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Rebel Wolves startet stark

„The Blood of Dawnwalker“ im Test: Dieses Vampir-RPG hat mich einfach nicht losgelassen

Schwertkunst, Vampirkräfte und eine Welt voller Konsequenzen: Kann „The Blood of Dawnwalker“ die hohen Erwartungen an das Vampir-RPG erfüllen?

Coen drückt seine Hand zusammen und schaut zur Seite.
„The Blood of Dawnwalker“ erscheint am 03. September für PS5, Xbox und PC. Foto: Rebel Wolves, Bandai Namco

Nach meinem ersten Eindruck auf der Gamescom im vergangenen Jahr und ganzen vier Stunden Spielzeit bei einem Preview-Event im Juni hatte ich nun die Gelegenheit, „The Blood of Dawnwalker“ vor dem Release am 3. September in seiner finalen Fassung zu erleben. Genug Zeit also, um herauszufinden, ob das ambitionierte Vampir-RPG von Rebel Wolves seinen starken Ersteindruck tatsächlich bestätigen kann. Nach den bisherigen Sessions war die Vorfreude groß – doch gerade bei einem so umfangreichen Rollenspiel zeigt sich erst im vollständigen Durchlauf, ob die einzelnen Systeme auch langfristig funktionieren.

Schafft es „The Blood of Dawnwalker“ also tatsächlich, die hohen Erwartungen zu erfüllen – oder geht dem RPG auf dem Weg zur großen Vampir-Saga die Luft aus?

Die Handlung von „The Blood of Dawnwalker“

Die Geschichte beginnt im kleinen Dorf Laslea, wo Coen mit seiner Familie unter der Herrschaft der Vampire lebt. Die Menschen haben sich längst mit der brutalen Realität arrangiert: Bei der regelmäßigen Blutmesse geben sie einen Teil ihres Blutes an die Vrakhiri ab und erhalten dafür Vampirblut, das Krankheiten heilen kann. Doch Coens Familie will sich mit diesem Leben nicht länger abfinden. Als sein Vater sich dem Widerstand anschließt, nimmt die Geschichte schnell Fahrt auf.

Der Aufstand gegen die Vampire scheitert jedoch, und Coen muss mit ansehen, wie seine Familie gefangen genommen wird. Dann wird Coen selbst auch noch von Brencis verwandelt – und ausgerechnet dabei entsteht etwas, das es eigentlich gar nicht geben dürfte: ein Dawnwalker, halb Mensch, halb Vampir.

Für ihn beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit: Nur 30 Tage bleiben ihm, um seine Familie zu retten, bevor sie dem grausamen Plan des Vampirfürsten Brencis zum Opfer fallen. Bestimmte Quests und Aktionen lassen die Uhr voranschreiten, während ihr die Welt ansonsten in eurem eigenen Tempo erkunden könnt. Ihr werdet jedoch niemals genug Zeit haben, um alles zu erledigen.

Welche Aufgaben ihr wann angeht und welche ihr links liegen lasst, liegt also ganz bei euch – und beeinflusst nicht nur Coens Geschichte, sondern auch die Welt um ihn herum...

Von Schwertkunst bis Vampirfähigkeiten: So funktioniert Coens Kampfsystem

Bevor „The Blood of Dawnwalker“ seine eigentliche Geschichte entfaltet, führt euch das Spiel angenehm behutsam in seine Welt und die wichtigsten Mechaniken ein. Direkt zu Beginn verschwindet Coens Schwester Lunka. Auf der Suche nach ihr folgt ihr ihrer Spur durch einen dichten Wald und lernt dabei ganz nebenbei die Grundlagen: Springen, Sprinten, Ducken und das Überwinden kleiner Hindernisse werden organisch in die Umgebung eingebaut, statt euch mit ständigen Tutorialfenstern aus dem Spielfluss zu reißen.

Kurz darauf stehen die ersten Kämpfe an, in denen ihr euch zunächst mit Coens menschlichen Fähigkeiten vertraut macht. Später kommen seine vampirischen Kräfte hinzu. Dabei setzt „The Blood of Dawnwalker“ in beiden Formen auf ein direktionales Parieren: Ihr müsst nicht nur im richtigen Moment blocken, sondern gleichzeitig mit dem Stick die Richtung des gegnerischen Angriffs treffen. Das sorgt gerade zu Beginn für eine ordentliche Lernkurve.

