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"Blood Red Sky" auf Netflix: Regisseur Peter Thorwarth im Interview

Am 23. Juli startet auf Netflix ein neues Horror-Mystery-Spektakel: Blood Red Sky. TV Movie Online sprach mit Kultregisseur Peter Thorwarth über Dreharbeiten während Corona, minderjährige Schauspieler in Horrorfilmen und zukünftige Projekte.

Blood Red Sky: Regisseur Peter Thorwarth im Interview
"Blood Red Sky" ist einer der großen Filmstarts im Juli bei Netflix und feierte seine Weltpremiere beim Filmfest in München. Foto: Netflix

Eine Frau reist mit ihrem kleinen Sohn in einem Flugzeug nach New York. Was zunächst nach einer ganz normalen Mutter-Kind-Beziehung aussieht, entfaltet sich im Verlauf zur einer wahren Horror-Reise. Terroristen, Angst und jede Menge Blut.

TV Movie Online: Guten Tag Peter, beim Streaminganbieter Netflix startet bald dein neuer Film "Blood Red Sky". Neben Filmen wie "Bang Boom Bang", "Goldene Zeiten" oder "Nicht mein Tag" mit Moritz Bleibtreu, zu dem du das Buch mitgeschrieben hast, ist dein neustes Projekt doch ein wenig untypisch für dich. Warum jetzt der Ausflug ins Horror-Mystery-Genre?

Peter Thorwarth: Die Grundidee zu "Blood Red Sky" hatte ich tatsächlich schon vor sechzehn Jahren. Und das hat einfach so lange gedauert bis ich die Leute überzeugen konnte den Film auch wirklich zu drehen. Vielleicht war damals aber auch die Zeit noch nicht reif, also vielleicht war es jetzt genau richtig dieses Projekt mit Netflix zu verwirklichen. Und deswegen bin ich, weil ich jahrelang damit nicht zum Zug gekommen bin, umso glücklicher, dass es jetzt geklappt hat.

TV Movie Online: Der Film birgt einige Schocker für den Zuschauer und ist gerade gegen Ende nichts für schwache Nerven. War das auch ein Teil deiner Intention, dass du uns nach Corona ein wenig aus unserer emotionalen Lethargie befreien wolltest?

Peter Thorwarth (Lacht): Naja, also die Abläufe einen Film von der Idee bis zur Leinwand zu bringen sind sehr zeitaufwändig. Deswegen kann man so kurzfristig gar nicht planen. Wir sind inmitten der Dreharbeiten von dieser Pandemie kalt überrascht worden. Das ist insofern krass, da es im Film, in diesem Flugzeug, auch eine Art Pandemie gibt. Ich hatte mich zwischenzeitlich auch gefragt, ob das für das Publikum jetzt eigentlich das richtige ist. Mit dem Flugzeug reisen, und Flughäfen im Besonderen sind immer stressig. Während Corona umso mehr. Ich hoffe, dass dieser Spuk hoffentlich bald ein Ende hat.

Blood Red Sky: Regisseur Peter Thorwarth im Interview
Nadja (Peri Baumeister) und ihr Sohn Elias (Carl Anton Koch) im Horrorflieger nach New York / Credits: Netflix

TV Movie Online: Wie waren denn die Drehbedingungen inmitten der Pandemie?

Peter Thorwarth: Wir haben in Prag gedreht unter speziellen Bedingungen. Und inmitten vom Dreh hat Tschechien den harten Lockdown verhängt und wir mussten innerhalb von 48 Stunden das Land verlassen, ohne zu wissen, wie und ob es weitergeht. Erst im Juli 2020 sind wir wieder angerückt als Tschechien komplett alles, auch Clubs und Restaurants, wieder aufgemacht hat. Der Inzidenzwert ist dann wieder nach oben geschossen und wir durften nur noch Team intern bleiben, wurden ständig getestet – das war schon ziemlich mühselig. Parallel saß uns das Jugendamt in Deutschland im Nacken. Unser Hauptdarsteller Carl Anton Koch war während des Drehs erst zehn Jahre alt und bereits drei Monate am Stück weg von Zuhause. Noch eine Verzögerung wegen einer Quarantäne hätte es nicht mehr durchgehen lassen.

TV Movie Online: Mit Kinderdarstellern zu drehen ist immer eine große Herausforderung. Dann auch noch eine Horror-Film-Produktion. Hat das gut funktioniert?

