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Big Hig, Big Hig, whatcha gonna do? Whatcha gonna do when he comes for you?

„The Last of Us“ ohne Zombies – was bleibt dann noch? Kritik zu „Das Ende der Sterne“

Auch mit 89 Jahren dreht Ridley Scott große Genrefilme am Fließband. „Das Ende der Sterne“ ist nun zumindest besser als „House of Gucci“.

„Das Ende der Sterne“ ist Ridley Scotts bester Film seit „Der Marsianer“. Das ist nicht die Meinung dieser Kritik, sondern Scotts eigene Aussage während der aktuellen Pressetour zum Film. Das klingt bedeutungsvoll (und Filmfans werden es Scott vielleicht übel nehmen, dass er „The Last Duel“ so leichtfertig schlechtredet), aber man muss beachten, dass Scotts Worte mit Vorsicht zu genießen sind. Über „Gladiator II“ sagte Scott im Sommer 2024 schließlich noch, dass es der beste Film ist, den er jemals gemacht hat.

Es wirkt fast so, als würde Scott die meisten seiner Filme vergessen, nachdem er sie gedreht hat – passenderweise geht es dem Publikum in den letzten Jahren mit seinen Filmen ähnlich. Ridley Scott ist weiterhin ein großer Name und ein fähiger Regisseur, doch Hollywood schätzt ihn für seinen schnörkellosen Produktionsstil und weniger für inszenatorische Kniffe. Somit muss jeder Scott-Film durch Drehbuch und Cast überzeugen, was „Das Ende der Sterne“ teilweise, aber nicht komplett gelingt.

Ein paar Zombies hätten nicht geschadet

Hig und Bangley gucken in die Kamera und stehen auf einer Wiese.
Hig und Bangley sind ein seltsames Paar. Foto: Disney

Basierend auf dem Roman „Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte“ von Peter Heller, dessen sperriger deutscher Titel für den Film dankbarerweise gekürzt wurde, geht es um Hig (Jacob Elordi), der mit seinem Hund Jasper und dem kratzbürstigen Bangley (Josh Brolin) auf einem verlassenen Flugzeughangar in Colorado wohnt. Wir schreiben das Jahr 2035 und ein Großteil der Menschheit ist vor einigen Jahren an einer nur grob thematisierten Krankheit gestorben – auch Higs Frau Melissa. Mit seiner Cessna besucht Hig gelegentlich Denver, um die eigenen Vorräte aufzustocken und auf dem Weg Ausschau nach Plünderern zu halten, die Bangley leichtfertig von seinem Wachturm erschießt.

In diesen ersten Szenen tut sich „Das Ende der Sterne“ schwer damit, dieser nicht gerade neuen Endzeitvorstellung etwas Neues abzugewinnen – der Score, der teils sehr stark an „The Last of Us“ erinnert, hilft dabei wenig. So richtig los geht die Geschichte aber erst, als Hig sich nach einem Funkspruch dafür entscheidet, mit seinem Flugzeug nach den letzten Überbleibseln einer Gesellschaft zu suchen. Dabei vertraut der Film glücklicherweise nicht zu lange auf Jacob Elordis Potential als Hauptdarsteller, denn er bleibt zu blass, um allein durch diese Geschichte zu führen.

Vom ruhigen Drama zum Survival-Thriller – und umgekehrt

Hig und Cima am Lagerfeuer.
Hig will sich anfangs nicht auf Cimas Annäherungsversuche einlassen. Foto: Disney

Guy Pearce ersetzt problemlos Josh Brolin als grummelnden alten Mann, den Hig nach einer ungeplanten Landung trifft. Pops wohnt mit seiner Tochter Cima (Margaret Qualley) auf einer Farm und misstraut dem Neuankömmling, während sich Cima über die Gesellschaft eines gleichaltrigen Mannes freut. Eine Beziehung zwischen Hig und Cima scheint unausweichlich, doch in Sachen Romantik hat „Das Ende der Sterne“ wenig zu bieten. Allerdings findet der Film nach Higs Ankunft bei Pops und Cima seinen Rhythmus und wartet anschließend noch mit einigen Actionszenen und einem Zwischenstopp an einem Flughafen auf, dessen an Bong Joon-Ho erinnernde Merkwürdigkeit kaum in diesen Film zu passen scheint – aber zeitgleich das Highlight des Films darstellt.

Einen echten Showdown gibt es nicht, ebenso wenig wie klare Antagonisten – wenn man von der Flughafenszene absieht. Plünderer tauchen immer wieder auf, mal in kleineren und mal in größeren Gruppen, aber sie werden eher als konstante, zu erwartende Gefahr dargestellt. Somit ist „Das Ende der Sterne“ eher eine Momentaufnahme im Leben von Hig, der immer wieder Menschlichkeit in einer menschenleeren Welt sucht und findet.

Mehr Fragen als Antworten

Hig mit Waffe, umgeben von Rauch.
Hig ist oft auf Bangleys Hilfe angewiesen. Foto: Disney

Bei den genauen Umständen dieser zusammengebrochenen Gesellschaft bleibt „Das Ende der Sterne“ aber äußerst schwammig. Sowohl Cima als auch Hig waren vor der großen Pandemie bereits verheiratet und sind weiterhin recht jung, also wird der Zusammenbruch der Gesellschaft kaum mehr als 10 Jahre zurückliegen – eher weniger.

Warum gibt es dann wilde Plünderer-Gruppierungen, die scheinbar kaum noch sprechen können und eher in einen Film wie „28 Years Later“ passen würden? „Das Ende der Sterne“ ist teilweise ein kruder Themen-Mischmasch, was über weite Strecken unterhält, aber sich letztendlich nicht zu einem wirklich runden Film zusammenfügt. Mittlerweile wird Ridley Scott „Das Ende der Sterne“ bereits vergessen haben und dem Publikum wird es nicht anders gehen, auch wenn dieses unausgegorene Survival-Drama sein Herz eigentlich am rechten Fleck hat.

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