MacBook Neo: Warum Apples günstiger Laptop ein Geniestreich ist
Das MacBook Neo ist Apples günstigstes MacBook – und überrascht. Ein Smartphone-Chip, ein Unibody-Gehäuse aus Aluminium und eine ungewöhnlich gute Reparierbarkeit machen es zu mehr als einem Einstiegsgerät.
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Wenn Steve Jobs noch leben würde, hätte er das MacBook Neo als One More Thing präsentiert. Niemand hätte damit gerechnet, doch alle wären begeistert gewesen. Dabei ist das Neo ein Einsteiger-MacBook und macht durchaus Kompromisse. Nur dass es sich nicht so anfühlt.
Update vom 24.4.: MacBook Neo jetzt 100 Euro günstiger
So tief fallen die Preise bei Apple normalerweise nicht. Dabei ist das MacBook Neo noch gar nicht so lange zu haben. Beide Varianten, also mit 256 GB Speicher wie auch mit 512 GB, sind aktuell 100 Euro günstiger.
Derzeit müsst ihr 599 bzw. 699 Euro zahlen, wobei das morgen schon wieder anders aussehen kann. Den aktuellen Preis des MacBook Neo findest du immer in diesem Artikel (weiter unten). Folge einfach dem Link.
Apples Produkte sind in der Regel technisch ganz weit oben, aber auch mega teuer. Die Windows-Konkurrenz ist breiter aufgestellt. Was sie für wenig Geld produziert, ist oft Schrott und beginnt schon mit dem Verfall, sobald man es ausgepackt hat. Apple würde sich nie dazu herablassen.
Beim MacBook Neo hat Apple smarte Lösungen gefunden – für Probleme, an denen die anderen scheitern: Kern ist ein Smartphone-Prozessor, der genug Leistung hat und dabei günstig ist. Das Äußere ist schön und stabil; Apple weiß, wie man Aluminium-Unibody-Gehäuse macht. Zudem garantieren hochwertige Materialien und eine leichte Reparierbarkeit eine lange Lebensdauer.
Apples cleverer Griff in die Restekiste
Richtig gelesen: Apple hat einen Smartphone-Chip in einen Laptop gesteckt. Auf den ersten Blick ist das keine gute Wahl, denn Apple hätte auch einen alten M-Chip für Laptops nehmen oder einen neuen Apple-Silicon-Chip mit abgespeckten Werten produzieren können.

Der Prozessor im MacBook Neo ist nicht einmal so gut wie der Chip, der im iPhone 16 Pro steckt. Dort hat der A18 Pro sechs Grafikkerne, im MacBook Neo nur noch fünf. Der Grund ist einfach wie genial: Apple hat die CPUs massenhaft auf Lager.
Im Fertigungsprozess entstehen immer wieder Chips, bei denen ein GPU-Kern fehlerhaft ist. Apple wirft diese nicht weg, sondern verbaut sie im MacBook Neo. Diese Binned Chips mit 5-Core-GPU kosten Apple faktisch nichts, weil sie sonst Ausschuss wären.
Smartphone-Prozessor im Laptop ‒ überraschend stark
Bringt der A18 Pro nun genug Leistung für ein Laptop? Bei Erscheinen des MacBook Neo ist er schon 18 Monate alt. Auf dem iPhone beherrscht er Videoschnitt. Und obwohl ihm im Laptop ein Grafikkern fehlt, hat er in ersten Benchmarks gut abgeschnitten.
Die Werte des MacBook Neo
Chip: Apple A18 Pro (6-Core CPU, 5-Core GPU)
RAM: 8 GB (nicht erweiterbar)
Speicher: 256 GB oder 512 GB SSD
Display: 13 Zoll, Liquid Retina, 2408 × 1506 px, 500 nits
Akku: 36,5 Wh, bis zu 16 Stunden (Apple-Angabe)
Anschlüsse: 2 × USB-C, 1 × Kopfhöreranschluss
Konnektivität: Wi-Fi 6E, Bluetooth 6
Maße: 297,5 × 206,4 × 12,7 mm, 1,23 kg
Farben: Silber, Indigo, Rosa, Zitrus
Die Single-Core-Leistung des MacBook Neo ist besser als bei anderen Mobilprozessoren, sogar besser als aktuelle Desktop-Prozessoren von Intel und AMD in dieser Preisklasse. Dabei stecken in vergleichbar günstigen Windows-Laptops meist alte und schwache CPUs.
Als ob das so einfach wäre – für Microsoft ist es das jedenfalls nicht. Die Windows-Macher versuchen seit über zehn Jahren, Smartphone-Chips in Laptops zu bringen – mit mäßigem Erfolg. Apple macht es mit dem Neo zum ersten Mal richtig.
Akku gut genug für einen Arbeitstag
Um diesen Chip herum hat Apple das MacBook Neo gebaut – und zwar so, dass es die Aufgaben im Alltag bewältigen kann. Die ersten Tests bestätigen dies auch. Die Werte mögen auf dem Papier noch so abgespeckt klingen, gerade im Vergleich mit den Premium-MacBooks – im Alltag reichen sie.