Mehrere Gegner gleichzeitig können schnell überfordern und verlangen einiges an Geduld. Wem das System zu sperrig ist, kann die Richtungssteuerung in den Einstellungen allerdings deaktivieren und stattdessen auf ein klassischeres Blocken-und-Ausweichen-System setzen.

Im Prolog wird euch dann zwar zunächst wieder einiges genommen, doch sobald ihr später erneut kämpfen müsst, nimmt euch das Spiel noch einmal an die Hand.

Mit der Zeit werden die Kämpfe komplexer und die Gegner um einiges stärker, doch keine Sorge: Coen schaltet gleichzeitig durch gleich drei Skill Trees natürlich auch neue Fähigkeiten und Zauber frei. Dafür kombiniert „The Blood of Dawnwalker“ Erfahrungspunkte, gefundene Hand- und Zauberbücher sowie Zeit als wichtige Ressource.

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Skill Tree der Zauberkunst
Foto: Rebel Wolves, Bandai Namco

Zauberkunst

Die Hexerei hingegen konzentriert sich auf tagaktive Magie, die jedoch Coens eigene Lebenspunkte als Ressource verzehrt. Um diese mächtigen Zaubersprüche freizuschalten, müsst ihr alte Zauberbücher aufspüren, die in verlassenen Ruinen, verborgenen Bibliotheken oder an magisch aufgeladenen Orten verstreut sind.

Häufig ist der Zugang zu diesen Büchern an das Lösen von Rätseln oder das Absolvieren von Gefallen für einsiedlerische Magier geknüpft.

Skill Tree der Schwertkunst
Foto: Rebel Wolves, Bandai Namco

Schwertkunst

Für den Skill Tree der Schwertkunst, der Coens Nahkampffähigkeiten bei Tag und Nacht verbessert, benötigt ihr in der Spielwelt versteckte Schwertkunst-Handbücher. Diese Lehrschriften findet ihr vor allem in militärischen Außenposten, alten Festungen oder im Sortiment spezialisierter Waffenhändler.

Das Meistern dieser Techniken setzt zudem voraus, dass ihr Elite-Wachen und Bosse im direkten Zweikampf bezwingt.

Skill Tree des Vampirismus
Foto: Rebel Wolves, Bandai Namco

Vampirismus

Der Baum des Vampirismus unterscheidet sich grundlegend von den beiden anderen Pfaden, da Coens übernatürlichen Raubtierkräfte ausschließlich nach Sonnenuntergang aktiv sind. Diese Fähigkeiten levelst du nicht primär durch Bücher, sondern durch das Steigern von Coens Korruptions-Level.

Indem du das Blut deiner Feinde trinkst und deine vampirische Natur akzeptierst, nährst du diese dunkle Macht. Die eigentliche Aktivierung der Nachtkräfte erfolgt schließlich an verfluchten Orten und versteckten Schreinen der Nacht, die in der Spielwelt verteilt sind.

Da das Erlernen fortgeschrittener Fähigkeiten aller drei Bäume allerdings wertvolle Zeit auf dem 30-Tage-In-Game-Timer kostet, musst du genau abwägen, welchen Pfad du priorisierst.

Wie gut sind Coens zwei Formen ausbalanciert?

Wie bereits bei den Skill-Trees deutlich wird, entwickeln sich Coens menschliche und vampirische Fähigkeiten auf unterschiedlichen Pfaden und lassen sich individuell ausbauen. Anfangs hatte ich dabei durchaus die Sorge, dass die Vampirseite schnell zur eindeutig besseren Wahl werden könnte. Schließlich erhält Coen nach Sonnenuntergang Fähigkeiten, die deutlich über stärkere Angriffe hinausgehen. Tagsüber stehen ihm dagegen vor allem Schwertkampf, Alchemie und dunkle menschliche Magie wie Nekromantie zur Verfügung.

Besonders der Schattenschritt eröffnet euch völlig neue Möglichkeiten – sowohl im Kampf als auch bei der Erkundung. Plötzlich erreicht ihr Wachtürme, verschlossene Gebäude oder andere Bereiche, die euch zuvor versperrt waren, und könnt dadurch sogar ganz anders an manche Quests herangehen.

Doch diese Sorge legt sich schnell, denn die Vampirkräfte bringen ihre eigenen Probleme mit sich. Als Vampir muss Coen seinen Blutdurst unter Kontrolle halten und kann dafür Tiere oder Gegner aussaugen. Seine Gesundheit fungiert nachts zudem gleichzeitig als Hungeranzeige, weshalb ihr nach einem Kampf schnell wieder auf Nahrungssuche gehen müsst. Ignoriert ihr euren Hunger zu lange, verliert Coen zunehmend die Kontrolle und kann im schlimmsten Fall sogar Verbündete oder unschuldige NPCs angreifen.

