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Kino

„Drive-Away Dolls”, „ein notgeiler Film”: Ethan Coen & Tricia Cooke im Interview

Am 7. März 2024, feiert „Drive-Away Dolls” seinen Kinostart! Ethan Coen führt darin ohne „Coen Brother“ Joel Regie. Dafür arbeitete er einmal mehr mit seiner lesbischen Ehefrau Tricia Cooke zusammen. Eine spannende Kombination! 

"Drive-Away Dolls": Ethan Coen und Tricia Cooke freuen sich, dass der Film vorab als "notgeil" beschrieben wurde
"Drive-Away Dolls": Ethan Coen und Tricia Cooke freuen sich, dass der Film vorab als "notgeil" beschrieben wurde Foto: IMAGO / Landmark Media und IMAGO / ABACAPRESS
Inhalt
  1. Ethan Coen und Tricia Cooke: Die spannende Liebesgeschichte der Filmemacher
  2. „Drive Away Dolls“: Darum geht’s!
  3. Ethan Coen und Tricia Cooke im “Drive-Away Dolls”-Interview

Man könnte „Drive-Away Dolls“ als lesbischen Roadmovie bezeichnet. Das wäre sicherlich im Sinne von Tricia Cooke, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Ethan Coen das Drehbuch schrieb und viel ihrer Persönlichkeit in die Komödie einfließen ließ.

 

Ethan Coen und Tricia Cooke: Die spannende Liebesgeschichte der Filmemacher

In der Filmbranche gibt es viele spannende Paare, doch Tricia Cooke und Ethan Coen toppen die meisten von ihnen um Längen. Cooke liebt eigentlich Frauen. Als sie Ethan 1989 an einem Filmset in New Orleans kennenlernte, wurden die beiden beste Freunde, waren jahrelang unzertrennlich. „Ich hatte mich während meiner Uni-Zeit als lesbisch geoutet und identifizierte mich als Lesbe“, so die 58-Jährige gegenüber „The New Yorker“. „Ich komme aus Minneapolis”, streute Coen im gleichen Interview ein, „und da gibt es keine Lesben.“ Daher sei die Sache für ihn „neu und aufregend“ gewesen. „An irgendeinem Punkt habe ich mir gesagt: ‚Das ist albern.‘ Er ist die Person, mit der ich all meine Zeit verbringen möchte. Also haben wir dafür gesorgt, dass es funktioniert. Und tun das heute noch“, verriet Cooke, wie die beiden trotz ihrer Homosexualität ein Paar wurden. Seit 1993 sind sie verheiratet, haben zwei erwachsene Kinder und führten lange eine offene Beziehung, weil Tricia Cooke „das Gefühl hatte, ihre lesbische Identität zu verlieren“.

Ethan Coens Ehefrau Tricia Cooke ist lesbisch - und verliebte sich trotzdem in den Coen-Brother
Ethan Coen und Tricia Cooke sind ein genauso gut eingespieltes Duo wie die "Coen Brüder". Foto: IMAGO / ABACAPRESS
 

„Drive Away Dolls“: Darum geht’s!

Dass das nicht der Fall war, dass Ehemann Ethan Coen sogar ein Teil dieses Aspekts ihrer Persönlichkeit wurde, beweist das Duo jetzt mit „Drive-Away Dolls“. Der Film erzählt die Geschichte der quirligen Jamie (Margaret Qualley), deren Beziehung mit Freundin Sukie (Beanie Feldstein) wegen Untreue in die Brüche geht. Als ihre wesentlich ruhigere und eher verklemmte Kumpeline Marian (Geraldine Viswanathan) sie zu einem Ausflug nach Tallahassee, Florida einlädt, fackelt Jamie nicht lange. Gemeinsam machen sich die ungleichen Frauen auf einen turbulenten Trip, der direkt damit beginnt, dass ihnen der falsche Leihwagen ausgehändigt wird. Der hat nämlich heikle Schmuggelware im Kofferraum, was zwei völlig unfähige Kleinkriminelle auf den Plan ruft, die sich an ihre Fersen heften.

Auch wir kamen in den Genuss, Ethan Coen und Tricia Cooke zum Interview zu treffen und mit ihnen über ihren neuen Film „Drive-Away Dolls“ zu sprechen. Dabei gingen sie nicht nur auf die Darstellung lesbischer Frauen im Film und viele andere spannende Aspekte ein, sondern sprachen auch offen darüber, wie sich ihre Beziehung entwickelt hat.