Peter Thorwarth: Das hat total gut funktioniert! Ich hatte mir vorher viele Gedanken dazu gemacht, denn ich bin selber Vater und möchte das Kind dann auch nicht überfordern oder, dass die Dreharbeiten Alpträume verursachen. Aber Carl war so entspannt und begeistert von allem. Wir haben sehr peinlich darauf geachtet, dass er nur die erlaubte Zeit am Set ist, haben ihn mit in die Maske genommen, sodass er die Schauspieler ungeschminkt – also nicht als Vampir – kennenlernt. Also für Carl war es die reinste Klassenfahrt und er war schon ziemlich traurig als der Dreh dann vorbei war. Das witzige ist, dass seine Lehrerin, die ihn am Set begleitet hat, die Schwester ist von Julius Weckauf, dem Hauptdarsteller von „Der Junge muss an die frische Luft“. Sie hatte also viel Verständnis für unseren Dreh.

TV Movie Online: Der Titel „Blood Red Sky” klingt erstmal wie einer Arnold Schwarzenegger Actionfilm aus den 90er Jahren. War das Absicht oder was steckte dahinter?

Peter Thorwarth: Tatsächlich hat mich ein Song von U2 dazu inspiriert „Under a Blood Red Sky“ und ich dachte, das wäre doch eigentlich geil für einen Vampirfilm.

TV Movie Online: Heißt das, dass der Film auch schon vor 16 Jahren „Blood Red Sky“ hieß?

Peter Thorwarth: Nein, anfangs hatten wir wirklich einen B-Picture-Titel: "Blood Air". Das erste Buch war aber auch ein bisschen mehr auf Fun und Trash geschrieben, im Stil von "From Dusk Till Dawn". In der zweiten Fassung kam noch diese Mutter-Kind-Ebene hinzu, die die Geschichte auf ein ganz anderes Niveau bringt. Während der Dreharbeiten hatte der Film zwischendurch sogar einen ganz schrecklichen Arbeitstitel: "Transatlantic 473".

TV Movie Online: Apropos transatlantisch: Der Cast war ziemlich international zusammengewürfelt. Hat das gut harmoniert bzw. konnte der Film dadurch einen Mehrgewinn erzielen?

Peter Thorwarth: Das war auch schon vor sechzehn Jahren meine Vision. Da die Geschichte zum Großteil während eines Transatlantikflugs spielt, bietet sich ein internationaler Cast natürlich an: Sie fliegt mit ihrem kleinen Jungen nach Amerika, man weiß lediglich, dass sie Deutsche sind, aber mehr auch nicht. Kais Setti, der die Rolle des Farid verkörpert, bringt mit seinen tunesischen Wurzeln und seiner Kölner Herkunft nochmal einen ganz anderen Einfluss rein. Alexander Scheer [Eightball], der zuletzt in Arthouse-Produktionen glänzte, aber mit Splatterfilmen angefangen hatte, dazu Dominic Purcell und dieser internationale Cast – ich finde das macht es einfach zeitgemäß. Um den Film zu finanzieren, hatten mich diverse Finanziers gedrängt, die Hauptrolle mit einem amerikanischen Hollywoodstar zu besetzen. Die hätte dann einen Akzent imitieren sollen, da die Figur aus Europa kommt. Das fand ich immer albern. Zum Glück war die Strategie eh ein hoffnungsloses Unterfangen. Es gibt überall auf der Welt so viele Talente. Durch Netflix bekommen die die Chance, sich international zu präsentieren.

Blood Red Sky: Regisseur Peter Thorwarth im Interview
8-Ball (Alexander Scheer) ist jedes Mittel recht das Flugzeug unter die Kontrolle zu bekommen / Foto: Netflix

TV Movie Online: Flugzeug, Terroristen, Vampire. Hast du durch diesen Film nun richtig Blut geleckt und man kann sich zukünftig auf mehr Horrorfilme von dir einstellen?

Peter Thorwarth: Nicht unbedingt. Mein nächstes Projekt ist wieder was ganz anderes. Es spielt im Mittelalter. Natürlich geht es wieder krass zur Sache, es fließt viel Blut, aber es hat wieder ein bisschen mehr meinen Humor à la Bang Boom Bang. Ich hoffe nur, dass es nicht wieder 16 Jahre dauert, bis es dem Publikum vorgeführt werden kann.

TV Movie Online: Vielen Dank für das Interview, Peter.

Peter Thorwarth: Sehr gerne!

„Blood Red Sky“ ist ab dem 23. Juli auf Netflix verfügbar.

 

Interview & Text: Lennart Schwenk

 

 



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