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Kritik

„Resident Evil“: Dieser Film macht aus Raccoon City endlich wieder einen Ort zum Fürchten

Die bisherigen „Resident Evil“-Verfilmungen konnten viele Fans nicht überzeugen. Zach Cregger macht nun einiges anders – und landet damit einen echten Volltreffer!

Bryan rennt mit seiner Tasche durch Raccoon City.
Austin Abrams übernimmt in „Resident Evil“ die Hauptrolle Bryan. Foto: Constantin Film

Mit „Resident Evil“ wagt sich Zach Cregger an eine Reihe, die auf der Kinoleinwand bisher deutlich weniger Glück hatte als auf der Konsole. Die zahlreichen Verfilmungen und Serienableger konnten weder bei Fans noch bei Kritiker dauerhaft für Begeisterung sorgen. Besonders die sechsteilige Filmreihe mit Milla Jovovich hat sich einen ganz besonders schlechten Ruf erarbeitet.

Cregger, der mit „Barbarian“ und „Weapons“ bereits bewiesen hat, dass er Horror nicht nach Schema F erzählt, geht deshalb einen anderen Weg. Statt einfach die bekannten Figuren aus den Spielen in eine neue Geschichte zu setzen, baut er sein eigenes „Resident Evil“-Universum – und das funktioniert überraschend gut.

Zach Cregger baut sein eigenes „Resident Evil“

Leon S. Kennedy, Claire Redfield, Jill Valentine oder Chris Redfield sucht man hier vergeblich. Und genau das erweist sich als einer der größten Pluspunkte des Films. Cregger versucht nicht, eine bekannte Spielhandlung möglichst detailgetreu nachzuerzählen. Stattdessen nimmt er sich die Zutaten, die „Resident Evil“ ausmachen, und setzt sie zu einem eigenen Horrortrip zusammen.

Dabei steckt der Film voller kleiner Details, die sich unmittelbar nach Videospiel anfühlen. Waffen liegen an den verrücktesten Ort einfach griffbereit herum, Munition muss erst in Schubladen und abgelegenen Ecken gesucht werden und selbst die Umgebung wirkt immer wieder wie ein Ort, den man nur allzu gerne selbst mit Controller in der Hand erkunden würde.

Auch beim Weg durch Raccoon City arbeitet Cregger sich gewissermaßen durch die bekanntesten Stationen der Reihe: dunkle Tunnel, enge Gassen, die Kanalisation und schließlich ein Labor. Selbst die Umbrella Corporation bekommt eine interessante neue Rolle. Sie ist hier nicht einfach der große Bösewicht, sondern arbeitet tatsächlich an einer Lösung für die Katastrophe.

Natürlich wäre das alles etwas zu einfach, wenn nicht ständig neue Probleme auftauchen würden. Kaum scheint Bryan seinem Ziel näherzukommen, stellen sich ihm die Kreaturen aus Umbrellas Laboren in den Weg. Und mit einem besonders grotesken, mehrgliedrigen Zombie-Mutanten bekommt er sogar einen persönlichen Verfolger, der ihm ähnlich unerbittlich auf den Fersen bleibt wie Mr. X im zweiten Teil der Spielereihe.

Bryan ist kein Actionheld – und genau das macht ihn so sympathisch

Trotz all dieser offensichtlichen Verbindungen fühlt sich der Film nie wie eine bloße Aneinanderreihung von Fanservice an. Das liegt vor allem an Bryan (Austin Abrams). Denn unser Protagonist ist denkbar weit von einem perfekt ausgebildeten Zombie-Killer entfernt.

Bryan arbeitet als medizinischer Kurier und nimmt den Auftrag nach Raccoon City zunächst vor allem wegen des Geldes an. Gleichzeitig beschäftigt ihn die Frage, ob er bald Vater werden könnte. Ausgerechnet dieser völlig normale Typ landet also mitten in einer Katastrophe, für die er alles andere als vorbereitet ist.

Und Cregger zieht daraus erstaunlich viel. Bryan stolpert, flucht, verschätzt sich und schießt häufiger daneben, als ihm lieb sein dürfte. Seine Handytaschenlampe ist zeitweise seine wichtigste Lichtquelle und wenn plötzlich ein Untoter vor ihm steht, reagiert er nicht mit einem coolen Spruch, sondern mit blanker Panik.

Genau dadurch hat sich der Film für mich als Fan der Spiele überraschend vertraut angefühlt. Natürlich steuern wir in den Games Figuren wie Leon, Jill oder Chris, die ausgebildete Profis sind und selbst in den schlimmsten Situationen noch erstaunlich souverän wirken. Aber das bedeutet schließlich nicht, dass wir am Controller genauso souverän sind.

