Lisa-Marie Koroll: „Heutzutage ist es leider wieder politisch, überhaupt eine Frau zu sein“
Steht der nächste Hit von Prime Video bevor? Mit „Drive – The Pretenders“ startet beim Streamingdienst die erste deutsche Wattpad-Adaption. Wir haben mit Hauptdarstellerin Lisa-Marie Koroll über das Projekt gesprochen.

Buchverfilmungen erleben bei den Streaminganbietern gerade einen regelrechten Hype und Prime Video ist ganz vorne mit dabei. Nach „Maxton Hall, dass schon bald in die finale dritte Staffel geht, und der „Culpa“-Reihe kommt am 28. Oktober mit „Drive – The Pretenders“ die deutsche Adaption des Wattpad-Romans von Tamara Lush. Und der Streifen hat auf jeden Fall alle Zutaten, um ein Erfolg zu werden: eine Enemies-to-Lovers-Story, frische Hauptdarsteller:innen und jede Menge Action.
„Drive – The Pretenders“-Star Lisa-Marie Koroll im Interview
Im Mittelpunkt steht die ehrgeizige Rennwagen-Mechanikerin Sarah Jenkins (Lisa-Marie Koroll), die davon träumt, selbst als Rennfahrerin durchzustarten. Als sie auf den erfolgreichen, aber skandalumwitterten Rennfahrer Dante Annunziata (Amin Baahmed) trifft, bietet sich ihr eine ungewöhnliche Chance: Sie soll seine Verlobte spielen, um sein angeschlagenes Image aufzupolieren. Im Gegenzug erhofft sich Sarah Unterstützung für ihre eigene Karriere im Motorsport. Doch aus der zunächst rein geschäftlichen Vereinbarung entwickeln sich echte Gefühle. Während die beiden versuchen, ihre vorgetäuschte Beziehung aufrechtzuerhalten, droht die Wahrheit nicht nur ihre Liebe, sondern auch ihre berufliche Zukunft zu gefährden.
Wir haben mit Hauptdarstellerin Lisa-Marie Koroll über ihre Vorbereitungen auf die Rolle und Herausforderungen als Frau in der Schauspielbranche gesprochen.
TV Movie: Hinter Buchverfilmungen, wie diese eine ist, steckt ja auch immer eine große Fanbase. Was löst das bei dir aus? Freust du dich oder hast du auch Angst, dass es den Wünschen der Fans nicht gerecht wird?
Lisa-Marie Koroll: Ich glaube, das ist ein Drahtseilakt, weil wir alle eine eigene Vorstellung haben – alleine schon davon, wie Charaktere aussehen und sind. Man hat zum Beispiel eine Beschreibung in einem Buch, und trotzdem kann sich das je nach Leser oder Leserin unterscheiden. Entsprechend sind Fans begeistert oder enttäuscht von der Umsetzung. Gleichzeitig ist das ja gerade das Spannende bei Buchverfilmungen, die Leser:innen kennen und lieben die Figuren Und sie wollen natürlich auch, dass eine Geschichte verfilmt wird, weil sie so nochmal anders zum Leben erweckt wird.
TV Movie: Auch in Bezug auf die Autorin wahrscheinlich. Hast du mit ihr vor der Verfilmung mal gesprochen?
Lisa-Marie Koroll: Nein, ich habe mich tatsächlich auch dagegen ausgesprochen, das Buch im Vorfeld zu lesen, da der Film ja nur davon inspiriert ist. Es ist keine Eins-zu-eins-Adaption. Ich glaube, ich hätte nicht so frei an Sarah herangehen können, wenn ich gewusst hätte, was eventuell von mir erwartet wird. Für mich war es wichtig unvoreingenommen und offen gemeinsam mit dem Regisseur an der Sarah arbeiten, die für unseren Film passt.

TV Movie: Wurdest du denn aktiv angeschrieben und gefragt, ob du diese Rolle haben willst, oder musstest du einen längeren Castingprozess durchlaufen?
Lisa-Marie Koroll: Es gab einen Castingprozess. Ich finde, bei Buchverfilmungen macht es Sinn zu casten, weil es einfach unfassbar viele talentierte Schauspieler:innen gibt. Und warum sollte man diesen Prozess künstlich verkürzen?
TV Movie: Prime Video hat eine unfassbare Reichweite, bestes Beispiel: „Maxton Hall“. Bist du dir dieser Dimension bewusst, dass dieser Film weltweit zu sehen sein wird?
Lisa-Marie Koroll: Für mich persönlich ist es immer noch etwas surreal , wenn ich mir vorstelle, dass der Film weltweit geschaut wird. Das ist ja auch das Schöne am Streaming: Projekte finden nicht mehr nur national ihr Publikum. Es ist toll, dass deutsche Geschichten auch international geschaut werden und einen Platz finden. Entsprechend freue ich mich einfach und bin total gespannt, was mich für Nachrichten erreichen werden. Mir schreiben schon jetzt Menschen aus der ganzen Welt, die sich auf den Film freuen. Das ist schon verrückt. Wenn ich jetzt mein siebenjähriges Ich fragen würde, das damals angefangen hat zu drehen, ob ich mir das hätte vorstellen können, wäre die Antwort wahrscheinlich nein.
Lisa-Marie Koroll sieht vermehrt Schubladendenken
TV Movie: Du hast bereits in anderen Interviews dafür geworben, dass du bei deiner Rolle Sarah nicht explizit herausstellen willst, dass sie eine Frau in einer Männerbranche ist, sondern dass sie einfach gut in ihrem Job ist, unabhängig vom Geschlecht. Lässt sich das auch auf die Schauspielbranche übertragen?
Lisa-Marie Koroll: Teils, teils. Ich sehe schon eine Entwicklung. Das beste Beispiel ist Sandra Hüller, die tollen Geschichten mit ihren Figuren erzählt, ohne dass jedes Mal im Vordergrund steht, dass sie eine Frau ist. Gleichzeitig eröffnet jede weibliche Geschichte einen Einblick in eine eigene Lebens- und Gefühlswelt. Heutzutage ist es leider wieder politisch, überhaupt eine Frau zu sein. Es gibt nach wie vor zu wenig Geschichten, mit starken weiblichen Hauptrollen und in denen dem Zuschauer oder der Zuschauerin dann auch “zugemutet" wird, dass eine Frau den Film oder die Serie komplett durchtragen kann.
Das habe ich auch schon in meiner Schauspielkarriere erlebt: Dann wird gesagt: Wir brauchen noch ein Love Interest. Und man fragt sich: ‚Warum brauche ich das jetzt noch? Die Geschichte erzählt sich auch so‘. Glücklicherweise gibt es mittlerweile in vielen Fällen zumindest eine Diskussion darüber. Das gab es früher nicht. Auf der anderen Seite habe ich manchmal das Gefühl, dass das Schubladendenken gerade in Zeiten, in denen die Weltlage zunehmend schwieriger wird, wieder stärker in den Vordergrund rückt.
TV Movie: Würdest du sagen „Drive – The Pretenders“ ist eine abgeschlossene Geschichte oder glaubst du, da kann noch etwas danach kommen?
Lisa-Marie Koroll: Ich glaube natürlich, dass es bei den meisten Geschichten eine Möglichkeit gibt, sie weiterzuerzählen. Am Ende denke ich aber, dass dieser Film jetzt erst mal die Leute begeistern und das Publikum finden sollte. Ich bin total gespannt, wie die Geschichte ankommen wird.






