„23.000 Leben“: Nach dem Gerichtssieg kämpft „Jugend rettet“ um 800.000 Euro
„23.000 Leben“ erzählt die wahre Geschichte der Organisation „Jugend rettet“. Doch wie ging es nach den Ereignissen des Netflix-Films weiter? Wir zeigen, was aus der Initiative geworden ist.

Die Iuventa-Crew hat nach siebenjähriger Odyssee vor dem Gericht in Trapani einen vollständigen Freispruch von allen Anklagepunkten erhalten – doch der Befreiungsschlag ist teuer. Die Seenotretter:innen haben allein für ihre Verteidigung bereits 80.000 Euro aufgebracht und kämpfen nun um die Rückzahlung dieser gesammelten Spenden.
Der Weg zum Freispruch
Die Crew hatte sich seit August 2017 gegen den Vorwurf der Beihilfe zur illegalen Migration verteidigt. Bei einer Verurteilung hätten ihnen bis zu 20 Jahre Haft und Strafen in Millionenhöhe gedroht. Am 19. April 2024 stellte das Gericht in Trapani das Vorverfahren ein, ohne dass es zu einem Hauptprozess kam. Der Richter entschied, dass keine der Handlungen der Iuventa-Crew eine Straftat darstellte. Damit endete eines der längsten und teuersten Strafverfahren gegen Seenotrettungsorganisationen in Europa.
Die 80.000 Euro: Spenden für die Freiheit
Die 80.000 Euro Verteidigungskosten, die die Crew bereits aufgebracht hat, wurden vollständig durch Spenden und Solidaritätsveranstaltungen finanziert. Diese Gelder waren von zehntausenden Spender:innen für den Kampf gegen das Sterben im Mittelmeer gesammelt worden – nicht für Gerichtskosten.
Schiff als Wrack zurückgegeben
Nicht nur die finanziellen Belastungen sind dramatisch: Die Iuventa wurde der „Jugend rettet“ als Wrack zurückgegeben. Der entstandene Schaden und Wertverlust belaufen sich nach eigenen Berechnungen auf über 200.000 Euro.
Parallel dazu verklagt die Crew das italienische Ministerium für Infrastruktur und Verkehr auf Entschädigung, da der Staat, der das Schiff zerstören ließ, bislang nichts zahlt.
Ein juristischer Sieg reicht oftmals nicht
Der Freispruch ist ein wegweisendes Urteil für Menschenrechte und bestätigt die Rechtmäßigkeit der Seenotrettung. Doch hinter diesem Sieg stehen schmerzhafte Verluste: Die Verteidigungskosten von 80.000 Euro, die nie für diesen Zweck gesammelt wurden, und ein zerstörtes Rettungsschiff, das Menschen retten sollte.
Die Crew ruft zu weiteren Spenden auf, um die anstehenden Klagen gegen den italienischen Staat zu finanzieren und die Reparatur der Iuventa zu ermöglichen. Der Sieg vor Gericht ist gewonnen, aber der Kampf um gerechte Entschädigung geht weiter.
Falls du noch mehr über den Film „23.000 Leben“ erfahren möchtest, findest du hier unser Interview.