Bryan spielt sich deshalb fast wie die menschliche Verkörperung eines ersten „Resident Evil“-Durchlaufs: Man weiß nie genau, was hinter der nächsten Tür wartet, rennt im Zweifel lieber erst einmal weg und ist trotzdem gezwungen, sich irgendwann umzudrehen. Natürlich besitzt auch Bryan eine gewisse Portion Plot Armour. Anders wäre der Film nach der ersten größeren Begegnung vermutlich vorbei. Trotzdem fühlt sich sein Überlebenskampf angenehm bodenständig und realistisch an.

„Resident Evil“ weiß genau, wann es gruselig und wann es lustig sein muss

Besonders gut funktioniert der Spannungsaufbau. „Resident Evil“ versucht nicht, von der ersten Minute an mit Dauer-Action oder Jumpscares zu bombardieren. Stattdessen lässt Cregger die Atmosphäre immer wieder für sich arbeiten.

Bryan läuft durch den Wald und sucht nach einem Unfall nach dem angefahrenen Opfer. Er betritt vorsichtig ein fremdes Haus und weiß nicht, ob dort jemand auf ihn wartet – oder ob sich irgendwo Munition versteckt. Später tastet er sich mit seiner kleinen Handytaschenlampe durch die Kanalisation.

Und genau in diesen Momenten sitzt man als Zuschauer eigentlich nur da und wartet. Irgendwann muss doch etwas passieren. Da muss doch gleich dieses Geräusch kommen.

Cregger spielt bewusst mit dieser Erwartungshaltung. Er lässt uns nicht wirklich zur Ruhe kommen, gibt uns aber immer wieder kleine Verschnaufpausen. Und dann kommt der nächste Schrecken.

Austin Abrams bekommt von einem Zombie eine blutige Hand ins Gesicht im Auto bei Resident Evil
Foto: Constantin Film

Dabei versteht der Regisseur noch etwas, das bei vielen Horrorfilmen und insbesondere bei einigen „Resident Evil“-Umsetzungen verloren gegangen ist: Die Reihe darf Spaß machen. Zwischen den fiesen Jumpscares finden sich pointierte Gags, die den Horror nicht kaputtmachen, sondern ihn sogar noch besser funktionieren lassen. Ein missglückter Schuss, eine völlig absurde Situation, ein explodierender Kopf oder einfach ein verzweifeltes „Fuck“ im richtigen Moment reichen manchmal schon.

Gerade weil Bryan eben kein übermenschlicher Actionheld ist, entsteht daraus ein Humor, der sich natürlich in die Geschichte einfügt. Er hat Angst vor den Monstern – und ganz ehrlich: Wer hätte das nicht?

So hält „Resident Evil“ seinen Spannungsbogen über weite Strecken konstant hoch. Der Film weiß, wann er uns erschrecken, wann er uns lachen und wann er uns einfach kurz durchatmen lassen muss. Und gerade deshalb funktionieren die großen Horrormomente umso besser.

Fazit: Diesen Film dürft ihr nicht verpassen

Zach Cregger gelingt etwas, woran sich frühere „Resident Evil“-Adaptionen immer wieder die Zähne ausgebissen haben: Er versucht weder, eine generische Actiongeschichte zu machen, die mit „Resident Evil“ kaum noch etwas zu tun hat, noch die Spiele eins zu eins auf die Leinwand zu übertragen. Stattdessen versteht er ihre Atmosphäre, ihre Mechaniken und vor allem dieses ganz spezielle Gefühl, sich in einer feindseligen Umgebung Schritt für Schritt voranzutasten.

Der Film ist brutal, stellenweise herrlich absurd, überraschend witzig und vor allem verdammt spannend. Gleichzeitig funktioniert Bryan als Protagonist so gut, weil er nicht wie jemand wirkt, der das alles unter Kontrolle hat. Er kämpft sich nicht souverän durch Raccoon City – er versucht schlicht, lebend wieder herauszukommen.

Für mich ist Creggers „Resident Evil“ deshalb genau die Art von Videospielverfilmung, die ich mir schon lange gewünscht habe. Sie respektiert die Vorlage, ohne sich von ihr abhängig zu machen. Und sie fühlt sich trotzdem an vielen Stellen so an, als hätte jemand das Spielgefühl direkt auf die Kinoleinwand übertragen.

Für Fans der Spiele ist der Film damit eigentlich Pflichtprogramm. Aber auch Horror- und Zombie-Fans, die mit „Resident Evil“ bisher wenig anfangen konnten, dürften hier auf ihre Kosten kommen. Ein verdammt starker „Resident Evil“-Film – und hoffentlich nicht der letzte.

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