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"The Witcher": Henry Cavill über die Rolle seines Lebens | Interview

In "The Witcher" spielt Henry Cavill den Hexer Geralt von Riva und verkörpert damit eine Rolle, auf die er sich sein ganzes Leben vorbereitet hat. Im Interview mit "TV Movie Online" beschreibt der Schauspieler seine besondere Beziehung zu Geralt und verrät, welche Verbundenheit er bereits als Kind zu Fantasy verspürte. 

Henry Cavill
"The Witcher": Henry Cavill über die Rolle seines Lebens | Interview Foto: Netflix

Mystische Wesen, Magie und Schwertkämpfe: Henry Cavill verkörpert in der neuen Netflix-Serie "The Witcher" den Hexer Geralt von Riva. Die Serie basiert auf den acht Fantasy-Romanen der "Geralt-Reihe" von Andrzej Sapkowski und Przemysław Truściński. Das preisgekrönte Game "The Witcher 3: Wild Hunt" orientiert sich ebenfalls an den Büchern, wurde jedoch mit einigen neuen Features ausgestattet und in seiner Story erweitert.

Das über 100-Stündige Spiel, die acht Bücher, sowie die neue Netflix-Serie erzählen die Geschichte von Geralt, einem einsamen Monsterjäger und Hexer mit besonderen Fähigkeiten. Während seiner Reise durch eine rätselhafte Welt, jagt er Kreaturen und muss versuchen, seinen Platz in dieser Welt zu finden. Wie die Bestimmung es vorsieht, führt ihn sein Weg zur mutierten Hexe Yennefer, sowie der geheimnisvollen Ciri. Gemeinsam müssen die Drei versuchen, in ihrer Welt zu überleben. Im "TV Movie Online" Interview erzählt Hauptdarsteller Henry Cavill wie es war, sich in die Figur "Geralt" zu verwandeln und welche persönliche Verbindung er zu "The Witcher" hat. 

Henry Cavill
Geralt von Riva (rechts) in Kampfstellung gegen Königin Cintra (links).  Foto: Netflix

TV Movie Online: „Was waren Ihre ersten Erfahrungen mit 'The Witcher'? Haben Sie die Bücher gelesen?“

Henry Cavill: „Meine erste Erfahrung damit habe ich gemacht als 'The Witcher 2' herauskam. Damit habe ich aber nicht viel Zeit verbracht, da ich viel gearbeitet habe. 'The Witcher 3' erschien 2015 und damit habe ich mich wirklich intensiv beschäftigt. Seit es herauskam, habe ich es zweieinhalb Mal durchgespielt. Erst als ich mich mit Lauren [Schmidt Hissrich] getroffen habe, habe ich erfahren, dass das Spiel auf den Büchern basiert. Das wusste ich nicht. Ich habe einfach angenommen, dass die Spiele der Ursprung [der Bücher] waren. Anschließend habe ich die Bücher gelesen und ich liebe sie! Sapkowskis Art zu schreiben ist außergewöhnlich. Schon als kleiner Junge liebte ich das Fantasy-Genre. Als ich hörte, dass Netflix daraus eine Serie macht, versuchte ich direkt einen Fuß in die Türe zu setzen.“

„Also haben Sie sich stark auf die Rolle fokussiert?“

„Ja! Selten gab es eine Rolle, bei der ich mir dachte, dass das genau der Grund ist, warum ich Schauspieler wurde. Das ist es, was ich als Schauspieler machen will - und das sind die Geschichten, die ich selbst erzählen will. Am Ende kam 'The Witcher' dabei heraus. Ich wollte sichergehen, dass mir zumindest die Möglichkeit für die Rolle [als Geralt] gegeben wird. Ich habe mich selbst zuallererst ins Gespräch gebracht und mich mit Lauren getroffen. Als der ganze Casting-Prozess nach sieben Wochen vorbei war und sie niemanden gefunden hatten, baten sie mir ein Vorsprechen an. Das machte ich dann am selben Nachmittag noch.“

„Sie hatten bereits eine grobe Idee von Geralts Figur. Hat Ihnen dieses Vorwissen bei der Umsetzung geholfen?“

„Ja, absolut. Ich habe mich mein ganzes Leben lang auf diese Rolle vorbereitet, die Spiele gespielt und mir dann vorzustellen, wie man daraus eine Serie oder einen Film machen kann. Man hat durch das Spiel eine sehr enge Verbindung mit den Protagonisen, besonders nachdem man 200 und mehr Stunden mit ihnen verbracht hat. Es ist total mein Ding. Es gab mir also definitiv einen enormen Vorteil, als es darum ging, wie sie die Figur [in der Serie] präsentieren wollen. Dennoch orientierte sich Lauren eher an den Büchern, was dazu führte, dass es trotzdem etwas anders wurde - aber ich wollte immer sichergehen, dass ich diese Figur als Schauspieler so echt wie möglich rüberbringen konnte.“

„Geralts Figur ist sehr emotionslos. Wie konnten Sie das richtig rüberbringen?“

„Das erste Buch ist sehr komplex und voll von Geralts langen Gesprächen. Ich musste unzählige Monologe lesen. Wenn man [wie im Fall der Serie] die Figuren vom Ende des ersten zweiten Buchs direkt an den Anfang der Geschichte packt, wie mit Yennefer und Ciri, dann wird der ganze Rahmen der Geschichte verändert. Für mich war es besonders wichtig, die Essenz zu verstehen - wer Geralt ist. Was ich an dem Buch so besonders finde ist, dass Geralt genau weiß, wie er mit den Leuten umgehen muss oder wie man zu einem König und einer Königin sprechen muss. Wenn das Gespräch dann aber weiterläuft und diese Person versucht, ihn zu manipulieren, wird er immer direkter. Dann wird Geralt immer mehr zum Hardliner. [...] Und diese Eigentschaft von ihm herüberzubringen war sehr wichtig für mich. Deshalb habe ich meine Stimme so verändert, weil das eine gewisse Bedeutung hat. Und ein kleines Wort in dieser Stimme - oder vielleicht kein einziges Wort - kann [bei ihm unglaublich viel] Bedeutung haben.“

