Come as you arr

Besser als jeder Urlaub – Review zu „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“

Schönste Strände, Sonnenschein, Schiffsfahrten … und Freibeuter? 13 Jahre nach Release kehrt „Assassin’s Creed Black Flag“ mit der Resynced-Fassung zurück – und beweist, dass Piraten weiterhin alles aufwerten.

Edward Kenway hängt an seinem Schiff, der Jackdaw. Hinter ihm sind zwei weitere Schiffe.
Setz die Segel, Eddie: „Assassin's Creed Black Flag Resynced“ nimmt Kurs auf vertraute, aber so viel schönere Gewässer. Foto: Ubisoft

Logbuch des Kapitäns, 08. Juli 2026: Das Büro ist grau, der Himmel stürmt und die Natur wird vom Regen ertränkt. Typisch norddeutsches Wetter fegt an den Fenstern vorbei und lässt mich nur von vergangenen Zeiten träumen. Zeiten, in denen ich als Kapitän der Jackdaw über die Gewässer der Karibik geschippert bin und bei Engländern sowie Spaniern für Furcht und Schrecken gesorgt habe. Doch meine Tage als Freibeuter in der fernen Vergangenheit des Jahres 2013 sind lange vorbei und das Einzige, was bleibt, sind die Erinnerungen … oder?

Diese Frage stellt sich mir immer wieder, wenn ich „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ anschmeiße. Sind das Erinnerungen an vergangene Zeiten oder erlebe ich hier etwas vollkommen Neues, das nur im alten Gewand daherkommt?

„Assassin’s Creed Black Flag Resynced“: Mehr als nur ein Remake?

Eigentlich darf ich niemandem erzählen, wie viele Stunden ich als 12-Jähriger damals auf dem virtuellen Meer als mein Alter Ego Edward Kenway verbracht habe. In den eisig kalten Weihnachtsferien wurde ich damals in die Karibik entführt und war so sehr gebannt, dass ich glücklich sein konnte, dass die Noten für mein Halbjahreszeugnis schon gesetzt waren, denn auch nach Ferienende war kaum an Schule zu denken.

Heutzutage ist das anders: Zumindest in der Hinsicht, dass ich zurzeit kaum noch an Arbeit denken kann. Dafür ist das Erkunden von Nassau, Havanna und Andreas Island immer noch zu suchterregend. Stundenlange Sessions machen aus meiner Couch ein Piratenschiff, das so lange personalisiert werden soll, bis ich endlich zufrieden bin.

Auf der Suche nach der Zufriedenheit entdecke ich Schätze über und unter Wasser, kloppe mich mit Engländern, Spaniern und anderen Piraten auf oder neben dem Wasser und entdecke wunderschöne Landschaften, die so viel weniger pixelig aussehen als 2013 – und das, obwohl meine Augen in den letzten 13 Jahren nicht besser geworden sind.

Und so schön das Gefühl, auf hoher See zu segeln, auch sein mag, wird mein Kopf zugleich mit Erinnerungen geflutet, die mir damals schon negativ aufgestoßen sind.

Wo „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ löchrige Segel hat

2013 war ich sicherlich nicht auf körperlicher Hochform, aber Edward Kenway schon. 2026 fühlt es sich aber so an, als hätte man den Spieß umgedreht – und ich frage mich, ob dem schon immer so war. Der charismatische Freibeuter und mit Abstand beste Assassin’s-Creed-Protagonist steuert sich zwar deutlich besser als in der Originalversion, aber bei Blackbeards Bart: Die Parkour-Einlagen sind weiterhin fummelig und unpräzise. Kenway bricht fehlerhafte Aktionen nun deutlich schneller ab als vor vielen Monden, das bedeutet aber nicht, dass es nicht teilweise mehrere Sekunden dauern kann, bis die Richtung anvisiert wurde, in die ich springen oder klettern will.

Dazu gesellt sich ein Problem, das ich in meinen Zeiten als blutjunger Pirat kaum wahrgenommen habe. Die ersten drei bis fünf Spielstunden wird man wirklich strikt an die Hand genommen, bis man endlich vollkommen frei loslegen darf. Der Gameplay-Loop in diesen ersten Stunden ist zuweilen wirklich repetitiv und teilweise öde, wenn auch verständlich.

Zuletzt sei gesagt, dass ich vergessen hatte, wie spannend und langweilig die hohe See zugleich sein kann. Es gibt eine Schnellreisefunktion, aber Orte, an denen man noch nie zuvor war, muss man erst erreichen, erklimmen und synchronisieren, bevor man schnell dorthin reisen darf. Bis dahin wird man aber gezwungen, minutenlange Strecken mit dem Boot zurückzulegen, die zwar in unbekannten Gefilden zum Erkunden einladen, aber wenn man zunächst vertrautere Gebiete durchqueren muss, um den Zielhafen oder die Zielküste in der Ferne zu erreichen, hat man auch nicht mehr viel zu entdecken. Um dem entgegenzuwirken, wurde die automatische Segelfunktion aus vorherigen Ablegern implementiert, grundsätzlich ändert das aber nichts daran, dass ein alter Seebär wie ich dann auf der Couch sitzt und sich zeitweise in Anstand langweilt.

