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"Utopia": Rainn Wilson über Utopien, Gewalt und "The Office" | Interview

Vom Büronerd zum Top-Virologen: In der Amazon Serie "Utopia" sehen wir "The Office"-Star Rainn Wilson in einer ungewohnten Rolle. Wie seine ganz persönliche Utopie aussieht und was ihn an seiner Rolle als Dr. Michael Stern gereizt hat, verriet er uns im Interview!

Utopia Rainn Wilson Amazon Prime
Rainn Wilson sprach mit TVMovie.de über seine neue Rolle in der dystopischen Amazon Serie "Utopia". Amazon Prime Video

TVMovie.de: Haben Sie die aktuellen weltweiten Umstände und vielen Parallelen zur Serie aktuell überrascht?

Rainn Wilson: Wir haben natürlich nicht geahnt, dass Monate nach Drehschluss plötzlich eine weltweite Pandemie ausbrechen würde, die viele Themen und Inhalte der Serie so stark widerspiegeln würde. Aber nicht nur wegen der Pandemie an sich, sondern natürlich auch die aktuellen Diskussionen rund um Wissenschaft bzw. Verschwörungstheorien finden sich ebenfalls in der Serie. Es gibt viele Themenfelder die „Utopia“ behandelt, die aktuell eben sehr relevant sind. Es wird deshalb spannend sein, was für eine Diskussion bei den ZuschauerInnen durch die Serie entsteht.

John Cusacks Figur stellt in der Serie die ikonische Frage: "Was hast du heute getan, um deinen Platz in dieser überfüllten Welt zu verdienen?" Was wäre Ihre Antwort darauf?

RW: Das ist eine großartige Frage: „Was hast du heute getan, um deinen Platz in dieser überfüllten Welt zu verdienen?“ Das ist eine sehr humanistische und philosophische Frage, die meiner Meinung nach bis in die Tage von Sophokles und Plato zurückreicht, die damals schon gefragt haben, warum wir überhaupt leben und was unser Platz in der Welt ist.

Meiner Meinung nach besitzen wir alle gottgegebene Talente und Fähigkeiten und versuchen sie zu nutzen und zu verbessern, gleichzeitig ist es aber auch wichtig zurückzugeben, anderen zu helfen und zu versuchen die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Es geht nicht nur darum unser Leben zu verbessern, sondern das von anderen Menschen besser zu machen. Das gelingt mir natürlich auch nicht immer.

Sie sprechen gerade davon, dass man versuchen sollte die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Die Serie heißt nicht umsonst Utopia. Wie sieht ihr persönliche Utopie aus?

Das ist eine großartige Frage. Utopia ist für mich etwas, nach dem man strebt. Als ich aufgewachsen bin, haben die Menschen oft von Weltfrieden gesprochen und dass dieser möglich sei. Heutzutage fangen die Meisten hingegen an ihre Augen zu rollen, wenn man von Weltfrieden spricht: „Das ist doch nur komplett naiv und dumm. Es wird nie Weltfrieden geben.“ Die Menschen sind sehr zynisch geworden. Für mich bedeutet Utopia eben nicht mehr zynisch zu sein, sondern wirklich nach einer besseren Welt zu streben – mit mehr Einigkeit und gleichzeitig auch mehr Diversität. John Lennon sagte ja: „Ich bin ein Träumer, aber nicht der Einzige“. Ich denke, dass es da draußen noch einige Träumer gibt. Und wir müssen alle hart daran arbeiten, dass die Welt sich bessern kann.

Wie wollten sie ihre Figur Michael Stern porträtieren?

Ich schaue mir als Darsteller gerne an, welche Entwicklung die Figur macht, die ich spiele. Wo beginnt die Geschichte von Michael Stern? Im Keller eines kleinen Instituts, in dem er als recherchierender Wissenschaftler nicht respektiert wird. Er bekommt einfach keine Förderung. Doch dann bekommt er über Umwege heraus, dass er m,it dem Virus, der in der Welt wütet und eine Pandemie verursacht, bestens bekannt ist, weil er ihn selbst entdeckt hat. Und plötzlich ist er auf der Weltbühne und muss damit zurechtkommen: Er ist ein Retter, er ist ein Hassobjekt, er wird verantwortlich gemacht und steht in der Presse. Er macht eine unglaubliche Verwandlung von jemandem, der so klein war und plötzlich so wichtig wird. Es ist wirklich, wie eine verrückte Achterbahnfahrt. Und als Darsteller war es für mich ziemlich aufregend diese Achterbahnfahrt mit Dr. Michael Stern anzutreten.

Was war ihr liebster Moment am Set?

Es gibt eine Folge, in der ich gefoltert werde. Und ich wurde noch nie in einer Rolle zuvor gefoltert. Das war tatsächlich ziemlich aufregend und spaßig, weil ich die Erfahrung einer Fake-Folterung eben noch nie gemacht habe.

Gab es eine besondere Herausforderung für Sie beim Dreh?

Die größte Schwierigkeit war es den Schauspielstil gut hinzubekommen. Auf der einen Seite ist die Serie nämlich sehr realistisch, aber oft auch absichtlich sehr übertrieben. Die Mischung aus schwarzem Humor, Thriller und eben einer gewissen Realitätsnähe war nicht so einfach hinzubekommen.

Gibt es für sie eigentlich auch Parallelen zwischen Dr. Michael Stern und ihrer Kultrolle Dwight Schrute aus "The Office"? Und wie geht es ihnen damit, dass auch heute noch viele Menschen "The Office" für sich entdecken?

Rainn Wilson in "The Office" als Dwight Schrute
Rainn Wilson als "Dwight Schrute" in "The Office"        imago images / Everett Collection

Es gibt einige Parallelen zwischen Dwight und Michael. Beide sind sehr verbissen, haben einen starken Willen und versuchen den Problemen auf den Grund zu gehen. Und natürlich macht es mich stolz, dass viele Menschen „The Office“ lieben und neu entdecken, gerade, weil die Serie nicht unbedingt ein Hit war, als sie das erste Mal ausgestrahlt wurde. Und jetzt, knapp sieben Jahre nach der finalen Ausstrahlung, kennt sie fast jeder. Es ist wirklich verrückt.

Die Serie ist durchaus brutal und zeigt die Gewalteskapaden auch sehr detailliert: Wie stehen sie zu Gewalt in solchen Formaten?

Naja, sie ist nicht so brutal wie „The Boys“ (lacht). Die Zuschauer erwarten ein gewisses Maß an übertriebenen Gewaltspitzen in so einer Produktion und so lange das in einem gewissen Rahmen ist, finde ich das okay. Wenn in einer Serie die Gewalt plötzlich so übertrieben präsent wäre, dass sie die Geschichte überschattet, wäre das meine Grenze. Gewalt sollte also immer Hand in Hand mit der Geschichte vorkommen. Die Gewalt in den Filmen von Quentin Tarantino ist bspw. beachtlich, aber sie scheint immer Teil seiner Geschichten zu sein. So wie er die Geschichte erzählt, hat sie ihren Platz.

Interview & Text: David Rams

"Utopia" startet am 30. Oktober 2020 exklusiv auf Amazon Prime Video in Deutschland. Einen Trailer zur Serie seht ihr hier:

 


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