Eine wunderschöne, kompakte Open World

Die Welt von „The Blood of Dawnwalker“ ist zwar vergleichsweise klein, dafür aber umso liebevoller gestaltet. Statt euch kilometerweit durch leere Landschaften zu schicken, steckt fernab von Laslea hinter jeder Ecke etwas: Dichte Wälder, neblige Sümpfe, Flüsse und zerklüftete Berglandschaften wechseln sich ab, dazwischen finden sich Dörfer, Ruinen, Höhlen und versteckte Wege. Die Inspiration durch die Karpaten und Osteuropa des 14. Jahrhunderts ist dabei jederzeit spürbar und verleiht der Welt eine wunderbar raue und düstere Atmosphäre.

Besonders gut gefällt mir, wie stark die Vertikalität der Welt genutzt wird. Die Berge sind nicht einfach nur hübsche Kulisse, sondern werden mit Coens Fähigkeiten zu einem Teil der Erkundung. Wo ihr anfangs noch vor einer unüberwindbaren Klippe steht, eröffnet sich später plötzlich ein neuer Weg. So belohnt „The Blood of Dawnwalker“ eure Neugier, ohne euch permanent mit Symbolen und Markierungen auf der Karte zuzuschütten.

Ein Screenshot von der Karte von „The blood of dawnwalker“
Foto: Rebel Wolves, Bandai Namco

Auch die politische Struktur der Welt passt sich angenehm an die Geschichte an. Im Zentrum liegt die gothische Haupstadt Svartrau, während die vier umliegenden Lehnsgüter von den Vampirlords Brencis, Ambrus, Bakir und Xanthe kontrolliert werden. Jeder von ihnen hat sein eigenes Territorium und seinen eigenen Einfluss, wodurch Vale Sangora nicht wie eine zusammengewürfelte Open World wirkt, sondern wie ein tatsächlich umkämpftes Tal, in dem sich die Machtverhältnisse spürbar unterscheiden.

Beim normalen Erkunden könnt ihr euch übrigens alle Zeit der Welt lassen. Erst Quests und bestimmte Aktionen treiben die Uhr voran. Das ist eine kleine, aber wichtige Entscheidung, denn so könnt ihr die Welt tatsächlich genießen, ohne bei jedem Umweg das Gefühl zu haben, wertvolle Stunden zu verschwenden.

„The Blood of Dawnwalker“ bietet vielschichtige Charaktere statt Schwarz-Weiß-Denken

Eine der großen Stärken von „The Blood of Dawnwalker“ sind für mich seine Charaktere. Das Spiel macht es sich erstaunlich selten einfach, wenn es darum geht, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Selbst die Antagonisten sind mehr als bloße Gegenspieler, die man am Ende einfach besiegen soll. Vampirfürst Brencis etwa vertritt seine Herrschaft mit Argumenten, die zumindest nachvollziehbar machen, warum er selbst davon überzeugt ist, das Richtige zu tun. Seine Entscheidungen bleiben grausam, aber sie kommen nicht aus dem Nichts.

Noch interessanter wird es bei den Figuren, die eigentlich auf Coens Seite stehen. Rebellenführer Craig oder die Vampirin Lacra stellen immer wieder den moralischen Kompass auf die Probe. Nicht jede Entscheidung der vermeintlichen Verbündeten lässt sich einfach als richtig oder falsch einordnen. Genau dadurch entsteht das Gefühl, dass Coen tatsächlich seinen eigenen Weg durch diese Welt finden muss, anstatt lediglich einer vorgegebenen Heldenreise zu folgen.

Ebenfalls wichtig: „The Blood of Dawnwalker“ nimmt euch nicht ständig an die Hand. Im Gegenteil, das Spiel verlangt Aufmerksamkeit und geht davon aus, dass ihr euch Informationen tatsächlich durchliest und merkt. Questdetails werden teilweise nur ein einziges Mal erwähnt, und auch beim Brauen von Tränken solltet ihr genau zuhören und hinschauen. Rezepte und Anleitungen könnt ihr nicht jederzeit erneut aufrufen – wer sich wichtige Informationen nicht merkt, steht schnell vor einem Problem.

Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit, kann euch aber schon im Prolog ordentlich ins Straucheln bringen.

