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"Utopia": John Cusack über Fake-News, Donald Trump und Dystopien | Interview

In der Amazon Prime-Serie "Utopia" spielt John Cusack einen milliardenschweren Wissenschaftler, der dem Klimawandel den Kampf ansagt, doch möglicherweise zu einem hohen Preis! Wir konnten mit dem Hollywood-Star zum Start der Serie über die wahre aktuelle Bedrohung reden.

Utopia mit John Cusack
Zum Start der brandneuen Amazon Serie "Utopia" konnten wir mit Schauspieler John Cusack sprechen! Amazon Prime Video

Im Kern mag sich "Utopia", die Neu-Adaption der gleichnamigen britischen Kultserie aus dem Jahr 2013, wie eine abgedrehte und zutiefst zynische Dystopie anhören. Doch in Zeiten von Klimawandel, weltweiten Pandemien und zerstörerischer Globalisierung ist "Utopia" trotz aller stilistischen Überhöhungen erstaunlich aktuell. Das sieht auch Hollywood-Legende John Cusack so, der in der Amazon-Serie die erste (!) große Serienrolle in seiner beeindruckenden Schauspielkarriere übernimmt.

Was ihn an der Rolle als Dr. Kevin Christie tatsächlich gereizt hat und wie er die aktuelle weltweite Bedrohung tatsächlich wahrnimmt, verriet uns John Cusack im Interview mit TVMovie.de-Redakteur David Rams. Das Interview zu „Utopia“ mit Jon Cusack lest ihr hier:

TVMovie.de: Warum hat es mit Ihrer ersten Serienrolle so lange gedauert?

John Cusack: Mir wurde ehrlich gesagt zuvor noch nichts in dieser Richtung angeboten, dass ich sehr gut fand und unbedingt machen wollte. Das war das erste Serienprojekt, für das ich angefragt wurde, dass eine fantastische Autorin an Bord hatte. Und es ist einfach eine großartige Rolle. Es war wirklich ein No-Brainer für mich, spätestens als mir Gillian die Drehbücher zu allen acht Folgen geschickt hatte. Ich konnte einfach nicht aufhören weiterzulesen und war an einem Tag mit allen Drehbüchern durch.

Wie würden sie ihre Figur in der Serie beschreiben?

Utopia John Cusack Amazon Prime Video
John Cusack spielt Dr. Kevin Christie in "Utopia" Amazon Prime Video

JC: Dr. Kevin Christie ist ein milliardenschwerer Philanthrop, Wissenschaftler und Virologe. Er ist jemand, der daran glaubt, dass er die Welt durch Wissenschaft zu einem besseren Ort machen kann. In der Serie startet er eine Revolution, weil er Nahrung herstellt, die aus dem Labor kommt und kein Land oder Wasser braucht. Allerdings erleidet er einen schweren Rückschlag, als herauskommt, dass die Nahrung möglicherweise für einem schweren Virenausbruch mitverantwortlich sein könnte.

Dr. Kevin Christie sagt in der Serie mehrfach den ikonischen Satz: "Was hast du heute getan, um deinen Platz in dieser überfüllten Welt zu verdienen?" Haben sie sich mit der Brisanz dieser Aussage auch privat schon auseinandergesetzt?

JC: Es ist sicher auch eine Frage, die auf die soziale Gerechtigkeit in der Welt abzielt und mit der sich viele Menschen tagtäglich auseinandersetzen. Gerade, wenn man sich anschaut, dass die Weltideologien des vergangenen Jahrhunderts, der Kapitalismus und der Kommunismus, im Endeffekt den gleichen Schaden angerichtet haben, nämlich die Eingeweide der Erde herauszureißen und den Planeten nicht nachhaltig zu machen. Deshalb stellen sich diese provokante Frage viele Menschen, die überlegen müssen, wie sie in dieser sehr komplizierten Welt tatsächlich moralisch handeln können.

Das Timing der Serie könnte jedenfalls kaum "besser" sein: Hat Sie das auch etwas erschreckt?

JC: Einerseits ist die Aktualität tatsächlich überraschend, gleichzeitig sind dystopische Themen wie globale Erderwärmung, Migration, Klimawandel und endlose Kriege selbstverständlich nicht neu. Es sind moderne Krisen, mit denen sich Menschen schon seit vielen Jahren auseinandersetzen. Als wir mit den Dreharbeiten gestartet haben, gab es jedoch keine weltweite Pandemie, das war schon erschreckend.

Ein sehr ernster Auswuchs der Pandemie sind Verschwörungstheorien, die eine ganz neue Plattform bekommen und auch in der Serie thematisiert werden. Macht ihnen Angst, was Verschwörungstheorien möglicherweise mit der Gesellschaft anstellen könnten?

JC: Was wir aktuell beobachten, sind Social-Media-Firmen, die in Wirklichkeit jedoch nur Daten sammeln und mit ihren Algorithmen die Ängste und Vorurteile der Menschen befeuern. Die allergrößte Gefahr liegt also darin, dass diese Firmen von den größten Ängsten und den schlimmsten Instinkten der Menschen am meisten profitieren. Deshalb müssen Plattformen wie Facebook tatsächlich zur Verantwortung gezogen werden, weil sie Falschinformationen ungefiltert weiterverbreiten.

Und natürlich haben wir da noch den aktuellen Bewohner des Weißen Hauses, der genauso oft lügt, wie er atmet. Nach Trumps Town Hall hat ein Journalist namens Dale Davis bei CNN innerhalb von drei Minuten Trumps komplette Lügen auseinandergenommen. Und es war nur die Spitze des Eisbergs. Wir haben deshalb eine sehr beängstigende Situation in den Vereinigten Staaten, weil es sehr viele Profiteure von Falschinformationen, Hass und Panikmache gibt. Und nicht nur wird Poesie von Algorithmen ersetzt, sondern es werden auch echte Fakten von jenen Firmen attackiert, die von diesen Algorithmen profitieren. Das ist meine ehrliche Antwort auf Ihre Frage.

Text & Interview: David Rams

"Utopia" startet am 30. Oktober 2020 exklusiv auf Amazon Prime Video in Deutschland. Einen Trailer zur Serie seht ihr hier:

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Um diese Story zu erzählen, hat unsere Redaktion ein Video ausgewählt, das an dieser Stelle den Artikel ergänzt.

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