 

Ethan Coen und Tricia Cooke im “Drive-Away Dolls”-Interview

TV Movie Online: Könnt ihr zu Anfang ein bisschen über eure Zusammenarbeit sprechen, da ihr zwar noch verheiratet seid, aber keine romantische Verbindung mehr habt. Wie hat sich die Arbeit dadurch verändert?

Tricia Cooke: „Zusammenzuarbeiten ist eine gute Art und Weise, um nach wie vor verbunden zu bleiben. Wir sind immer noch verheiratet und teilen uns ein Zuhause, aber wir haben beide neue Partnerinnen. Aber es hat Spaß gemacht, wir sind auf Augenhöhe und haben ähnliche Empfindlichkeiten, was das Künstlerische betrifft. Außerdem arbeite ich schon so lange mit Ethan und Joel zusammen, dass es eine gewisse Leichtigkeit hat und man sich wohlfühlt.“

Ethan Coen: „Vieles von dem, was Trish gerade über sich und mich gesagt hat, trifft auch auf mich und Joel zu. Du genießt es, Zeit mit der Person zu verbringen, hast eine enge persönliche Bindung zu ihr. Alles ist leichter und es wird mehr zum Vergnügen als alles andere …“  

Tricia Cooke: „Und die zwei haben auch keine romantische Verbindung!“ *Lacht*

Warum spielt „Drive-Away Dolls“ ausgerechnet 1999? Hat das Jahr eine besondere Bedeutung für euch?

Ethan Coen: „Ein Grund ist, dass wir das Drehbuch ursprünglich in den frühen 2000ern geschrieben haben, also nah an 1999. Aber es ist auch eine Welt, die Trish kennt – die Lesben-Bars dieser Zeit.“

Tricia Cooke: „Ich wollte eine Geschichte über Lesben und Bars in einer Zeit erzählen, in der ich selbst in Lesben-Bars gegangen bin, was in den späten 90ern und frühen 2000ern der Fall war. Heute dreht sich alles um Smartphones und das Internet. Es war also einfacher, die Story in dieser bestimmten Zeit zu verorten.“

Ethan Coen: „‚Wir sind Lesben in den 90ern‘ ist auch ein bisschen grenzüberschreitender und ungezogener als heutzutage, wo jeder alles weiß und nichts mehr anstoßend oder ‚eklig‘ ist. Jetzt ist ja nichts mehr verboten.“

Tricia Cooke: „Es war nicht ‚eklig‘, aber es war alles naiver damals.“

Drive-Away Dolls: Margaret Qualley als Jamie und Geraldine Viswanathan als Marian
Drive-Away Dolls: Margaret Qualley als Jamie und Geraldine Viswanathan als Marian. Foto: ©2023 Focus Features. LLC./Wilson Webb / Working Title

Tricia​, ich würde gerne mehr über die Darstellung von Lesben auf der Leinwand und die Wichtigkeit witziger queerer Filme hören. Häufig werden homosexuelle Frauen im Film sehr ernst dargestellt, ihr Sex wirkt oft irgendwie verbissen, fast gequält. Gegen welche Klischees wolltest du vorgehen?“

Tricia Cooke: „Gegen alle! Diese Filme waren wichtig für mich, als ich aufgewachsen bin und mich als Lesbe geoutet habe. Man sieht so wenige Lesben, die Repräsentation auf der Leinwand gekommen und wenn, dann hat es oft etwas Tragisches. Es war mir wichtig, queere Frauen darzustellen, bei denen das eher zur Nebensache wird. Ihre Homosexualität sollte etwas sein, das gefeiert wird. Auch so etwas wie Jamies häufig wechselnde Sexualpartnerinnen sieht man nicht oft und ich dachte, es könnte Spaß machen. Es ist, wie du sagst: Oft ist lesbische Liebe in Filmen so intensiv und anstrengend und hat kein Happy End. Das ändert sich jetzt, aber als wir das Script geschrieben haben, war das noch nicht der Fall. Wir wollten es anders machen.“

Die Figur der Jamie ist ein Freigeist, während Marian dazu neigt, (zu) viel nachzudenken. Auch die beiden Kriminellen im Film sind so gestrickt. Ist das vielleicht eine Referenz auf euch beide oder auf das, was passiert, wenn Ethan mit Joel Coen zusammenarbeiten?

