„Die Odyssee“-Übersetzterin attackiert Christopher Nolan: „Ich würde mich schämen“
Christopher Nolans „Die Odyssee“ basiert auf dem Epos von Homer. Während viele den Regisseur für seine Umsetzung feiern, gibt es jetzt auch deutliche Kritik.

Christopher Nolan hat nach sich nach seinem Mega-Erfolg mit „Oppenheimer“ nun der griechischen Mythologie zugewandt. Seine Umsetzung von „Die Odyssee“ läuft derzeit weltweit in den Kinos und wird von vielen gefeiert, wenngleich es aber auch Kritik an der Verfilmung gibt. Die wohl eindeutigste Klatsche für den Amerikaner gibt es jetzt aber wohl von Emily Wilson. DieAltphilologin hat eine der neuesten Übersetzungen von Homers Geschichte über die Irrfahrten des Odysseus verfasst.
Sie war Nolans große Inspiration: Emily Wilson kritisiert „Die Odyssee“
Besonders spannend: Wilson, die eine moderne Übersetzung des Epos gerade mit Blick auf die weiblichen Figuren angestrebt und sich kritisch mit der Sprache vorheriger Übersetzungen beschäftigt hat, wurde von Nolan als eine wichtige Inspiration für die Umsetzung seines Projektes genannt. Doch die Liebe für die Arbeit des anderen teilt die Professorin zumindest nicht zu hundert Prozent.
In einem Essay im „London Review of Books“ kommt die Übersetzerin zu einem vernichtenden Fazit: Nolans Adaption fehle es an „psychologischer, emotionaler, politischer und ethischer Tiefe“, so Wilson. Sie habe gehofft, dass die Begeisterung des Regisseurs für die Thematik eine überzeugende Verfilmung zufolge habe, doch dem sei nicht so. „‚The Odyssey‘ zeichnet sich durch seine übliche Mischung aus Grandiosität und Oberflächlichkeit aus … Die Vision des Films ist zu verworren, seine Figuren zu unterentwickelt, um das einzulösen, was er in Bezug auf große Ideen halbwegs verspricht – obwohl er sehr gut darin ist, gewaltige Explosionen und riesige Riesen darzustellen.“
Zu wenig Tiefe und keine gute Optik
Was Wilson besonders kritisiert, ist, dass es dem Film an Tiefe fehle und sie den Figuren nicht genug Raum gebe. „Es hat nichts Überzeugendes über Zeit, Erinnerung, Geschichte, Krieg oder über die Beziehung zwischen der glorreichen Rückkehr eines Kriegers und dem Leben seiner Familie, seiner Gegner, Kameraden, Freunde und Nachbarn zu sagen.“ Und auch optisch überzeugt der Streifen die Expertin nicht.
Das knallharte Fazit der Übersetzerin: „Ich würde mich schämen, wenn ich auch nur einen Teil dieses Drehbuchs geschrieben hätte.“ Autsch! Immerhin: Eine positive Sache kann Emily Wilson dem Film doch noch abgewinnen: Der Streifen gebe Homers Epos die Aufmerksamkeit, die er verdiene. „Nolan tut sein Bestes, um die breite Öffentlichkeit wieder zum Lesen zu bewegen, und dafür bin ich ihm dankbar.“









