„Worst Neighbour Ever" auf Netflix: Das wurde aus den kriminellen Nachbarn
Mord, Betrug, Sprengstoffanschläge: Die neue Netflix-Doku zeigt vier erschreckend wahre Geschichten – aber was ist aus den Tätern geworden?

Seit dem 1. Juli ist die vierteilige Doku-Serie „Worst Neighbor Ever" auf Netflix verfügbar. Jede Folge widmet sich einem realen Fall, in dem Nachbarn zu Tätern wurden – mit verheerenden Folgen für ihre Opfer. Ein Überblick über die vier Fälle und den aktuellen Stand der Verurteilten.
Fall 1: Frances Zaayer – Schuss durch die Nachbarschaftstür

Frances Zaayer war mit Shawna Scott aufgewachsen und zog nach ihrer Scheidung zurück in den kleinen Ort Mount Sterling in Kentucky – zunächst sogar vorübergehend bei Shawna und deren Mann David ein. Als Shawna sie im Januar 2017 aufforderte, auszuziehen, eskalierte die Situation. Zaayer bezog ein Nachbarhaus und begann, die Familie systematisch zu schikanieren: Sie schrie das Enkelkind an, ignorierte Grundstücksgrenzen, filmte die Familie und verbreitete falsche Behauptungen in sozialen Medien.
Am 26. Mai 2018 betrat Zaayer das Haus der Scotts und schoss auf beide. Shawna überlebte schwer verletzt, David – ein beliebter Gefängniswärter des Montgomery County – starb. Zaayer wurde unmittelbar nach einer Auseinandersetzung mit der Polizei festgenommen. Im Januar 2022 bekannte sie sich schuldig wegen Mordes, Körperverletzung zweiten Grades und Gefährdung ersten Grades. Sie wurde zu 35 Jahren Haft verurteilt und sitzt derzeit in der Kentucky Correctional Institution for Women. Eine Entlassung auf Bewährung ist frühestens im Mai 2038 möglich, das reguläre Strafende ist für Dezember 2046 vorgesehen.
Fall 2: Die Versicherungsbombe von Indianapolis

Monserrate „Moncy" Shirley lebte seit 2004 in der Wohngegend Richmond Hill in Indianapolis und hatte ein enges Verhältnis zu ihren Nachbarn. Nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hatte, zog ihr neuer Partner Mark Leonard ein – der, wie eine Nachbarin bemerkte, eine Fußfessel trug, was so gar nicht zu seiner angeblichen Wohlhabenheit passen wollte.
In der Nacht zum 10. November 2012 erschütterte eine gewaltige Explosion das Viertel. Das Haus der Shirleys und umliegende Gebäude brannten nahezu sofort nieder. Die jungen Nachbarn Dion und Jennifer Longworth kamen dabei ums Leben. Shirley und Leonard tauchten stundenlang nicht auf – sie befanden sich in einem Casino.
Ermittler fanden bald Hinweise auf Manipulation: offene Gasventile und eine Metallflasche in der Mikrowelle mit Zeitzünder. Die Anklage warf dem Paar vor, das Haus absichtlich mit Gas geflutet zu haben, um Versicherungsgeld zu kassieren. Auch Leonards Bruder Bob war an dem Plan beteiligt.
Shirley einigte sich 2015 auf einen Deal und sagte gegen die Brüder aus. Sie wurde zu 50 Jahren Haft verurteilt und sitzt in der Madison Correctional Facility, früheste Entlassung: September 2036. Mark Leonard wurde in 53 Anklagepunkten schuldig gesprochen, darunter Mord, und zu zweimal lebenslänglich plus 75 Jahre ohne Bewährungsmöglichkeit verurteilt. Er starb am 30. Januar 2018 im Gefängnis. Sein Bruder Bob erhielt ebenfalls zwei lebenslängliche Strafen ohne Bewährung sowie zusätzlich 70 Jahre.
Fall 3: Jamal „JT" Thomas – Obsession mit tödlichem Ausgang

Miles und Melina Armstead lebten mit ihrer Patchworkfamilie in East Oakland, Kalifornien, als ihr Nachbar Jamal „JT" Thomas nach einer Zwangsräumung begann, im leerstehenden Nachbarhaus zu squatten. Thomas machte Miles für die Situation mitverantwortlich und begann, die Familie massiv zu terrorisieren: nächtliches Klingeln, Beschimpfungen und schließlich das Einwerfen von Dutzenden Fensterscheiben.
Obwohl die Armsteads die Polizei mehr als 20 Mal riefen und schließlich eine einstweilige Verfügung erwirkten, blieb Thomas auf freiem Fuß. Die Familie zog schließlich aus. Als Miles am 1. Mai 2020 zurückkehrte, um das Haus für den Verkauf herzurichten, verfolgte Thomas ihn auf offener Straße und erschoss ihn.
Thomas wurde noch am selben Tag festgenommen. 2024 verurteilte ihn ein Gericht wegen Mordes ersten Grades, Körperverletzung mit einer tödlichen Waffe und illegalem Waffenbesitz zu lebenslanger Haft. Er sitzt derzeit im High Desert State Prison, eine Anhörung zur Bewährung ist für Mai 2035 angesetzt.
Fall 4: Caroline Herrling – Betrug, Leiche und ein verschwundenes Vermögen

Caroline Herrling, auch bekannt als Carrie Phenix, hatte laut der US-Staatsanwaltschaft eine Methode entwickelt, gezielt nach vernachlässigt wirkenden Immobilien in wohlhabenden Vierteln zu suchen, um sich Zugang zu verschaffen und die Besitzer auszubeuten. 2020 brach sie gemeinsam mit Komplizen in das Haus von Charles Wilding in Sherman Oaks, Kalifornien, ein.
Im September desselben Jahres starb Wilding unter ungeklärten Umständen. Statt seinen Tod zu melden, ließ Herrling die Leiche im Haus verwesen, während sie und ihre Komplizen sein Vermögen plünderten. Mit gefälschten Vollmachtsdokumenten griff sie auf sein Treuhandvermögen, Immobilien und Bankkonten zu.
Als besorgte Nachbarn im Oktober 2021 nach Wilding fragten und die Polizei das Anwesen überprüfte, traf sie dort Herrling an, die sich als enge Freundin und Treuhänderin ausgab. Ermittler gehen davon aus, dass sie Wildings Leiche später in ihre Wohnung brachte, zerstückelte und in der San Francisco Bay entsorgte. Seine sterblichen Überreste wurden nie gefunden.
Anfang 2023 durchsuchten Ermittler ihre Wohnung und fanden Waffen, Drogen, gefälschte Polizeiausweise und zahlreiche Finanzdokumente Wildings. Herrling wurde verhaftet und bekannte sich im März 2023 schuldig – wegen Verschwörung zum Überweisungsbetrug. Die zuständige Richterin bezeichnete die Tat als „besonders grausam und berechnend". Herrling wurde zu 20 Jahren Bundesgefängnis verurteilt und muss zudem rund 3,9 Millionen Dollar Schadenersatz leisten. Sie verbüßt ihre Strafe derzeit im FMC Carswell in Fort Worth, Texas, mit einem voraussichtlichen Entlassungsdatum am 18. März 2039.









