„Unfamiliar“: Mr. & Mrs. Smith lassen grüßen – Kritik zur neuen deutschen Netflix-Serie
„Unfamiliar“ ist die neueste deutsche Netflix-Serie und ein großer Hoffnungsträger. Doch was kann man von der Agenten-Show erwarten, und ist sie überhaupt gut?

Seit „Dark“ (2017) sind einige Jahre ins Land gezogen, und deutsche Netflix-Produktionen sind nichts mehr Neues – und mittlerweile auch ein Garant für renommierte Preise. Denn immerhin konnte der Netflix-Film „Im Westen nichts Neues“ sogar den Oscar als bester fremdsprachiger Film gewinnen. Nun tritt „Unfamiliar“ auf den Plan, eine Agentenserie, die in Berlin spielt. Doch hat ebenjene Serie denselben Award-Appeal wie andere deutsche Netflix-Produktionen, oder kochen die Agenten in Berlin mit ganz lauwarmem Wasser?
„Unfamiliar“: Worum geht es in der neuesten Netflix-Serie?
Simon (Felix Kramer) und Meret (Susanne Wolff) sind zwei ehemalige Agenten des BND, die das turbulente Leben der Spionage hinter sich gelassen haben. Stattdessen führen die beiden mit ihrer Tochter Nina ein geregeltes Leben … zumindest scheint es so, denn insgeheim verdienen die Ex-Agenten ihren Unterhalt als Betreiber und Betreiberin eines Safehouses. Dort versorgen sie geheim agierende Gestalten mit einem sicheren Unterschlupf – ein Konzept, das aufgeht, bis sich ein Spion in das Safehouse einschleust, um für einen russischen Auftraggeber (Samuel Finzi) Informationen über das Ehepaar zu sammeln. Plötzlich steht das gesamte Leben der Eheleute auf der Kippe, denn nicht nur böse Mächte drohen, die beiden zu entzweien, sondern auch Geheimnisse untereinander …
Männer in die Küche: Die große Stärke von „Unfamiliar“

Um mit einem großen Lob zu beginnen: „Unfamiliar“ bricht mit Genreklischees (wenn auch nicht mit allen) und würfelt die Rollen neu aus. Meistens ist man es gewohnt, dass in diesen Agenten-Inhalten der Mann die Schläge austeilt und auf seine Frau aufpasst, aber hier handhabt man das etwas anders – und das, ohne irgendeine Agenda zu fahren.
Denn Ehemann Simon ist eher der einfühlsame und gebrechliche Typ, der dennoch zu kämpfen weiß, während seine Frau Meret sich häufig in die Action stürzen muss. Statt darauf zu warten, gerettet zu werden, ist sie meist der aktive Part und infiltriert, observiert, massakriert oder pariert. Dabei wird einem das aber nie unter die Nase gerieben, wie das „Charlie’s Angels“-Reboot es 2019 tat. Viel eher wird anerkannt, dass Mann und Frau sich ebenbürtig sind und beide gleich gute Agenten sein können, ohne dass es so wirkt, als würde man eine starke Frauenrolle brauchen, damit es eine starke Frauenrolle gibt. Gleichzeitig scheut man sich auch nicht, ein modernes Männerbild zu zeigen, das sowohl in der Küche als auch auf dem Schlachtfeld stehen kann.
„Unfamiliar“? Wohl kaum: Warum sich die Netflix-Serie wahnsinnig vertraut anfühlt
„Unfamiliar“ ist zwar eine sehr moderne Agentenserie, was die Hauptfiguren angeht, aber inhaltlich könnte man kaum schablonenhafter sein. Wer jemals einen Agentenfilm gesehen oder sich generell irgendetwas mit Agenten gewidmet hat, wird schnell erkennen, dass vieles hier ein Aufguss vergangener Ideen ist.Es wirkt häufig so, als würde man zusehen, wie jemand eine Checkliste abhakt: skrupelloser Russe? Check. Taten aus der Vergangenheit, die einen einholen? Check. Geheimnisse untereinander? Check.
Häufig bekommt man das Gefühl, einen Aufguss aus „Mr. & Mrs. Smith“ (2005) und „Black Bag“ (2025) zu sehen, aber ohne jemals wirklich unterhalten zu werden. Man ist einer Art Hintergrundrauschen ausgesetzt, bei dem es stellenweise schon fast spaßiger ist, ein Ratespiel zu spielen, aus welchen Filmen und Serien man verschiedene Elemente in den Episoden kennt. Dazu kommt eine Nebengeschichte rund um den BND, die sich so anfühlt, als hätte jemand die Büroarbeit eines „Tatort“ abgefilmt – und fertig ist die herrlich durchschnittliche Agenten-Suppe.
„Unfamiliar“: Zwischen Highlight und Lowlight
Es ist stellenweise frustrierend, wie unsäglich durchschnittlich „Unfamiliar“ ist. Denn per se wäre die Chance dagewesen, das Agenten-Genre in ein neues Jahrtausend zu katapultieren, aber stattdessen wurde hier alles so sicher gespielt, dass die Serie genauso gut in einem Safehouse aufbewahrt wäre.
Denn das Spannendste an „Unfamiliar“ sind noch die Hauptfiguren Simon und Meret, die man kontinuierlich anfeuert. Dennoch stolpern die beiden so vertraut durch das Geschehen, dass man ihnen am liebsten eine DVD von „Mr. & Mrs. Smith“ schenken würde – denn diese hat definitiv die Antworten auf die meisten ihrer Probleme.
Wer noch nie etwas mit Agenten, Agentinnen und bösen Russen gesehen haben sollte – was sehr schwierig ist –, wird hier definitiv auf seine oder ihre Kosten kommen. Aber all jene, die sich von „Unfamiliar“ die langerwartete Serie erhofft haben, die das Loch füllt, das „Dark“ hinterlassen hat, werden eher enttäuscht sein …









