„House of the Dragon“: Rhaenyra wiederholt im Staffel-3-Finale Daenerys' größten GOT-Fehler
Sieben Jahre nach „Game of Thrones“ holt die Geschichte die neue Serie ein – mit denselben Problemen.

Als Daenerys Targaryen in der achten Staffel von „Game of Thrones“ zur sogenannten Wahnsinnigen Königin wurde, löste das einen der größten Gegenreaktionen in der Geschichte des Serienfernsehens aus. Der Wendepunkt wirkte zu abrupt, zu wenig verdient. Sieben Jahre später steht „House of the Dragon“ vor einem ähnlichen Problem, das Staffelfinale von Staffel 3 macht es unübersehbar.
Rhaenyra überschreitet die Grenze
Das Finale zeigt Rhaenyra in einer Reihe von Momenten, die ihren Wandel zur Antagonistin besiegeln. Sie ist kalt gegenüber Baela Targaryen und erklärt, sie hätte sie nach der Schlacht in der Meerenge zurücklassen sollen. Sie zeigt kein Interesse daran, Corlys Velaryon oder die anderen bei Tumbleton zu retten. Sie schickt Mysaria fort. Doch die entscheidenden Szenen spielen sich mit Helaena ab.
Zunächst versucht Rhaenyra, Helaenas Sorge um ihr ungeborenes Kind zu nutzen. Dann wird sie grausam: Sie lässt Helaena zwangsernähren. Und als Helaena schließlich aus dem Fenster springt und stirbt, schließt Rhaenyra einfach das Fenster – das ist das letzte Bild der Staffel. Mit Ormunds Tod und Aegons zunehmend sympathischerer Darstellung im Verlauf der Staffel ist die Botschaft unmissverständlich: Rhaenyra ist nun die Hauptschurkin der Serie.
Dieselbe Methode, dasselbe Problem
Die inhaltliche Parallele zu Daenerys ist offensichtlich. Beide sind silberhaarige Drachenreiterinnen, die glauben, den Eisernen Thron als Geburtsrecht zu verdienen. Beide wurden durch extreme Verluste und Trauer verändert, was Paranoia und Angst selbst gegenüber Vertrauten ausgelöst hat. Beide sind gleichzeitig überzeugt von ihrer Bestimmung und Unfehlbarkeit.
Das eigentliche Problem liegt jedoch nicht im Inhalt, sondern im Tempo. Die Serie hat Rhaenyras zunehmende Paranoia und ihren wachsenden Gotteskomplex über mehrere Staffeln hinweg gut aufgebaut. Doch im Finale springt sie mehrere Schritte nach vorn. Zwischen Episode 7 – in der Rhaenyra zumindest noch eine Fassade gegenüber Helaena aufrechterhalten hat – und dem Finale fehlen gefühlt ein oder zwei Episoden, die den Übergang organisch hätten gestalten können.
Genau das war auch Daenerys' Problem: Nicht der Wandel selbst war falsch und nicht die Grundlage fehlte, es brauchte schlicht mehr Zeit, damit er sich vollständig verdient anfühlte.
Zu wenig Raum für Entwicklung
Ein Teil des Problems liegt in der Struktur der Staffel. Die ersten beiden Episoden von Staffel 3 funktionierten de facto als Abschluss von Staffel 2, was bedeutet, dass die „echte“ dritte Staffel nur sechs Episoden umfasste. Das war zu wenig für den Umfang der Geschichte, die erzählt werden musste.
Anders als bei „Game of Thrones“ hat „House of the Dragon“ noch Zeit. Daenerys verbrannte Königsmund in der vorletzten Episode der gesamten Serie – Rhaenyra hat noch eine ganze vierte Staffel vor sich, die 2028 erscheinen soll. Wenn die Macher die richtigen Lehren ziehen, können sie die Lücken noch füllen: Wie verarbeitet Rhaenyra Helaenas Tod? Was bedeutet er für ihr Verhältnis zu Alicent? Gibt es jenseits des Kriegsgewinns noch etwas, worum sie sich sorgt?
Emma D'Arcy ist dabei kein Vorwurf zu machen, doch die Drehbücher der Finalen Staffel müssen darauf achten, beim Sprung von einem Großereignis zum nächsten nicht die Figuren aus den Augen zu verlieren.









