Sei gedrückt

Garmin Cirqa: Mehr Tracker als Fitbit Air – ohne Whoop-Abo

Displaylos und ohne Abo-Zwang – aber lohnt der Aufpreis? Was der Garmin Cirqa kann, warum Garmin beim Abo zurückrudern musste und wo die Konkurrenz besser ist.

Leo Neugebauer mit dem Fitness Smart Band Garmin Cirqa
Leo Neugebauer mit dem Fitness-Armbband Garmin Cirqa. Foto: Garmin / Fabian Stoffers

Noch ein Fitnesstracker ohne Display? – Beim Garmin Cirqa bekommst du mehr als beim Fitbit Air, ohne dauerhaft zu zahlen wie beim Whoop. Dafür zahlst du einmal deutlich mehr. Was das Sport-Armband kann, was das Abo kostet und wo Whoop und Fitbit Air besser sind.

Am Preis scheiden sich die Geister: Entweder du zahlst unter 100 Euro und bekommst nur solide Grundfunktionen. Oder du landest bei Whoop, wo die Hardware deutlich mehr kann – aber nur so viel, wie deine Abostufe freigibt. Hörst du auf zu zahlen, ist dein Tracker nur noch ein Stück Stoff mit Elektronik drin.

In diese Lücke schiebt Garmin jetzt den Cirqa: einmalig bezahlt, ohne Display, aber mit Auswertungen, die man sonst von deutlich teureren Sportuhren kennt. Ob es sich lohnt, hängt weniger an der Hardware als daran, was du von einem Tracker erwartest.

Displaylose Tracker: Drei Preisklassen, zwei Bezahlmodelle

Fitnessbänder sind keine neue Erfindung. Sie waren beliebte Wearables, bis Smartwatches sie verdrängt haben. Zurückgeholt hat sie Whoop – mit dem Argument, dass ein Display am Handgelenk vor allem ablenkt. Amazfit und Polar zogen nach, Google stieg mit dem Fitbit Air ein. Garmin folgt als letzter großer Hersteller.

Der Markt teilt sich heute in drei Gruppen:

  • Unter 100 Euro, einmalig bezahlt: Google Fitbit Air und Amazfit Helio Strap. Grundfunktionen ohne laufende Kosten, dafür überschaubare Analysetiefe.

  • Um 180 bis 200 Euro, einmalig bezahlt: Polar Loop und Garmin Cirqa. Mehr Auswertung, kein Zwangsabo.

  • Nur im Abo: Whoop 5.0 und Whoop MG. Die Hardware gibt es ausschließlich als Teil der Mitgliedschaft – und ohne aktives Abo hört das Band auf zu arbeiten.

Der Cirqa ist damit der teuerste Einmalkauf im Feld, doppelt so teuer wie das Fitbit Air. Was Garmin dafür liefert, ist keine neue Funktion, die es sonst nirgends gibt. Es ist eine Kombination, die Garmin bisher nur in deutlich teureren Geräten angeboten hat: die Trainingsauswertung aus Garmins Sportuhren, ohne Sportuhr und ohne Monatsbeitrag.

Warum überhaupt ohne Display?

Drei Gründe: Kein Bildschirm bedeutet keine Benachrichtigungen und damit weniger Ablenkung. Der Akku hält deutlich länger als bei einer Smartwatch. Und ein flaches Band trägt sich nachts angenehmer als eine schwere Uhr – was beim Schlaftracking sogar die Messqualität verbessern kann.

Was den Garmin Cirqa ausmacht

Eine Taste macht den Unterschied

Der Garmin Cirqa hat eine echte Taste an der Seite, als einziges Band in dieser Runde. Aktivitäten erkennt er zwar automatisch und beim Treppensteigen wird das gut funktionieren. Doch mit einem Druck auf die Taste gehst du nicht nur sicher, dass die Aufzeichnung beginnt. Du kannst die Taste über die App auch mit einer bestimmten Aktivität belegen. Ein kurzes Vibrieren bestätigt jeden Druck.

Garmin Cirqa mit Seitentaste
Die Seitentaste des Fitness-Armbands Garmin Cirqa ist gut zu erreichen. Foto: Garmin

Wenn du die Taste nicht drückst, kannst du erst hinterher die Aufzeichnung in Garmin Connect einer konkreten Sportart zuordnen: Lauf, Radtour, Rudern, Krafttraining. Dann fehlen aber die sportartspezifischen Daten. Beim Indoor-Rudern taucht dann die Schlagzahl nicht in der Auswertung auf.

Wer solche Metriken will, muss die Sportart vorher auf die Taste legen – möglich ist das, allerdings machen verschachtelte Menüs die Einrichtung in Connect unnötig kompliziert. Dort kannst du auch festlegen, ob dein gekoppeltes Smartphone die Strecke per GPS aufzeichnet.

Fenix-Metriken ohne Fenix-Preis

Der Cirqa zählt nicht nur Schritte und misst Schlaf. Er liefert Trainingsbereitschaft, Trainingszustand, VO2max, Trainingsnutzen und Erholungszeit – also Werte, die man sonst von Garmins Sportuhren für 600 Euro aufwärts kennt. Dazu kommen Body Battery, Sleep Score, Schlafcoach, HFV-Status, Blutsauerstoff und Stresslevel. Über 80 Sportarten werden unterstützt, viele davon automatisch erkannt.

