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Nach heftiger Kritik

Boateng-Doku: Anwalt von Kasia Lenhardts Familie findet deutliche Worte – „besonders grausam“

In der ARD-Doku „Being Jérôme Boateng“ hat sich der Ex-Fußballer auch zu Kasia Lenhardt geäußert. Jetzt setzt sich ihre Familie zur Wehr.

Collage: Jérôme Boateng in Großaufnahme, Kasia Lenhardts auf einem Event.
Jérôme Boateng äußerte sich in der Doku erstmals zu Kasia Lenhardts Tod Foto: IMAGO / Future Image/ IMAGO / Eibner

Mitte November veröffentlichte die ARD eine Doku mit dem Titel „Being Jérôme Boateng“. In dem Dreiteiler sollte der Aufstieg und Fall des Ex-Profifußballers beleuchtet werden. Ebenfalls Thema: Seine Beziehung zu Ex-Freundin Kasia Lenhardt. Das Model nahm sich das Leben, nachdem ein „Bild“-Artikel, in dem Boateng heftige Vorwürfe gegen seine frühere Partnerin äußerte, eine enorme Hasswelle gegen sie auslöste. Die Dokumentation wurde von vielen Seiten attackiert und auch TV Movie Online hat den Film kritisch beleuchtet.

Vor allem die Tatsache, dass Jérôme Boateng in der Dokumentation die Möglichkeit bekommt, sich als Opfer darzustellen, aber gleichzeitig wenig mit seinen Fehlern konfrontiert wird, stieß auf Unmut. In einem neuen Interview mit dem „Tagesspiegel“ hat sich nun Markus Hennig, der Kasia Lenhardts Familie juristisch vertritt, zu der Doku geäußert.

Kasia Lenhardts Familie ist „entsetzt von der Doku“

„Ich befinde mich im engen Austausch mit der Familie und spreche hier auch in ihrem Namen. Sie ist entsetzt von der Doku – will das Ganze aber nicht adeln, indem sie selbst das Wort ergreift“, erklärt Hennig. Die Familie sei am 14. Oktober für ein Statement angefragt worden, zu einem Zeitpunkt, zu dem der Film laut des Anwalts „offenkundig bereits weitgehend fertiggestellt“ gewesen sei. Kasias Hinterbliebene hätten erhebliche Zweifel gemacht, ob sie einen „kritischen Beitrag“ überhaupt hätte leisten können und habe „eine Heroisierung von Herrn Boateng“ nicht unterstützen wollen.

Der Anwalt selbst bezeichnet den Dreiteiler als „völlig daneben“ und „Gefälligkeitswerk für Jérôme Boateng“. Kasia Lenhardt dagegen werde instrumentalisiert und ihre Wirklichkeit gar nicht dargestellt. „Dass ausgerechnet der Mann, dessen Interview in der „Bild“ die anschließende Hasswelle überhaupt erst mit ausgelöst hat, noch Krokodilstränen vergießen darf, empfinde ich – gerade mit Blick auf die Familie – nicht nur als völlig inszeniert und geschmacklos, sondern als besonders grausam“, urteilt der Anwalt. Derzeit arbeite man daran, sich mit der ARD direkt auseinanderzusetzen.

Anwalt der Familie kritisiert Boateng

Die „Bild“ hatte vor Kasias Tod ein Interview mit Boateng geführt, in dem er heftige Vorwürfe gegen seine Ex-Freundin äußerte. Die Zeitung löschte das Interview, das der Ex-Kicker in der Doku als „Fehler“ bezeichnete. Eine Aussage, die Markus Hennig dem Sportstar zwar glaubt, aber dennoch stellt er klar: „Dass er das heute finanziell und mit Blick auf eine mögliche Trainerkarriere bereut, kann ich mir gut vorstellen. Aber wirkliche Verantwortungsübernahme erkenne ich darin nicht.“

Immerhin: Die Familie konnte vor Gericht erreichen, dass Boateng nicht mehr behaupten darf, dass Lenhardt Lügen verbreitet habe. Allerdings sei die Wirkungskraft durch das nicht mehr zeitgemäße Rechtssystem begrenzt. Denn: Durch die sozialen Medien und das Internet blieben Informationen auch Jahrzehnte nach dem Tod einer Person auffindbar.

Auch in Bezug auf Kasias Sohn sieht der Anwalt der Familie Gefahren: „Für die Familie bedeutet Aufarbeitung vor allem, weitgehend in Ruhe gelassen zu werden und dennoch ihre Stimme erheben zu können, wenn sie sich falsch dargestellt fühlt. Frau Lenhardt hat einen kleinen Sohn hinterlassen. Heute kann man ein Kind noch schützen – einen Heranwachsenden jedoch nicht. Wenn er später im Internet nach seiner Mutter sucht und dort auf verzerrte Darstellungen oder Spekulationen stößt, wird das für ihn eine große Belastung sein“, so Hennig.

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