„Vertrau mir: Der falsche Prophet“ auf Netflix: Das wurde aus den Überlebenden der Doku
Die Netflix-Doku „Vertrau mir: Der falsche Prophet“ schockt mit einer wahren Geschichte über Machtmissbrauch und Sektenstrukturen. Doch was ist nach der Verurteilung von Samuel Bateman aus den Überlebenden geworden?

Die vierteilige True-Crime-Doku zählt aktuell zu den aufwühlendsten Formaten auf Netflix. Im Zentrum steht ein selbsternannter Prophet, der eine religiöse Gemeinschaft manipulierte und schwerste Verbrechen beging. Doch während die Serie mit seiner Festnahme endet, beginnt für viele Betroffene erst danach der eigentliche Kampf zurück ins Leben.
Samuel Bateman: Der „falsche Prophet“ sitzt im Gefängnis

Der Fall rund um Samuel Bateman bildet das Herzstück der Doku. Der ehemalige Anhänger einer fundamentalistischen Mormonensekte baute sich nach dem Sturz eines anderen Sektenführers eine eigene Machtstruktur auf.
Dabei sammelte er Anhänger um sich, nahm mehrere Frauen als Ehefrauen und missbrauchte auch Minderjährige. Besonders perfide: Er ließ sich dabei sogar filmen, weil er glaubte, seine Botschaft werde verbreitet.
2024 wurde Bateman schließlich verurteilt. Das Gericht sprach eine Haftstrafe von 50 Jahren aus, unter anderem wegen Verschwörung zur sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen und Entführung.
Die Überlebenden: Ein Leben nach der Sekte
Die Netflix-Doku zeigt eindrücklich, wie schwer es für Betroffene ist, sich aus solchen Strukturen zu lösen. Besonders deutlich wird das am Beispiel mehrerer Frauen, die sich gegen Bateman stellten.
Alle minderjährigen Opfer sagten vor Gericht gegen ihn aus. Ein entscheidender Wendepunkt war ihre Trennung voneinander: Erst außerhalb der Gruppe konnten viele erkennen, was ihnen angetan wurde. Bei den erwachsenen Frauen ist das Bild komplizierter. Ein Großteil von ihnen steht bis heute noch unter seinem Einfluss und hält an den Überzeugungen fest.
Julia Johnson: Der mutige Ausstieg
Eine zentrale Figur der Doku ist Julia Johnson. Sie stellte sich gegen ihren eigenen Mann und widersetzte sich dem Druck, ihre Töchter an Bateman „abzugeben“.
Unter großem persönlichen Risiko arbeitete sie mit den Ermittlern zusammen und lieferte wichtige Hinweise. Ihr Mut hatte Konsequenzen: Ihre Ehe zerbrach, ihr Mann wurde später zu 25 Jahren Haft verurteilt.
Heute gilt sie als eine der wichtigsten Stimmen gegen die Sekte und steht weiterhin im Austausch mit den Filmemachern.
Nomz und Moretta: Vom Opfer zur Stimme der Aufklärung

Besonders bewegend sind die Geschichten von Naomi „Nomz“ Bistline und Moretta Johnson. Beide waren tief in die Sekte eingebunden und verteidigten Bateman zunächst öffentlich.
Später sagten sie jedoch vor Gericht gegen ihn aus. Beide Frauen verbrachten Zeit im Gefängnis – eine Erfahrung, die für sie zum Wendepunkt wurde. „Gefängnis hat mich befreit“, beschreibt Moretta rückblickend ihre Entwicklung.
Heute gehen sie unterschiedliche Wege: Nomz lebt noch in der Nähe der früheren Gemeinschaft, distanziert sich jedoch klar davon. Sie arbeitet an einem Neuanfang, entdeckt ihre Leidenschaft für Musik und Kunst und setzt sich öffentlich gegen Missbrauch ein.
Moretta hat die Sekte komplett hinter sich gelassen, eine Familie gegründet und ein neues Leben begonnen.
Gefahr bleibt: Bateman hat weiter Kontakt zu Anhängern
Trotz seiner Haftstrafe ist der Einfluss des Sektenführers nicht vollständig gebrochen. Samuel Bateman kann weiterhin Kontakt zu seinen Anhängern halten, unter anderem über Telefonate aus dem Gefängnis.
Experten warnen: Diese Verbindung kann die emotionale Abhängigkeit weiter verstärken. Einige Frauen sehen ihn weiterhin als Märtyrer.
Christine und Tolga: Die Köpfe hinter der Doku
Die Doku basiert maßgeblich auf der Arbeit von Sektenexpertin Christine Marie und Filmemacher Tolga Katas. Sie schleusten sich in die Gemeinschaft ein und sammelten über Jahre hinweg Beweise.
Bis heute leben beide vor Ort und unterstützen die Community. Ihr Ziel: Aufklärung leisten und Betroffenen helfen, sich aus solchen Strukturen zu lösen.
Für Christine ist die Geschichte auch persönlich. Sie selbst wurde früher Opfer eines ähnlichen „falschen Propheten“ und hat ihre Erfahrungen in die Arbeit einfließen lassen.









