„The Shards“: Wer ist der Trawler? Könnten Robert, Bret oder Susan hinter dem Serienmörder stecken?
Ein Serienmörder terrorisiert Los Angeles – und die Highschool von Buckley bleibt nicht verschont. Wer steckt wirklich hinter der Maske des Trawlers?

Im Zentrum der Mystery-Serie „The Shards“ steht die Frage nach der wahren Identität des Trawlers, eines Serienmörders, der Los Angeles und die Buckley School zu seinem Jagdrevier gemacht hat. Nach der Veröffentlichung der Episoden drei und vier haben zwei Darsteller der Serie in einem Interview bereits erste Hinweise fallen lassen – Grund genug, sich die aktuellen Verdächtigen genauer anzusehen.
Fiktion trifft Autobiografie
Ryan Murphys neueste Serie basiert auf dem gleichnamigen, autofiktionalen Roman von Bret Easton Ellis. Die Hauptfigur Bret (gespielt von Igby Rigney) orientiert sich dabei erkennbar am berühmten Autor selbst. Zwar borgt sich Bret einzelne Charakterzüge seiner damaligen Highschool-Mitschüler, und auch das Setting der 1980er-Jahre ist authentisch – die eigentliche Handlung der Geschichte, inklusive des Serienmörders, ist jedoch komplett erfunden.
Der Trawler begnügt sich nicht mit dem bloßen Mord an seinen Opfern: Er verfolgt sie zunächst, entführt ihre Haustiere und unterzieht sie grausamen Torturen. In einer besonders verstörenden Szene wird Matt Kellner (Owen Painter) gezwungen, seinen eigenen Fisch zu essen – eine Aufnahme der Tortur wird später an Bret geschickt. Die Gewalt rückt der Buckley School zunehmend näher: In Episode drei wird die Schülerin Really Rhonda (Ivy Wolk) nach einem Besuch der Rollschuhbahn entführt.
Bret als unzuverlässiger Ermittler
Bret, der als Einziger von den Vorfällen wirklich beunruhigt zu sein scheint, führt eigenmächtig seine eigenen Ermittlungen durch. Dabei verstrickt sich seine Besessenheit zunehmend mit Robert Mallory (Homer Gere). Am Ende der dritten Episode entdeckt Bret auf einem Grundstück, das Robert genutzt hatte, eine blutbefleckte Schuluniform, unter der sich ein lebender Leguan befindet.
Wer den Roman kennt, weiß jedoch: Bret ist als Erzähler unzuverlässig. Das wird auch in Episode vier deutlich, als er versucht, seine Freunde von Roberts Gefährlichkeit zu überzeugen, dabei aber seinen eigenen Fund verschweigt. Je tiefer man in den Fall eintaucht, desto undurchsichtiger wird die Sachlage.
Die Hauptverdächtigen: Robert und Bret

Bislang zeichnen sich zwei Hauptverdächtige ab: Robert und Bret selbst. Robert ist dabei offensichtlich derjenige, auf den die Serie die Aufmerksamkeit der Zuschauer lenken möchte. Sein Auftauchen an der Buckley School fällt zeitlich mit der wachsenden Bedrohung durch den Trawler zusammen, und er lügt darüber, wo er das vergangene Jahr verbracht hat.
Hinzu kommt, dass Bret eine Verbindung zwischen Robert und dem Grundstück mit der blutigen Uniform entdeckt – und Episode vier lässt ihn noch verdächtiger erscheinen. Bret erfährt, dass Roberts Mutter unter mysteriösen Umständen gestorben ist und er anschließend Zeit in einer psychiatrischen Einrichtung verbrachte. Als Bret ihn auf Susans Party scheinbar zur Rede stellt, bricht Robert regelrecht zusammen: Er trinkt trotz seiner Medikamente exzessiv, wirkt zunehmend unberechenbar und landet schließlich im Swimmingpool, aus dem er gerettet werden muss.
Diese Szene lässt sich allerdings auch anders deuten. Roberts Zusammenbruch könnte ebenso gut die Reaktion eines Menschen sein, dessen dunkelstes Geheimnis fast aufgedeckt wurde – oder schlicht die Folge einer bösen Bemerkung Brets sein (was genau Bret ihm auf der Party zuflüstert, bleibt für die Zuschauer unhörbar).
