LifeSaveAir nach „Die Höhle der Löwen“: Das wurde aus dem Erste-Hilfe-Gerät für Erstickungen
Ein unvorsichtiger Moment kann sowohl für Kinder als auch für Erwachsene lebensgefährlich werden. LiveSaveAir soll nun dabei helfen, blockierte Atemwege zu befreien.

Für Nabil Chehade begann die Geschichte von LifeSaveAir mit einem Moment, den er nach eigener Aussage nie vergessen wird. Sein damals elfjähriger Sohn Jonas verschluckte sich an einer Erdbeere und bekam plötzlich keine Luft mehr.
Während Chehade nach eigener Schilderung zunächst wie erstarrt war, reagierte seine Frau und half ihrem Sohn mit Rückenschlägen. „Diesen Moment, diesen Blick voller Panik, den werde ich mein Leben lang nicht vergessen“, erzählte der Gründer bei „Die Höhle der Löwen“.
Aus der Erfahrung entstand schließlich eine Geschäftsidee. Gemeinsam mit seinen Cousins Aiman Chehade und Jusef Chehade entwickelte Nabil LifeSaveAir – ein manuelles Medizinprodukt, das bei einer Blockade der Atemwege durch feste Fremdkörper ergänzend zur klassischen Ersten Hilfe eingesetzt werden kann.
LifeSaveAir bei „Die Höhle der Löwen“: Jonas sorgt für emotionalen Moment
Mehr als viereinhalb Jahre arbeiteten die drei Dortmunder an Entwicklung und Zulassung. Bei „Die Höhle der Löwen“ wollten sie schließlich 100.000 Euro für zehn Prozent ihrer Firmenanteile und bewerteten ihr Unternehmen damit mit einer Million Euro.
Besonders emotional wurde der Pitch, als auch Jonas vor die Löwen trat. Mittlerweile 17 Jahre alt, erinnerte er sich selbst an den Vorfall: „Ja, das war schon traumatisch. Ich wusste nicht, was ich machen soll und zum Glück hat meine Mutter schnell reagiert.“
Auch Ralf Dümmel konnte die Geschichte nachvollziehen. Er berichtete, dass sich sein eigener Sohn einst an einem Schokobonbon verschluckt habe und er selbst eingreifen musste.
Bei den wirtschaftlichen Zahlen wurden die Löwen allerdings deutlich kritischer.
Frank Thelen findet die LifeSaveAir-Zahlen „schlecht“
Der damalige Verkaufspreis von LifeSaveAir lag bei einer unverbindlichen Preisempfehlung von 79 Euro, während die Herstellung nach Angaben der Gründer etwa 15 Euro pro Gerät kostete.
Eine halbe Million Euro hatten sie zu diesem Zeitpunkt bereits selbst in das Unternehmen investiert. In den sieben Monaten vor dem Pitch waren nach ihren Angaben rund 600 Geräte verkauft und etwa 40.000 Euro Umsatz erzielt worden.
Für Frank Thelen war das angesichts des bereits investierten Kapitals zu wenig. Sein knappes Urteil: „Das ist schlecht.“
Er stieg aus. Auch Carsten Maschmeyer war noch nicht überzeugt. Mehr Umsatz oder ein vollständiger beruflicher Fokus der Gründer auf LifeSaveAir hätten seine Einschätzung nach eigener Aussage möglicherweise verändert. Unter den damaligen Voraussetzungen wollte aber auch er nicht investieren.
Janna Ensthaler zweifelte vor allem daran, dass genügend Menschen fast 80 Euro für ein Produkt ausgeben würden, das sie im besten Fall niemals benötigen.
Auch Dagmar Wöhrl verabschiedete sich und stellte unter anderem infrage, wie dringend die Gründer überhaupt Unterstützung durch einen Löwen benötigten.
Ralf Dümmel sah dagegen Potenzial. Ihm war zwar ebenfalls der Verkaufspreis zu hoch, grundsätzlich glaubte er aber an das Produkt und dessen Chancen im Handel.
Die ursprüngliche Unternehmensbewertung von einer Million Euro wollte er allerdings nicht mitgehen. Die Gründer berieten sich und boten ihm schließlich 20 Prozent der Firmenanteile an.
Dümmel hatte eher an 25 Prozent gedacht – und damit trafen sich beide Seiten schließlich. Für 100.000 Euro erhielt Ralf Dümmel 25 Prozent an LifeSaveAir.
Was wurde nach „Die Höhle der Löwen“ aus LifeSaveAir?
LifeSaveAir weiterhin erhältlich. Im eigenen Onlineshop wird das Set aktuell verkauft und ist laut Hersteller sofort lieferbar.
Enthalten sind das manuelle Gerät sowie drei Einwegmasken in unterschiedlichen Größen. Nach Herstellerangaben eignet es sich für Personen ab einem Körpergewicht von zehn Kilogramm und benötigt weder Strom noch Batterien.
Zum Zeitpunkt unserer Recherche wirbt die Startseite mit einem Preis von 69 Euro statt regulär 79 Euro inklusive Versand innerhalb Deutschlands und Österreichs. Außerdem gibt es Pakete mit mehreren Geräten und eine Variante im Kunststoffkoffer mit Wandhalterung, die sich unter anderem an Betriebe, Kitas oder Praxen richtet.
Auch außerhalb des eigenen Shops ist LifeSaveAir inzwischen erhältlich. Das Gerät kann unter anderem über Amazon, aber auch über Apotheken und medizinische Fachhändler bezogen werden.
LifeSaveAir ersetzt klassische Erste Hilfe nicht
Wichtig ist dabei: LifeSaveAir soll die bekannten Erste-Hilfe-Maßnahmen nicht ersetzen. Auch der Hersteller bezeichnet das Gerät ausdrücklich als ergänzende Möglichkeit bei einer Blockade der Atemwege.
Bei einem akuten Erstickungsnotfall soll weiterhin zunächst der Notruf verständigt und nach den geltenden Erste-Hilfe-Empfehlungen gehandelt werden. LifeSaveAir ist für Situationen gedacht, in denen diese Maßnahmen nicht erfolgreich waren oder nicht angewendet werden können.
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