Unheimliche Zeitreise

„In die Sonne schauen“: Filmkritik, Bewertung und Kino-Start des deutschen Oscar-Beitrags

Deutschlands Oscar-Beitrag startet am 28. August im Kino. Unsere Filmkritik zu „In die Sonne schauen“ verrät, warum das Drama trotz Arthouse-Anspruch mitten ins Herz trifft.

In die Sonne schauen: Frieda, gespielt von Liane Düsterhöft, und Alma, gespielt von Hanna Heckt, sitzen im Wohnzimmer und pulen Pflaumen.
Frieda (Liane Düsterhöft) und Alma (Hanna Heckt) sitzen im Wohnzimmer und pulen Pflaumen. Foto: ZDF/Fabian Gamper, Studio Zentral.

Deutschlands offizieller Beitrag für den Oscar für den besten internationalen Film startet am 28. August. Unsere Rezension zeigt, warum „In die Sonne schauen“ mehr ist als klassisches Arthouse-Kino und wie der Film in Cannes bereits Kritikerinnen und Kritiker überzeugte.

„In die Sonne schauen“ als deutscher Oscar-Beitrag 2026

Wenn ein deutscher Film ins Rennen um den Oscar geschickt wird, ist die Aufmerksamkeit groß. Mit „In die Sonne schauen“ hat sich die Jury von German Films in diesem Jahr für ein Werk entschieden, das Mut beweist und schon bei seiner Premiere in Cannes für Furore sorgte. Mascha Schilinskis Drama eröffnete die 78. Internationalen Filmfestspiele und wurde dort mit dem Preis der Jury ausgezeichnet – ein deutliches Signal, dass die Regisseurin mit ihrer kompromisslosen Handschrift international wahrgenommen wird.

Handlung und Themen von „In die Sonne schauen“

Das Drama erzählt die Geschichte von vier Frauen derselben Familie, die über fast hundert Jahre hinweg auf einem alten Bauernhof in der Altmark leben. Jede von ihnen kämpft mit eigenen Träumen, Ängsten und Geheimnissen. Mal geht es um Liebe, die nicht gelebt werden darf, mal um Schicksalsschläge, die alles verändern, und immer wieder um das große Thema: Wie sehr bestimmen Vergangenheit und Familie unser Leben?

Regisseurin Mascha Schilinski zeigt das nicht als klassische Unterhaltung, sondern als intensives Kinoerlebnis. Sie erzählt die Geschichte nicht streng chronologisch, sondern wie in einem Erinnerungsstrom. Über vier Generationen hinweg begleitet das Publikum Frauen, die mit häuslicher Gewalt, vererbten Traumata und unerfüllten Sehnsüchten konfrontiert sind. Daraus entsteht ein filmisches Puzzle, das Zeit und Raum verschwimmen lässt und trotzdem ganz nah bei seinen Figuren bleibt.

Arthouse-Kino mit Emotionen für ein breiteres Publikum

Viele Kinogänger:innen verbinden Oscar-Beiträge automatisch mit schwer zugänglichem Arthouse-Kino. Tatsächlich ist „In die Sonne schauen“ formal anspruchsvoll: Die Kamera arbeitet im 4:3-Format, das Sounddesign macht Naturgeräusche und Stille zur eigenen Erzählebene, die Montage springt mutig zwischen Epochen und Emotionen. Doch gleichzeitig gelingt es Schilinski, die Zuschauer:innen mitten ins Geschehen hineinzuziehen. Die Gefühle, die in den Gesichtern der Darstellerinnen aufblitzen – Verzweiflung, Hoffnung, Liebe, Wut – sind so unmittelbar, dass man sich ihnen kaum entziehen kann.

Darstellerinnen, Cast und visuelle Kraft

(1/4)
In die Sonne schauen: Angelika, gespielt von Lena Urzendowsky, sitzt auf einem Stuhl in der Küche.
Angelika (Lena Urzendowsky) sitzt auf einem Stuhl in der Küche. Foto: ZDF/Fabian Gamper/Studio Zentral.
In die Sonne schauen: Irm, gespielt von Claudia Geisler-Bading, schaut auf ein Blatt Papier und hält sich ein Auge zu.
Irm (Claudia Geisler-Bading) schaut auf ein Blatt Papier und hält sich ein Auge zu. Foto: ZDF/Fabian Gamper/Studio Zentral.
In die Sonne schauen: Angelika, gespielt von Lena Urzendowsky, betrachtet sich mit leicht hochgezogenen T-Shirt vor dem Spiegel.
Angelika (Lena Urzendowsky) betrachtet sich mit leicht hochgezogenen T-Shirt vor dem Spiegel. Foto: ZDF/Fabian Gamper/Studio Zentral.
„In die Sonne schauen:“ In der Mitte einer Gruppe schwarz gekleideter Trauergäste steht ein blondes Mädchen mit Zöpfen (Hanna Heckt) und schaut in die Kamera.
Alma (Hanna Heckt) nimmt mit ihrer Familie an einer Totenfeier teil. Foto: ZDF/Fabian Gamper/Studio Zentral.

