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Von den Sünden reingewaschen …

Kein „Tatort“ heute: Darf es noch grauer sein? Kritik zum „Polizeiruf: Ablass“ aus München

Der „Tatort“ setzt erneut aus und schickt dafür den „Polizeiruf“ vor. Der Fall „Ablass“ ist grundsolide – doch es gibt einen Haken …

Kommissar Dennis Eden (Stephan Zinner) und Kommissarin Cris Blohm (Johanna Wokalek) an einem neuen Unfallort.
Foto: BR/die film gmbh/Susanne Bernhard

Zurzeit ist es nichts Neues, dass der „Tatort“ die ein oder andere Woche gegen den „Polizeiruf“ eingetauscht wird. Diese Woche muss das noch recht frische Team aus München herhalten, welches in seinem neuesten Fall „Ablass“ weniger in einem Mordfall und mehr in moralischen Fragen ermittelt. Wir verraten dir in unserer Kritik, warum das unfassbar spannend ist.

„Ablass“: Wovon handelt der Münchener „Polizeiruf“?

Ein Radfahrer wird von einer unbekannten Person in einer gestohlenen Nobelkarosse überfahren und sterbend zurückgelassen. Ermittlerin Blohm (Johanna Wokalek) und Ermittler Eden (Stephan Zinner) echauffieren sich, als ihnen der Fall zugeschoben wird – doch es dauert nicht lange, bis Blohm Blut geleckt hat. Schnell scheint der Täter in dem mehrfach vorbestraften Familienvater Victor Reisinger (Shenja Lacher) gefunden zu sein, aber Blohm traut dem Braten nicht ganz, denn ein Blitzerfoto deutet darauf hin, dass jemand anderes das Auto gefahren sein muss. Prompt landet die Kommissarin in einer Welt der Reichen und muss sich mit korrupten Anwälten sowie verblendeten Oberschichtlern auseinandersetzen.

Fängt schlecht an, wird aber schnell besser: Man sollte „Ablass“ nicht auf den ersten Blick vorverurteilen

„Ablass“ fängt an wie jeder x-beliebige „Tatort“ und/oder „Polizeiruf“. Irgendein Mord, in diesem Fall sogar einer, der erschreckende Ähnlichkeit zum letzten „Tatort“ aus Ludwigshafen hat, und ein unbekannter Täter. In der ersten Viertelstunde geht es regelrecht schleppend voran, aber sobald sich die Frage stellt, ob Reiche die Ärmeren ausnutzen, um ihre Straftaten auszusitzen, macht „Ablass“ ein moralisches Fass auf, von dem man die Augen nicht lassen kann.

Selbstverständlich wirkt dieser Konflikt zwischen Reich und Arm reichlich plump – und wie etwas, was der „Tatort“ bereits vor 16 Jahren besser gemacht hat – aber mir ist plumpe Sozialkritik lieber als ein uninspirierter Fall aus der Retorte. Und dass der „Polizeiruf“ gerne dorthin geht, wo es unangenehm ist, hat bereits „Your Body, My Choice“ in der letzten Woche bewiesen – dementsprechend ist mir die Überhöhung lieber, als mir dasselbe wie immer anzusehen.

Grau, grau, grau: Kann bitte mal jemand den Farbregler hochdrehen?

Irgendjemand in der Technikabteilung hat ein paar Mal zu häufig „Matrix“ gesehen, denn „Ablass“ versinkt in grünstichigen Bildern, bei denen man das Gefühl bekommt, dass jede Minute Morpheus um die Ecke kommen könnte. Die Bilder sind absolut entsättigt und lassen den optisch sonst sehr kompetent inszenierten Fall doch eher schlechter aussehen. Man versinkt in einem grauen Meer, von dem man jederzeit die Augen abwenden will. Vielleicht möchte man sich so von anderen ARD-Kriminal-Kamellen abheben, aber selbst unter diesem Vorwand funktioniert das Unterfangen nicht – denn in grauen Bildern stolpern schon Tobler und Berg aus dem Schwarzwälder „Tatort“ herum.

Besser als sonst: Solide Darstellerleistungen im Münchener „Polizeiruf“

Schauspielerleistungen im „Polizeiruf“ sind immer so eine Sache. Während das Team aus Rostock stets ins Klo greift, wartet München tatsächlich mit kompetenten Darstellern und Darstellerinnen auf. Insbesondere Ermittlerin Blohm genießt man mit einem Wermutstropfen, denn unter Anbetracht, wie sehr Johanna Wokalek in der Rolle aufgeht, ärgert man sich, dass man sie nicht häufiger zu Gesicht bekommt.

Auch die Nebenrollen sind überwiegend gut besetzt. Tobias Moretti spielt einen sehr klischeebehafteten korrupten Anwalt, aber er macht das mit einer derartigen Süffisanz, dass man gar nicht anders kann, als ihm voller Freude zuzusehen. Shenja Lacher ist als emotional zerrissener Familienvater zwar weniger charismatisch, aber dafür eine sehr nahbare Figur, für die man sich nur schwer schlecht fühlen kann. Leider kommt gerade seine Rolle etwas zu kurz.

Wer ebenfalls vollends außen vor gelassen wird, ist Ermittler Eden, der nie mehr als Stichwortgeber für Blohm sein darf. Hier kann man sich definitiv noch etwas vom Saarbrücker „Tatort“ abschauen, der deutlich besser darin ist, seinen vier Protagonisten genügend Raum zu geben.

Kein Grund zum „Ablass“: Der „Polizeiruf“ hat sich von allen Sünden reingewaschen

Erneut beweist man, dass der „Polizeiruf“ deutlich frischere und bessere Ideen als der „Tatort“ hat. Als perfektes Beispiel dafür kann „Ablass“ herhalten, der seine Geschichte erfrischend anders erzählt – aber zuweilen etwas unspektakulär bleibt.

Die einzige Frage, die sich stellt, ist, warum München sowohl einen „Tatort“ als auch einen „Polizeiruf“ braucht. In diesem Fall wird die Stadt zwar als Schablone für die korrupte Oberschicht verwendet, aber solche Geschichten könnte man auch auf Sylt oder in Essen sowie in Nürnberg erzählen. Aber wenn einer meiner wenigen Kritikpunkte tatsächlich so aussieht, dann kann man sich über den dieswöchigen „Polizeiruf“ nicht beschweren.

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