Apple nennt 1.000 Ladezyklen für das MacBook Neo. Wer den Akku täglich einmal auf- und komplett wieder entlädt, bräuchte mehr als zweieinhalb Jahre, um auf diese 1.000 Zyklen zu kommen. Danach hätte der Akku immer noch 80 Prozent Kapazität.
Die Akkulaufzeit selbst gibt Apple mit 11-16 Stunden an, abhängig von der konkreten Nutzung. In ersten Tests wurde unter unterschiedlichen Bedingungen nachgemessen. So kam das Neo mal auf vier Stunden, im besten Fall sogar auf 23 Stunden. Rechne damit, dass es anfangs einen kompletten Arbeitstag durchhalten wird, später aber nicht mehr. Das Ladegerät gehört morgens in die Tasche.
Gehäuse und Display ‒ solide ohne Schnickschnack
Was dem MacBook komplett fehlt, ist ein Lüfter. So sparst du Energie, was der Akkulaufzeit zugute kommt. Unter Last macht das Neo deshalb keinen Lärm. Allerdings muss auch Wärme abgeführt werden. Die lautlose Kühlung ohne Überhitzung hat das MacBook Air für 1.000 Euro gut geschafft. Das Neo bekommt dies genauso gut hin, aber in einer günstigeren Preisklasse. Daran werden sich Windows-Rechner messen lassen müssen.

Das Gehäuse des MacBook Neo ist aus einem einzigen Aluminiumblock gefräst wie bei den teuren MacBooks üblich. Für das Geld gibt es normalerweise Kunststoff und Knarzen. Allerdings ist die Tastatur nicht beleuchtet. Gut ist sie dennoch.
Oder sagen wir: gut genug. Den Langzeittest muss sie noch bestehen. Auch das Display ist zufriedenstellend, aber nicht nicht vergleichbar mit den Premium-MacBooks. Diese Abstriche sind verkraftbar, wenn es das erste MacBook für Schule oder Studium ist und keine Highend-Aufgaben übernehmen muss. Das MacBook Neo ist ein Einstiegsgerät, das sich nicht wie eines anfühlt.
Reparierbarkeit – ungewöhnlich gut für Apple
Defekte Apple-Geräte gibt man bei Apple ab. Man zahlt viel Geld und erhält vielleicht sogar ein Neugerät zurück. Jedoch ungewöhnlich für Apple: Das MacBook Neo lässt sich einfach reparieren. Ein Neo kann die Schulzeit durchhalten und sogar das Studium überstehen. Sonst wird ein MacBook gerne schon nach drei Jahren ausgetauscht.
Die Unterseite des Gehäuses ist mit acht Schrauben befestigt – wie beim MacBook Air und beim MacBook Pro. Der Zugang zu Akku, USB-Buchsen, Kopfhöreranschluss, WLAN- und Bluetooth-Antennen, Lautsprecher und Display ist einfach, da diese nicht verklebt sind.

Bei Tastatur und Trackpad ist das anders, sie lassen sich aber leicht lösen. Die Tastatur ist zusätzlich noch mit Schrauben fixiert. Bemerkenswert: Auch der Akku ist nicht verklebt, sondern verschraubt. Beim Austausch eines defekten Displays muss jedoch das komplette obere Gehäuseteil ersetzt werden.
Einzig RAM und SSD sind auf dem Mainboard verlötet. Sie lassen sich nicht austauschen. Damit ist das MacBook Neo auf 8 GB RAM und einen Speicher von 256 GB oder 512 GB beschränkt. MacOS verschiebt bei Bedarf Daten vom Arbeitsspeicher auf die SSD, was in der Praxis gut funktioniert. Mehr Speicher für Daten muss über USB angeschlossen werden.
Erfolg könnte zum Problem werden
Das MacBook Neo verkauft sich aktuell so gut, dass der Vorrat an Binned A18 Pro Chips ausgehen könnte, bevor der Nachfolger mit dem A19 Pro erscheint.
Der Tech-Analyst Tim Culpan sieht Apple deshalb vor einem „massiven Dilemma". Wenn Apple den A18 Pro nachproduzieren würde, müsste das Unternehmen einen Grafikkern deaktivieren und auf Marge verzichten. Alternativ könnte Apple nur noch den teureren Neo verkaufen, um die Nachfrage etwas zu senken.
Fazit ‒ Apple trifft den Sweet Spot
Das MacBook Neo ist jetzt da, es wird auch bleiben.
Apple hat einen Sweet Spot getroffen: Das Neo sieht toll aus, liefert genug Power für einen Arbeitstag in Schule oder Studium – vor allem aber weit mehr als die schweren Windows-Rechner in knarzenden Plastikgehäusen und mit abgespeckten Werten, weil die Hersteller billige Komponenten verbaut haben.
Man steckt morgens das Netzteil in die Tasche, legt sich irgendwann externen Speicher zu und macht abends im Bett eine Lampe an. Das ist alles verkraftbar – für diesen Preis.
Den erreicht Apple nur durch den cleveren Einsatz eines Prozessors, der sonst Ausschuss gewesen wäre, durch langjährige Erfahrung mit der Produktion von Unibody-Gehäusen und durch ein gutes Gespür für das, was die Menschen wirklich wollen.
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