Getragen wird das Drama von einem starken Ensemble. Hanna Heckt, Lea Drinda, Lena Urzendowsky und Laeni Geiseler verkörpern die verschiedenen Generationen der Familie mit einer Intensität, die lange nachhallt. Auch Luise Heyer und Susanne Wuest fügen dem Film zusätzliche Nuancen hinzu und verstärken die emotionale Dichte. In Kombination mit der präzisen Inszenierung entsteht eine Erfahrung, die nicht nur analytisch beeindruckt, sondern vor allem tief bewegt.

Filmkritik und Bewertung: Unser Fazit zu „In die Sonne schauen“

Gerade darin liegt die besondere Stärke des Films: Er ist ohne Frage ein Werk des Arthouse-Kinos, doch er bleibt nicht elitär. Wer sich auf den Fluss der Bilder und Klänge einlässt, erlebt eine Geschichte, die weit über ihre kunstvolle Form hinaus wirkt. Die Themen von Gewalt, Erinnerung und familiärer Bindung sind universell und lassen „In die Sonne schauen“ weit mehr sein als ein Festival-Film für Expert:innen.

Als deutscher Oscar-Beitrag 2026 hat Schilinskis Werk damit alle Voraussetzungen, um international Aufmerksamkeit zu erregen. Schon der Jury-Preis in Cannes zeigt, dass die künstlerische Handschrift geschätzt wird und die emotionale Direktheit könnte auch über Fachjurys hinaus wirken.

Unsere Bewertung: 4 von 5 Sternen. „In die Sonne schauen“ ist kein leichter Film, aber ein eindrucksvolles Erlebnis, das im Gedächtnis bleibt. Ein Drama, das zeigt, dass Arthouse-Kino nicht abgehoben sein muss, sondern mitten ins Herz treffen kann und damit ein würdiger Kandidat für den größten Filmpreis der Welt.

Quellen

  • German Films

  • Festival de Cannes

  • Filmdienst

  • Kino-Zeit

Zu den Kinohits im Juni gehören Supergirl, Masters of the Universe, The Furious, Scary Movie 6 und Disclosure Day. - Foto: TVM-Montage (Universal, Sony, Paramount, Warner Bros., Capelight Pictures)
Filme
Die 5 wichtigsten Kinofilme im Juni – und zwei Geheimtipps, die unterm Rader fliegen

Viel Fantasy, die Rückkehr einer Kult-Comedy und der vielleicht beste Actionfilm der letzten 20 Jahre. Die Kinofilme im Juni haben so einiges zu bieten – inklusive zweier Geheimtipps.

Aleks Petrovic und Chase DeMoor vorm Fame Fighting - Foto: IMAGO / Oliver Langel
News
Fame Fighting: Aleks Petrovic – Versöhnung mit Chase DeMoor

Schon vor dem Fame Fighting-Kampf gingen Aleks Petrovic und Chase DeMoor aufeinander los. Im Ring schenkten sie sich nichts. Doch nach dem Kampf kam die Versöhnung...

Gandalf der Weiße raucht eine Pfeife. - Foto: IMAGO / United Archives
Streamt, ihr Narren
Ist denn schon Weihnachten? Netflix hat ab sofort „Herr der Ringe“ im Katalog

Jetzt ist aber Gondor offen: Auf Netflix kann man ab heute „Herr der Ringe“ schauen – und als wäre das nicht genug, hat der Streamer noch eine Überraschung in petto.

Hauptkampf im Fame Fighting: Aleks Petrovic (35) und Chase DeMoor (29) - Foto: IMAGO / Oliver Langel
News
Fame Fighting: Alle Gewinner & Ergebnisse der Boxnacht!

Beim Fame Fighting 2026 traten 18 Promis im Ring gegeneinander an. Wer war dabei, wer hat gewonnen – hier alles im Überblick!

Das Artwork zu BioEden - Foto: Broken Arms Games
Games
BioEden angespielt: Dieses Cozy-Game will kurz mal die Erde retten

Ausgestorbene Tiere zurückbringen, zerstörte Ökosysteme heilen und dabei völlig ohne Stress spielen? Genau das versucht „BioEden“. Wir konnten das neue Management-Spiel bereits ausprobieren und waren durchaus angetan.

David Raum geht lässig mit einer Sporttasche einen Gang entlang. - Foto: IMAGO / kolbert-press
Fußball WM 2026
Alles über David Raum: Frau, Tattoos und Gehalt des RB-Leipzig-Spielers

Er verteidigt das Feld auf der linken Seite, doch was zeichnet Nationalspieler David Raum sonst aus? Alle Infos zu Freundin, Größe, Instagram, Tattoos und Vermögen des RB Leipzig-Spielers gibt's hier.