„Die Stimme von Geralt ist wirklich sehr tief und männlich. Das war also wirklich Ihre eigene Stimme, ganz ohne nachträglicher Bearbeitung?“

„Es ist meine Stimme. Ich habe Lauren beim Vorsprechen gefragt: 'Soll ich eine kratzigere Stimme machen oder so?' und sie entgegnete, dass ich sie so lassen sollte, wie sie ist. Beim Dreh kam es zu einem Punkt, an dem etwas nicht ganz passte. Ich fühlte mich, als würde [meine Performance] nicht genug Gewicht haben und habe überlegt, wie ich das verändert könnte. Es ist am nächsten Morgen automatisch passiert. Ich habe in einer Szene meine Stimme verändern, ohne es zu merken: 'Oh, oh, haben wir die ganze Szene mit einer anderen Stimme gedreht?' Ich denke, am meisten habe ich mich von Doug Cockles' Spiel inspirieren lassen. Ich wollte seine Stimme nicht kopieren. Das, was er tat, ist seine eigene, einzigartige Leistung. Seine Stimme ist wie ein kratziges Flüstern. Ich habe weniger geflüstert und dafür rauer gesprochen. Das hat es mir ermöglicht die Figur durch sehr wenig Dialog zu tragen.“

War Verwandlung in Geralt sehr aufwendig?

„Ja, absolut, es war eine große Veränderung. Während der zweistündigen Transformation half es mir wirklich sehr, mich in ihn hineinzuversetzen. Das war ein großer Spaß. Und ich fand es unglaublich nützlich, als ich nach zwei Stunden, in denen sie in der Maske mit Make-Up und Haaren zu Gange waren, im Spiegel eine ganz andere Person anschaute. Ich mochte die Kontaktlinsen, denn zum einen half mir der Look, mich in die Figur zu verwandeln, aber eben auch die Art und Weise, wie die Menschen deshalb mit mir interagierten. Vielleicht hat es auch [den übrigen DarstellerInnen] bei ihrer Performance gehofen [...]. Eigentlich durfte ich sie nur drei Stunden lang tragen... natürlich haben wir das überzogen."

„Man sagt, dass Hexer keine Emotionen haben. Wie ist es für Geralt dann überhaupt möglich, Mitgefühl zu zeigen und Yennefer zu lieben?“

„Weil sie eben doch Emotionen haben. Witcher behaupten lediglich, nichts zu fühlen, weil sie dadurch mehr Geld verdienen. Wenn ich [Geralt] mit einem Anführer darüber verhandle, ein Monster zu töten, und er denkt, dass ich keine Emotionen habe, dann wird er nicht versuchen, mich runterzuhandeln. Die Diskussion endet oft sehr schnell, weil sie an den Mythos glauben [...]. Außerdem sparen [Hexer] nicht, müssen also so viel Geld wie möglich verdienen.“

„Sie sagten, dass sie schon immer das Fantasy-Genre liebten. Was genau fasziniert Sie daran?“

„Ich liebe das Abenteuer. Ich liebe die Idee von Drachen, Ritter, Helden, Heldinnen und Magie. Es ist eine Art Geschichten zu erzählen. Ich habe es als Junge genossen in diese Welt zu flüchten. Man sieht auch, wie diese Figuren unglaubliche Veränderungen durchlaufen. Sie alle durchleben ein bemerkenswertes Wachstum und so erlebt man - besonders als kleiner Junge - das Leben anderer Menschen, denen man vertraut. Durch das Lesen der Erfahrungen anderer, entstand auch viel persönliches Wachstum. [Es spielt keine Rolle], ob es nun die Erfahrungen des Autors waren, die er den Figuren andichtet, oder ob sie von jemandem stammten, den der Autor kannte. Ich weiß nicht, aber mit vielen dieser Geschichten sieht man liebende Menschen, man sieht Menschen, die sich von der Liebe entfernen, man sieht Menschen, die eine große Veränderung durchlaufen, man sieht Menschen mit großer Kraft und wie sich das auf sie im Leben auswirkt - ob positiv oder negativ. All das macht mich zum Fantasy-Fan.“

„Diese Rolle war körperlich sehr anstrengend. Was reizt Sie an solchen Rollen?“

"Ich halte mich für eine starke und belastbare Person. Ich genieße es, Dinge physisch auszudrücken, ob Kampfszenen oder Stunts oder was auch immer. Das gefällt mir auf jeden Fall. Ich komme aus einer sportlichen Familie. Wir waren schon immer viel unterwegs, um neue Orte zu finden und aufregende Dinge zu erleben. Ich habe einen Bruder, der beim Militär war und wir sind genau die Art von Menschen, die sich viel körperlich ausdrücken. Das ist genauso wichtig, wie sich durch eine Schauspiel-Szene ausdrücken zu können."

„Gab es irgendwelche Unfälle am Set?“

„Es gab hier und da ein paar Prellungen und blaue Flecken aber nichts, was ich nicht überlebt hätte, und nichts, was die Produktion frühzeitig gestoppt hat.“

Die 1. Staffel von "The Witcher" ist seit dem 20. Dezember auf Netflixzu sehen. 

 

Interview & Text: Julia Rupf 

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