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Closing Time?

Netflix am Ende: Dem Streamer bricht das Publikum weg

Der größte Streamer der Welt klagt über ausbleibendes Publikum für seine Streamingshows. Wie kann es sein, dass ausgerechnet Netflix ins Straucheln gerät?

Das Netflix-Logo wird von einem roten Blitz getroffen. Der Himmel ist schwarz.
Endzeitstimmung bei Netflix? Der Streamer hat zurzeit ein großes Problem … Foto: IMAGO / NurPhoto//pngtree

Stellt euch vor, ihr seid der weltgrößte Streamingdienst und eure Strategie ist langfristig aufgegangen. Ihr habt die privaten Fernsehsender in puncto Relevanz überholt und luchst ihnen sogar die Werbung ab. Doch wenn man ganz oben steht, muss man sich irgendwann die Frage stellen, ob man zu groß zum Scheitern ist. Mit ebenjenem Dilemma sieht sich Netflix nun konfrontiert, denn Berichten zufolge hat der Streamer große Schwierigkeiten, das Publikum langfristig für die eigenen Serien zu begeistern. Doch wie kann das sein, wenn die ganze Welt trotzdem über die Serien spricht?

Netflix rätselt noch – alle anderen haben die Antwort

Bloomberg zufolge soll Netflix zwischen dem Erscheinen der ersten und der zweiten Staffel seiner Serien 30 bis 70 Prozent der Zuschauerschaft verlieren. Während die Personen in den Entscheidungsetagen noch darüber nachdenken, womit das zusammenhängen könnte, liegt die Antwort tendenziell auf der Hand.

Um bei einem recht aktuellen Beispiel zu bleiben: Die erste Staffel von „Wednesday“ lief 2022 an und umfasste acht Episoden, die viele in einem Rutsch oder verhältnismäßig schnell konsumierten. So sind viele spätestens nach drei bis vier Tagen mit einer Staffel durch und wollen neue Episoden. Im klassischen TV-System ist das kein Problem, denn dort wird man meistens halbjährlich oder spätestens jährlich mit neuem Stoff versorgt. Bei Netflix bekommt man, wenn man Glück hat, alle zwei Jahre Nachschub der größeren Serien – die Tendenz liegt aber eher bei drei Jahren.

Jetzt stelle man sich vor, dass man sich drei Jahre lang mit einer Sache nicht auseinandergesetzt hat. Natürlich ist das Interesse dann nicht allzu groß. Und selbst wenn das Interesse aufgrund der meist recht aggressiven Marketingkampagnen doch da sein sollte, kommen weitere Probleme hinzu. Erstens werden die zweiten Staffeln mittlerweile gerne in zwei Teile geteilt, die so gelegt werden, dass man doppelt Abogebühren kassieren kann. Das kann Hype generieren, sorgt aber erfahrungsgemäß eher dafür, dass Personen nur zu diesen Intervallen über die jeweilige Serie sprechen. Zweitens existiert selbst nach der Sichtung einer zweiten oder dritten Staffel das Problem, dass das Publikum wieder auf neue Folgen wartet, die wiederum maximal drei Jahre auf sich warten lassen.

Aber wie kann es überhaupt sein, dass die Produktion einer weiteren Staffel derartig viel Zeit beansprucht?

Bitte hintenanstellen: Netflix steht sich selbst im Weg

Milly Bobby Brown steht als Enola Holmes vor Flammen.
Milly Bobby ist nur einer der vielen Stars, die Netflix heranzüchtet. Foto: John Wilson/Netflix ©2026

David Harbour, Millie Bobby Brown oder Jenna Ortega: Netflix-Serien kreieren häufig Stars, an denen nicht nur das Publikum, sondern die gesamte Unterhaltungsindustrie interessiert ist. Das Problem an einer hohen Nachfrage ist, dass die Stars dadurch auch stärker beansprucht werden und ihnen plötzlich die Zeit fehlt, die nächste Staffel einer Netflix-Serie zu drehen. Dieses Phänomen lässt sich aber auch bei anderen Streamern wie HBO Max beobachten, denen der Cast von „Euphoria“ regelrecht auf die Füße gefallen ist.

Gleichzeitig veröffentlicht Netflix jeden Tag neue Inhalte – immer wieder in der Hoffnung, dass der nächste Inhalt der nächste große Wurf sein könnte. Bei einem derart vollen Release-Kalender kommt hinzu, dass sich die Veröffentlichungen möglichst auch nicht mit denen anderer Streamer oder Filmstudios beißen sollen.

Veraltet, aber effizient: Was Netflix vom klassischen Fernsehen lernen kann

Eine letzte große Hürde für Netflix ist das Binge-Watching. Natürlich wollen Personen schnell mehr, wenn sie alles auf einmal bekommen. Konkurrenten wie Disney+, Prime Video und HBO gehen das etwas klassischer – und cleverer – an. Wie im linearen Fernsehen zeigen sie bei neuen Staffeln meist eine neue Folge pro Woche. Serien wie „House of the Dragon“ oder „Rick und Morty“ werden somit zu einem Happening und gleichzeitig sichert man sich so im besten Fall die Abokosten für mindestens zwei Monate.

Außerdem gibt dieser Umstand den jeweiligen Episoden Raum zum Atmen. Online wird dann nicht nur über einzelne Aspekte einer Serie gesprochen, sondern über die Episode als Gesamtwerk. So bleibt man im Gespräch und schlussendlich auch relevant.

Wie eingehend gesagt: Man muss gar nicht lange über das Problem nachdenken, wenn es jede andere Person sehen kann. Aber um es simpel herunterzubrechen: „Stranger Things“ hat es in neun Jahren auf 42 Episoden gebracht – „Lost“ in sechs Jahren hingegen auf 121.

Quellen
Ed Sheeran Game of Thrones - Foto: HBO
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