen in seinem Aufstieg mehr sehen als nur einen kalkulierten TV-Moment. Viele Kletterfans hätten die Aktion zunächst als „dumm“ und „Stunt“ abgetan, erzählt er. Sein eigener Blick ist ein anderer: Er möchte die kindliche Neugier feiern, die viele Menschen beim Anblick eines gewaltigen Bauwerks verspüren.

„Als Kind schaust du dich um und denkst: ‚Es wäre großartig, da hochzuklettern.‘ Als Erwachsener wird dir das ausgetrieben: ‚Warum würdest du das tun? Das ist gefährlich. Hast du eine Versicherung?‘“, sagt Honnold. Er sehe in der Taipei-101-Besteigung die Chance, genau dieses Gefühl wieder aufleben zu lassen: das Staunen vor etwas, das „einfach unglaublich“ aussieht – und der Wille, es trotzdem zu versuchen.