Ethan Coen: „Eine Antwort ist sicherlich, dass das eben eine klassische Paar-Dynamik ist, die es in romantischen Komödien braucht. Aber auch die andere Sache ist wahr! Kurz gesagt: Ich bin Geraldines Figur [Marian] und Tricia ist Margarets Figur [Jamie].”

Tricia Cooke: „Man muss auch sagen, dass es natürlich einfacher ist, Schwarz und Weiß zu zeigen, statt die Zwischentöne. Das Graue ist weniger dramatisch! Und ja, wir wollten eine Parallele zwischen den beiden Paaren zeigen.“

Ethan Coen: „Genau, und die Bösen sind schwul, haben sich aber noch nicht geoutet, die Guten, die Frauen, sind offen queer.“

Ethen, das ist jetzt der erste Kinofilm, für den du ohne deinen Bruder Joel Coen Regie geführt hast. Was macht das mit dem Ergebnis? Wer bringt in eurer Geschwister-Dynamik normalerweise welche Zutat ein?

Ethan Coen: „Oje, das ist schwer zu erklären. Ich denke, es ist einfach nicht möglich, so etwas herauszutrennen und zu analysieren, nach dem Motto: ‚Wer bringt was mit?‘ Ich weiß nicht, ob die Annahme ist, dass ich der Lustige bin, wenn ich mit Joel arbeite und er der Ernste. Der Spaß und die Komik, die wir liefern, sind das Produkt von uns beiden. Es geht ja nicht darum, dass der eine versucht, den anderen zu erheitern …“

Tricia Cooke: „Joel erzählt jedenfalls die lustigeren Witze!“

Ethan Coen: *Lacht* „Niemand bringt immer die gleiche Zutat mit.“

Wie lief der Casting-Prozess ab? Wieso habt ihr euch für Geraldine Viswanathan und Sarah Margaret Qualley in den Hauptrollen entschieden?

Ethan Coen: „Als Geraldine [Viswanathan] und Margaret [Qualley] und auch Beanie [Feldstein] reinkamen, dachten wir uns: ‚Wow großartig. Das ist so, als ob die Figur lebendig werden.‘ Das passiert nicht immer. Um genau zu sein, passiert es fast nie!“

Drive-Away Dolls: Geraldine Viswanathan als Marian, Margaret Qualley als Jamie und Beanie Feldstein als Sukie
Geraldine Viswanathan als Marian, Margaret Qualley als Jamie und Beanie Feldstein als Sukie. Foto: ©2023 Focus Features. LLC./Wilson Webb / Working Title

Tricia, ich habe gelesen, dass es dir wichtig war, viele weibliche Kolleginnen dabei zu haben. Könntest du das noch ein bisschen näher erklären?

Tricia Cooke: „Niemand will Dinge ‚mansplaint‘ bekommen. Es ist schön, andere Frauen in Machtpositionen um sich zu haben. Es ist ermächtigend und inspirierend.“

Da ihr so selten die Gelegenheit bekommt, auf Reviews zu reagieren, würde ich euch gerne etwas vorlesen, das ich im Netz gefunden habe: „Es gibt [im Film ‚Drive Away Dolls‘] eine große Obsession mit dem weiblichen Körper. Ich bin mir nicht sicher, ob das Coens Beitrag war oder Cooks, aber es ist ein sehr notgeiler Film. Joel und Ethan waren nie so vernarrt in die weibliche Anatomie wie hier.“   

*Beide lachen* Ethan Coen: „Das ist fantastisch: ‚Es ist ein notgeiler Film.‘ Das ist großartig und es ist korrekt. Ich werde mir das merken, das sollte unbedingt der Slogan des Films werden. Das kommt aufs Poster!“

Tricia Cooke: „Ich glaube, ich muss dafür die Verantwortung übernehmen. Ich vermeide es eigentlich tunlichst, Dinge über meine Arbeit zu lesen, also danke ich dir, dass du das geteilt hast.“

Vielen Dank für das spannende Interview!

*Interviewführung und Artikel: Anna Peters*

Hinweis der Redaktion: Das Interview wurde aus dem Englischen übersetzt und vor der Veröffentlichung um einige Passagen und Sätze gekürzt.

„Drive-Away Dolls” läuft ab dem 7. März 2024 im Kino! Den Trailer könnt ihr euch hier anschauen: 

 

 


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