„Der Prinz, der verheißen wurde“: So verändert das „House of the Dragon“-Staffelfinale die Geschichte von „Game of Thrones“
Rhaenyra Targaryen erklärt sich im Finale der dritten „House of the Dragon“-Staffel zum „Prinzen, der verheißen wurde“. Das verändert auch das Verständnis der Prophezeiung in „Game of Thrones“.

Rhaenyra Targaryen hat genug. Die Burg, die sie zu Beginn der dritten Staffel erobert hat, fühlt sich für sie inzwischen eher wie ein Gefängnis an. Während sie sich mit politischen Rivalen, ihren Gegnern und den Beschwerden der Bevölkerung auseinandersetzen muss, wächst in ihr der Wunsch, endlich für die Größe zu kämpfen, für die sie sich bestimmt sieht.
Diese Überzeugung geht auf ihren Vater zurück und wird durch eine Vision ihres Ehemanns und Onkels Daemon Targaryen verstärkt. Als der schwelende Konflikt im Staffelfinale schließlich eskaliert, rüstet sich Rhaenyra für den Krieg. Vor ihren Soldaten ruft sie: „Ich bin der Prinz, der verheißen wurde!“
Ein geheimes Vermächtnis der Targaryens
In „House of the Dragon“ wurde bereits in der ersten Staffel erklärt, dass es sich bei dem „Prinzen, der verheißen wurde“ um eine geheime Prophezeiung handelt, die innerhalb der Targaryen-Dynastie von einem König an den nächsten weitergegeben wird.
Aegon der Eroberer soll gewusst haben, dass eines Tages ein Retter aus seinem Blut dafür sorgen werde, Westeros vor einer noch größeren Bedrohung zu bewahren: den Weißen Wanderern. Die eng verwandte Erzählung von Azor Ahai ist vor allem in Essos bekannt. Darüber hinaus könnten einzelne Maester, die sich mit alten valyrischen Texten beschäftigten, von der Prophezeiung erfahren haben.
Für die breite Bevölkerung von Westeros war sie dagegen kein Allgemeinwissen. Auch in „Game of Thrones“, das rund 200 Jahre später spielt, wird der „Prinz, der verheißen wurde“ nur gelegentlich erwähnt. Die Prophezeiung bleibt zunächst vor allem mit der Familie Targaryen verbunden.
Rhaenyra macht aus dem Geheimnis eine Legende
Genau hier setzt die mögliche Veränderung der „Game of Thrones“-Geschichte an. Rhaenyra spricht den Satz nicht im kleinen Kreis aus, sondern vor Dutzenden oder sogar Hunderten Soldaten. Damit könnte das streng gehütete Familiengeheimnis erstmals öffentlich geworden sein.
Die Menschen in der Szene kennen vermutlich weder den Ursprung noch die Bedeutung der Worte. Sie könnten den Ausdruck jedoch weitergetragen haben. Über die folgenden zwei Jahrhunderte hätte sich aus der Targaryen-Prophezeiung so eine weit verbreitete Legende entwickeln können – weit über die königliche Erbfolge hinaus.
Auch die Gerüchte über die „Eis-Zombies“ jenseits der Mauer könnten dazu beigetragen haben, dass die Menschen in Westeros später auf einen vorherbestimmten Retter hofften. Was in „House of the Dragon“ noch wie eine wütende Ansage oder eine tragische Vorahnung wirkt, könnte damit erklären, warum die Prophezeiung in „Game of Thrones“ überhaupt über die Targaryen-Familie hinaus bekannt ist.
Zuschauer von „Game of Thrones“ kennen natürlich die spätere Entwicklung, während Leser der Buchvorlage wissen, welches Schicksal Rhaenyra erwartet. Ihr Ausruf verändert deshalb nicht zwingend die Ereignisse selbst – aber er erweitert den möglichen Hintergrund dafür, wie sich eine der wichtigsten Prophezeiungen von Westeros verbreiten konnte.