Auch Bret selbst gerät zunehmend unter Verdacht. Die Serie erinnert wiederholt daran, dass ein Großteil der Handlung aus seiner subjektiven Perspektive erzählt wird, und Episode vier liefert einen weiteren Grund, seinen Aussagen nicht blind zu vertrauen: Er hält wichtige Informationen vor seinen Freunden zurück, während er gleichzeitig versucht, sie von Roberts Gefährlichkeit zu überzeugen, und beginnt zunehmend, seine eigenen Motive zu hinterfragen.
Die Serie interessiert sich zudem sichtlich für die Geschichten, die Bret sich über die Menschen in seinem Umfeld zusammenreimt – setzt er dabei tatsächlich Hinweise zusammen, die alle anderen übersehen, oder zwingt seine Fixierung auf Robert unzusammenhängende Ereignisse in eine Erzählung, die für ihn selbst Sinn ergibt? Nach vier Episoden liefert die Serie bewusst noch nicht genügend Informationen, um diese Frage zu beantworten.
Die Darsteller sorgen für zusätzliche Verwirrung
In einem aktuellen Interview mit Decider heizten die Darsteller von Bret und Robert, Igby Rigney und Homer Gere, das Rätselraten zusätzlich an. Auf die Bemerkung des Interviewers, man habe während der Pool-Szene Mitleid mit Robert gehabt, bedankte sich Gere zunächst – woraufhin Rigney einwarf: „Stellt euch nicht auf die Seite dieses Kerls!“
Gere konterte: „Das weiß ich zu schätzen … Igby ist ein furchtbarer, furchtbarer Mensch.“ Rigney blieb dabei: „Nein, nein, nein! Er kommt an unsere Schule und lügt darüber, wo er letztes Jahr war. Das sieht einfach nicht gut aus.“ Gere entgegnete nur: „Robert ist ein Mann von hohem Ansehen.“ Ob dabei nur gescherzt wurde oder tatsächlich einer der beiden die Wahrheit andeutete, bleibt offen.
Eine neue Fan-Theorie: Steckt Susan dahinter?
Nach Veröffentlichung der jüngsten Episoden meldete sich zudem ein Zuschauer auf Reddit zu Wort und lenkte den Verdacht auf Susan (Kaia Gerber), Brets Freundin, die Robert im Verlauf der Handlung immer näherkommt. Der Nutzer schrieb, er behalte Susan nun genauer im Auge und wolle die Serie erneut ansehen, um einige Details zu überprüfen – und lieferte dafür gleich mehrere mögliche Indizien.
So sei über Susans Privatleben abseits der Schule und der Freundesgruppe bislang kaum etwas gezeigt worden, anders als bei Bret, von dem man wisse, dass er allein zuhause sei. Auch erinnere sich der Nutzer nicht daran, dass Susan selbst einen Anruf vom Trawler erhalten habe.
Zudem sei in Episode vier mehrfach erwähnt worden, dass ihr Vater Arzt sei – was die Frage aufwerfe, wer sich sonst Zugang zu LSD und speziell zu altmodischen Apotheker-Flaschen hätte verschaffen können, wie sie am Ende von Episode zwei gezeigt würden. Auffällig sei zudem, dass Susan sich – anders als alle anderen Figuren – um Roberts Medikamente sorge, deren genaue Art bislang nicht offengelegt werde.
Der Reddit-Nutzer verwies außerdem darauf, dass der Trawler gerne Musik abspiele, während Susan häufig „Ich liebe dieses Lied“ sage, sobald ein Song ertönt. Auch die Tatsache, dass der Mörder seine Opfer durch erzwungenes Essen quäle, sei auffällig: Man erfahre schließlich, dass Susan zuvor in einer Abnehmklinik gewesen sei, um ihr Gewicht zu „halten“ – obwohl sie „gar nicht dick“ gewesen sei.
Aktuell mag Robert also derjenige sein, auf den Bret die Aufmerksamkeit lenken möchte. Doch in diesem frühen Stadium der Serie lohnt es sich, jede Figur im Blick zu behalten, bis mehr Klarheit herrscht.










