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Evolution vs. Kreation: Sind Minions Klone oder unsterbliche Wesen?

Unsterblich, unzerstörbar, gelb – die Geschichte der Minions ist deutlich komplexer, als man zunächst denken würde. Für welchen Kanon entscheidest du dich?

Drei Minions feiern im Vordergrund.
Der Minions-Ursprung ist ein Mysterium. Foto: TMDB

Die Minions sind vieles: lustig, nervig, laut, gutherzig - aber als kompliziert würde wohl kaum jemand diese lebenden TicTacs in Latzhosen bezeichnen. Doch ein genauerer Blick auf die Entstehungsgeschichten(!) der beliebten, gelben Handlanger zeigt, dass zwei sehr verschiedene Versionen des Minion-Kanons existieren.

In den ersten beiden „Ich – Einfach unverbesserlich"-Filmen war die Sache für die Drehbuchautoren Cinco Paul und Ken Daurio eindeutig: Die Minions wurden von Dr. Nefario, Grus Cheferfinder und engem Vertrauten, im Labor erschaffen. Eine eigens entwickelte Kreatur – loyal, niedlich, und ausschließlich für Gru bestimmt. „Sie waren ihm gegenüber hingegeben. Man sieht sie nirgendwo sonst auf der Welt außer in Grus Versteck", erklärt Paul. „Für uns war das eindeutig das, was passiert war. Es gab darüber nie eine Diskussion."

Explizit ausgesprochen wird diese Herkunft in den Filmen zwar nicht, doch ein Detail macht sie deutlich: Im Kinderzimmer von Grus drei Töchtern ist ein Minion als technische Blaupause abgebildet, aufgeteilt in einzelne Teile und Maße. „Sie sind alle biologisch aus demselben mutierten DNA-Strang gezüchtet. Sie sind alle eine Familie. Es ist eine Form des Klonens. Sie werden in einer Petrischale gezüchtet", so Paul.

Auf eine explizite Darstellung des Herstellungsprozesses verzichtete das Team bewusst: „Es könnte zu verstörend sein. Man will nicht sehen, wie die Wurst gemacht wird – oder wie die Minions gemacht werden."

Unsterblich und unzerstörbar

Diese Laborherkunft hatte auch inhaltliche Konsequenzen. Sie rechtfertigte nicht nur Grus Rolle als klassischer Schurke mit selbst erschaffener Armee – Paul vergleicht ihn mit Saruman aus „Der Herr der Ringe", der sich sein Ork-Heer selbst erschafft – sondern auch die scheinbare Unverwundbarkeit der kleinen Wesen: „Kann ein Minion getötet werden, und kann irgendetwas ihn töten? Die Antwort ist nein. Sie leben in einer Looney-Tunes-Welt. Sie sind unbesiegbar. Sie können nicht sterben."

Fast älter als die Zeit selbst

Als 2012 – zwischen dem ersten und zweiten „Ich – Einfach unverbesserlich"-Film – das Minions-Spin-off grünes Licht erhielt, brachte Ko-Regisseur und Minions-Mitschöpfer Pierre Coffin eine andere Ursprungsgeschichte ins Spiel: Die Minions sollen demnach seit Anbeginn der Zeit existiert haben und sich stets dem bösartigsten Anführer angedient haben – von den Dinosauriern über ägyptische Pharaonen bis hin zu Dracula.

Paul erinnert sich an seine erste Reaktion: „Meine erste Reaktion war: Moment, was? Die Minions wurden in einem Labor von Dr. Nefario erschaffen, wie kann das sein?" Letztlich akzeptierte er die Entscheidung aber: „Pierre hat die Minions so erschaffen, wie wir sie kennen. Es ist sein Vorrecht, wenn er sich eine andere Herkunftsgeschichte für sie ausdenken möchte. Es ist Kreation versus Evolution. Für die Zwecke des Films macht es Spaß, sie durch die Geschichte zu zeigen. Der Unterhaltungswert schlägt die Logik jedes aufgestellten Kanons."

Was ist nun Kanon?

Auf persönlicher Ebene weigert sich Paul bis heute, den Lore-Wechsel zu akzeptieren und hat sich eine eigene Erklärung zurechtgelegt: „Ich habe das Gefühl, dass die Minions-Filme Grus Gutenachtgeschichten sind, die er den Minions erzählt." Für ihn seien die Spin-off-Ereignisse implantierte Erinnerungen, „damit sie nicht mit der Tatsache konfrontiert werden müssen, dass sie in einem Labor erschaffen wurden, und damit sie das Gefühl haben können, einen großartigen und ruhmreichen Beginn gehabt zu haben. Aber das ist kein Kanon."

Auch die Frage, auf welcher Seite die Minions im Zweiten Weltkrieg gestanden hätten, beantwortet der erste „Minions“-Film elegant – durch ihre selbstverschuldete Verbannung in eine Eishöhle nach dem versehentlichen Beschuss Napoleons mit einer Kanone.

Paul lacht beim Gedanken daran: „Der Grund, warum sie eingefroren waren, ist, dass niemand jemals diese Frage beantworten muss. Man will diese Typen mögen, also will man nicht, dass sie das ultimative Böse mit den Achsenmächten unterstützen." Napoleon hingegen sei weit genug in der Vergangenheit: „Wir haben kein klares Bild von den Gräueltaten, an denen Napoleon beteiligt war."

Aktuell gibt es die Minions wieder im Kino zu sehen: In „Minions & Monsters“ erobern die gelben Figuren Hollywood. Lohnt sich der Kinobesuch?

Quellen
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