Das passt auch zur Welt selbst. Vale Sangora ist von Pest, Krieg und Verlust gezeichnet. Fast jeder Charakter trägt irgendeine Form von Trauma mit sich herum, und das merkt man den Gesprächen an. Die Figuren erzählen nicht einfach ihre Hintergrundgeschichte herunter, sondern wirken wie Menschen, die mit den Konsequenzen einer Welt leben müssen, in der Tod und Gewalt zum Alltag gehören. Dadurch bekommen selbst kleinere Begegnungen eine Schwere, die vielen Open-World-Spielen fehlt.

Gleichzeitig gibt euch das Spiel erstaunlich viele Möglichkeiten, eure Beziehungen zu den Figuren selbst zu gestalten. Durch zahlreiche Dialogoptionen könnt ihr Charaktere zu Freunden oder Feinden machen – und in Ancas Fall sogar eine romantische Beziehung aufbauen. Dabei bleibt es nicht bei den wichtigen Figuren: Auch mit den Bewohnern der Welt könnt ihr interagieren. Zwar handelt es sich hier häufig um kürzere und teilweise wiederholende Kommentare über den Köpfen der NPCs statt um vollwertige Gespräche, trotzdem könnt ihr entscheiden, ob ihr ihnen helft, sie links liegen lasst oder sogar bestehlt.

Eine Welt, die sich an eure Entscheidungen erinnert

Und genau solche Aktionen können durchaus ernsthafte Konsequenzen haben. Jede Entscheidung zählt und verändert euer Spielerlebnis: Greift ihr das Vampirregime an, steigt eure Infamie. Sabotiert ihr etwa Brencis’ Blut-Farmen, zerstört Vorräte oder schaltet Wachen aus, bleibt das nicht unbemerkt. Mit steigender Berüchtigtheit reagiert Brencis zunehmend härter, schickt mehr Wachen auf die Straßen und errichtet neue Straßensperren. Die Welt wird dadurch spürbar gefährlicher.

Gleichzeitig können eure Taten aber auch neue Möglichkeiten eröffnen. Widerstandskämpfer und andere Gegner des Regimes schöpfen durch eure Aktionen Mut, wodurch sich neue Questreihen und Allianzen ergeben können. Auch die NPCs selbst reagieren auf euer Verhalten. Wer sich nachts nicht im Griff hat und unschuldige Menschen oder Verbündete als Blutquelle missbraucht, muss damit rechnen, dass sich die Nachricht herumspricht und Bewohner euch später mit Angst begegnen oder ihre Hilfe verweigern.

Fazit: Kann „The Blood of Dawnwalker“ überzeugen?

Ich würde es etwas persönlicher und flüssiger machen und die Wertung weniger nach klassischem Test-Fazit klingen lassen:

Nach meinen ersten Stunden mit „The Blood of Dawnwalker“ war für mich vor allem eine Frage offen: Schafft es Rebel Wolves, diesen starken Ersteindruck auch über das komplette Spiel hinweg zu halten? Die Antwort lautet für mich klar: ja. „The Blood of Dawnwalker“ ist nicht perfekt, aber genau das düstere Vampir-RPG geworden, auf das ich nach meinen ersten Previews gehofft hatte.

Vor allem das Zusammenspiel aus einer dichten, atmosphärischen Welt, vielschichtigen Charakteren und einem Kampfsystem, das euch mit der Zeit immer mehr Möglichkeiten eröffnet, funktioniert richtig gut. Gleichzeitig hat fast jede eurer Entscheidungen das Potenzial, den weiteren Verlauf eures Abenteuers zu verändern.

Ob ihr euch dem Widerstand anschließt, mit wem ihr euch verbündet, wie ihr mit den Bewohnern umgeht oder wie weit ihr gegen das Vampirregime vorgeht – eure Handlungen bleiben nicht ohne Folgen. Genau das macht Vale Sangora zu mehr als einer bloßen Kulisse.

Natürlich braucht gerade das Kampfsystem etwas Eingewöhnung, und auch bei den Nebenfiguren erreicht nicht jede die erzählerische Stärke der wichtigsten Charaktere. Trotzdem hatte ich nach meinem vollständigen Durchlauf nur selten das Gefühl, dass „The Blood of Dawnwalker“ an seinen eigenen Ansprüchen scheitert. Im Gegenteil: Das Spiel schafft es erstaunlich gut, seine großen Ideen in funktionierende Spielmechaniken zu übersetzen.