Edward Kenway: Top 10 Piraten, die man nicht resyncen muss

Edward Kenway ist siegessicher im direkten Schwertkampf. Er wehrt die Klinge ab. Es regnet.
Jack Sparrow wer? Edward Kenway beweist erneut, dass er der coolste Pirat aller Zeiten ist. Foto: Ubisoft

Bis zu „Assassin’s Creed Syndicate“ kannte ich die Namen fast aller Assassinen auswendig, aber kein Ezio, kein Altaïr und keine Frye-Zwillinge haben einen derartigen Eindruck hinterlassen wie Edward Kenway. Seine größte Stärke ist und bleibt, dass ihn die gesamte Geschichte rund um Assassinen und Templer ungefähr so sehr interessiert wie den Spieler oder die Spielerin selbst. Das ist in Resynced nicht anders.

Ihm schließen sich alle altbekannten ikonischen Figuren an, aber vor allem die Neuzugänge rund um den Padre, Lucy und den Deadman, die als dauerhafte Bestandteile die Crew der Jackdaw bereichern. Dafür wurden sich neue spannende sowie spaßige Missionen ausgedacht, die vor allem erneut beweisen, was für eine Strahlkraft Edward besitzt.

Generell wurde die Welt um mehr Nebenmissionen, Endgame-Content sowie Rifts erweitert, die in Parkour-Einlagen „Was wäre, wenn …“-Szenarien eröffnen. Und das Schöne hierbei: Nichts davon fühlt sich nach zu viel an – ein Vorwurf, dem sich vorherige Open-World-Ableger der Reihe beugen mussten.

Die Jackdaw: Segelt noch wie früher – vielleicht sogar etwas besser

Video Platzhalter
Video: Ubisoft

Auch wenn ich die Jackdaw irgendwann gegen ein Fahrrad und später gegen einen dunkelblauen Mercedes C180 eingetauscht habe, ist sie das Einzige, was mir nach all den Jahren bleibt. Das Fahrrad wurde mir von anderen Freibeutern gestohlen und der Mercedes ist mir weggerostet. Die Jackdaw hingegen ist über die Jahre ein noch schöneres Schiff geworden – ein Kompliment, das man wahrscheinlich auf das gesamte Spiel beziehen kann.

Edward Kenways Kutter steuerte sich zwar 2013 schon geschmeidig, aber Wenden, Manövrieren, Mörsern, Feuern, Ankern und Schießen fühlten sich selten besser an. Die Seeschlachten sind weiterhin unvorhersehbar, taktisch und intensiv – im Gegensatz zu den Nahkämpfen an Land und auf Schiffen.

Gemeinsam mit der Jackdaw entdeckt man eine wundervolle Welt, die so viel besser aussieht als noch 2013. Das Blau des Meeres weckt Urlaubsgefühle und man kommt an keinem Strand und keiner Küste vorbei, an der man sich nicht gerne für ein paar Minuten hinlegen würde. Auch die Städte und Dschungel protzen nun mit mehr Farbe als in Edward Kenways Einstand.

„Assassin’s Creed Black Flag Resynced“: Sollte man den Säbel wieder auspacken?

Edward Kenway sitzt auf einem Dach und blickt über das sonnige Havanna.
Ah, hier habe ich mein halbes Herz verloren. Havanna ist nur einer der traumhaft schönen Ziele in „Assassin's Creed Black Flag Resynced“. Foto: Ubisoft

Niemals in meinem Leben hätte ich gedacht, dass ich noch einmal das Gefühl erleben dürfte, ein Pirat in der Karibik zu sein. Selbstverständlich war ich skeptisch, als ich den Säbel wieder ausgegraben und zum ersten Mal die Segel gesetzt habe, doch nach einigen Startschwierigkeiten habe ich verstanden, warum ich als 12-Jähriger so viel Zeit mit Edward Kenway und seiner Crew verbracht habe. Denn wie das Original ist „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ Eskapismus vom Feinsten.

Falls andere ehemalige Freibeuter, Piratinnen oder Brandschatzende nun Angst haben sollten, viel Geld in ein Remake zu investieren, das vielleicht gar nicht mehr bietet, kann ich nur sagen: Traut euch. Es gab ganz andere Remake-Schiffe, die mit großen Versprechen in den Hafen geschippert sind und nichts zu bieten hatten. Mit diesen Remake-Schiffen hat Resynced nichts am Hut.

Ja, die Altlasten von damals sind dieselben Altlasten, aber neue Stärken bügeln den Bug schon aus. Als in die Jahre gekommener Pirat neige ich des Häufigeren zum altersbedingten Zynismus, aber im Falle von „Assassin’s Creed Black Flag Resynced“ muss ich sagen, dass es eine schöne Überraschung war, einfach mal wieder Spaß haben zu können.

Apropos Spaß: Diesen werde ich nun fortführen und diesen umfangreichen Logbucheintrag zu einem Ende kommen lassen. Ich wünsche allen Freibeutenden und Seeverbrechenden viel Spaß beim ersten oder zweiten Mal auf der Jackdaw. Eintrag Ende.

Und Ubisoft: Bitte gebt mir nun mein heiß ersehntes „Assassin's Creed Rouge“-Remake.

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