Nicht die Sensorik rechtfertigt den doppelten Preis gegenüber dem Fitbit Air, sondern das, was Garmin daraus macht: Der Cirqa ist eher eine Fenix ohne Display als ein Fitness-Armband.

Garmin Cirqa am Oberarm
Mit einem längeren Band, das es separat zu kaufen gibt, sitzt das Garmin Cirqa am Oberarm. Foto: Garmin

Garmin ist fordernd: Nach einem langen Lauf kann in der App „Unproduktiv" stehen, weil laut Trainingsplan eigentlich Intervalle vorgesehen waren. Wer sich davon runterziehen lässt, ist bei Googles freundlicherem KI-Coach besser aufgehoben.

Interessant für Kraftsportler und alle, die es genauer wollen: Garmin bietet offiziell ein separates Band an, mit dem sich der Cirqa am Oberarm tragen lässt. Dort sitzt der Sensor ruhiger als am Handgelenk, die Pulsmessung wird zuverlässiger. Das Band gibt es nur in Schwarz und kostet extra.

Ein alter Sensor – und warum das kaum stört

Im Cirqa arbeitet Garmins Elevate-4-Sensor, nicht die aktuelle fünfte Generation. Garmins Begründung: Elevate 5 hätte ein größeres Gehäuse erzwungen und den Tragekomfort verschlechtert.

Garmin Cirqa in mehreren Farben
Den Garmin Cirqa gibt es in mehreren Farben. Foto: Garmin

Die konkrete Folge für dich ist der Verzicht auf EKG-Funktionen. Wer diese braucht, ist hier ohnehin falsch – unter den displaylosen Bändern gibt es das nur beim deutlich teureren Whoop MG.

Außerdem arbeitet der ältere Sensor bei viel Bewegung und starkem Sonnenlicht etwas ungenauer. In der Praxis wird der Unterschied kaum auffallen, solange du nicht eine echte Leistungsdiagnostik möchtest. Für Schlaf, Ruhepuls und normales Training reicht der Elevate 4 vollkommen aus.

Garmin Cirqa, Fitbit Air, Whoop und Polar Loop im Vergleich

Vier Geräte, vier Philosophien. Die Unterschiede liegen weniger bei den Sensoren als beim Bezahlmodell und bei der Frage, wie viel Kontrolle du am Handgelenk selbst hast.

Garmin Cirqa

Google Fitbit Air

Whoop 5.0

Polar Loop

Kostenmodell

einmalig

einmalig

nur Mitgliedschaft

einmalig

Ohne Abo nutzbar

ja

ja

nein

ja

Optionales Abo

Connect+, 9 Euro/Monat

Google Health Premium, ca. 9 Euro/Monat, 3 Monate gratis

im Mitgliedspreis enthalten

keins

Akkulaufzeit

bis 10 Tage

bis 7 Tage

über 14 Tage

bis 8 Tage

GPS

nur über Smartphone

keins

keins

keins

Wasserdicht

5 ATM

5 ATM

bis 10 Meter

schwimmtauglich

Bedienung am Gerät

Taste

keine

keine

keine

EKG

nein

nein

nur Whoop MG

nein

Die Zeile, auf die es ankommt, ist die letzte vor dem EKG. Cirqa ist der einzige Tracker im Feld, bei dem du ein Training ohne Smartphone starten kannst. Bei allen anderen läuft jede manuelle Aktion über die App.

Den Garmin Cirqa gibt es übrigens in zwei Größen, und im Zweifel ist die größere die bessere Wahl – selbst bei schmalen Handgelenken. Die Bänder sind austauschbar und in vier Farben erhältlich.

„Ohne Abo" – was das bei Garmin wirklich heißt

Garmin bewirbt den Cirqa als Tracker ohne Abo-Zwang. Zum Verkaufsstart stimmte das nicht ganz.

In der Auslieferungs-Firmware war die Live-Herzfrequenz während eines Workouts hinter Garmin Connect+ gesperrt. Also keine tiefe Analysefunktion, sondern eine Basisanzeige. Wer während des Trainings seinen Puls sehen wollte, sollte 9 Euro im Monat zahlen.

Die Kritik kam prompt, Garmin reagierte innerhalb weniger Tage und stellte die Funktion frei. Ein ursprünglich ebenfalls für Connect+ vorgesehenes Dashboard-Widget hat Garmin inzwischen ebenfalls wieder aus dem Bezahlmodell herausgenommen, weil es für Cirqa-Nutzer eine große Rolle spielt.

Aktueller Stand: Alle für den Garmin Cirqa wichtigen Gesundheits- und Trainingsfunktionen stehen kostenlos zur Verfügung. Connect+ bietet zusätzlich Ernährungstagebuch, personalisierte Trainingspläne über Garmin Coach, strukturierte Workouts und geführte Meditationen. Für die Kernfunktionen des Bands bringt das Abo keinen spürbaren Mehrwert.

Damit gehört Garmin tatsächlich zu den wenigen Herstellern, bei denen sich ein modernes Wearable ohne laufende Kosten sinnvoll nutzen lässt. Bei Whoop stellt sich die Frage gar nicht erst: Dort ist das Abo das Produkt, das Band nur die Beigabe.

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